‚Please remain seated and wait for further instructions’ heißt es im Intro zum neuen OMD Album, das mit ‚English Electric’ den Namen zum Programm gemacht hat. Die bereits veröffentlichte Single ‚Metroland’ beweist eindrucksvoll, dass man jedoch auch mal ins Ausland geschielt hat, denn neben den originären OMD-Elementen ist ganz deutlich die Liebe der beidem Musiker auch zur deutschen Elektronik durchzuhören. Europa ist eben doch endlos und genau das wird musikalisch aufgegriffen und in ‚Metroland’ integriert. Über sieben Minuten Länge sind eher ungewöhnlich für eine Single, jedoch angemessen und keinesfalls langweilig. Und schließlich hat Karl Bartos dann bei ‚Kissing The Machine’ sogar mitgewirkt. Kometenmelodien für das neue Jahrtausend, unterstützt von Claudia Brücken im Intro, mit einfangender Melodie in einem kühl schimmernden Downbeat eingebunden. Das Album erscheint beim ersten Hörer gradliniger als der Vorgänger ‚History Of Modern’, der vor drei Jahren das nach einer vorangegangenen Tour eingeläutete Comback von McCluskey und Humphreys mit neuem Material echt und authentisch erscheinen ließ. Schnell jedoch löst sich dieser Gedanke jedoch auf, denn neben den erwähnten Referenzen auf die frühen Kraftwerk findet man Pure Pop, für den OMD eben stehen oder auch Sample-angereicherte Instrumentals, die keinem Song-Muster folgen wollen. Der experimentelle Charakter der Band kehrt in Stücken wie ‚Our System’ zurück, bei dem die Magnetosphäre des Planeten Jupiter aufgenommen von der Voyager Mission einen knisternden Background für eine vollkommen unkomplizierte Ballade bildet, die Melancholie und Ruhe zugleich ausstrahlt. In der Riege der starken Frauen wird diesmal die Göttertochter Helena von Troja besungen, ein weiterer der Pop-Momente dieses Albums, der genauso spontan im Kopf bleiben will, wie ‚Night Cafe’, welches sich inhaltlich mit Edward Hoppers Werk befasst. Die gewisse Schwere im Herzen, die bei ‚Walking On The Milkyway’ unweigerlich einsetzte lebt in ‚Stay With Me’ auf. Paul Humphreys weiß eben, wie er die Harmonien in Reihe setzt um solche Effekte zu erzielen. Was auffällt ist, dass OMD sich trotzt aller Innovation gerne an alten Strukturen orientieren, denn ‚Dresden’ muss sicherlich als der legitime Nachfolger von ‚Enola Gay’ eingeordnet werden. ‚English Electric’ begeistert mit perfekter Produktion, die trotzdem mit Details und unterschwelligen Effekten überrascht. Schlüssiger im Gesamteindruck als der Vorgänger beweist das Album, dass sich Andy und Paul endgültig musikalisch wieder gefunden haben und sich anscheinend auch die räumliche Nähe bei den Aufnahmen, wo beim letzten Album noch Files hin und her gesendet wurden, ausgezahlt hat.