Ja also, es gibt da immer diese Bands die jedes Jahr eine neue Platte raus hauen, bis selbst die Katze der Nachbarn schon mitsingen kann. Und dann gibt es ’Mysthicon’ – die lassen sich lieber fünf Jahre Zeit, verschwinden in den Bergen und tauchen plötzlich wieder auf, als hätten sie gerade mit einem Rudel Wölfe einen Pakt geschlossen. Ergebnis dieser Auszeit: Bieśń, das neue Album, das am 23. September 2025 erscheint und schon jetzt mit der zweiten Single samt Video (von Mateusz Zawada) für Gänsehaut sorgt.
Die 2015 von Ex-Lux Occulta-Gitarrist G’Ames gegründete Truppe ist im Prinzip ein Who-is-Who der polnischen Metal-Szene: Mitglieder von Vader, Batushka, Hate und Kalt Vindur mischen mit – quasi ein Black-Metal-Kaffeekränzchen mit Extra-Koffein. Schon das Debüt Silva – Oculis – Corvi (2020) zeigte, dass Mysthicon den Wald nicht nur betreten, sondern gleich abbrennen wollen. Doch Bieśń geht noch tiefer in die Legenden und Mythen der Bieszczady-Berge, wo die Nacht so dunkel ist, dass selbst Google Maps aufgibt.
Sechs Tracks gibt’s diesmal, ein Mix aus klassischem Black Metal, Doom-Walzen und progressiven Eskapaden – quasi die musikalische Version von „ich bau mir ein Haus im Wald, aber mit Stromanschluss“. Und weil es noch nicht bizarr genug ist, packt die Band Drehleier und Kontrabass dazu. Klingt nach Mittelaltermarkt, klingt aber tatsächlich erstaunlich atmosphärisch. Das Finale setzt dem Ganzen die Krone auf: ein Cover des Lux Occulta-Demos „Creation“ in völlig neuer Gestalt.
Mit Adrian Mięsowicz (Mix/Master), Artwork von Michał Loranc „Xaay“ (Nile, Kamelot) und Fotos von Tomasz Gilewski und Łukasz Zajdel ist das Album nicht nur musikalisch, sondern auch optisch ein Ritual. Bieśń ist also keine Scheibe für die leichte Unterhaltung – sondern der perfekte Soundtrack für alle, die sich schon immer gefragt haben, wie es klingt, wenn der Wald zurückschaut.