"Hey, Horrschd, Lust auf Dungeon Synth?"

"Ja klar, aber bitte nicht so weichgespült und harmonisch. Muss schon schräg sein, nach ausgeleiertem Tape klingen."

"Lässt sich machen."

"Ja, und es muss sich auch irgendwie abheben von denn tausenden Releases, die alleine im letzten halben Jahr rauskamen. Am Besten auch mit ein paar unwirklichen Vocals, wie damals bei Vond auf der 'Selfmord' oder bei Valar, Stronghold Guardian oder Thangorodrim."

"Wie wäre es mit fiesen DSBM Vocals, schöne Tunnelverzerrung, rauh abgemischt?"

"Perfekt."

"Ja, und dann auch noch mit einem Coverartwork, dass zeigt, dass für Davey Sasahara, dem Mann hinter Moss Golem, Alter, Geschlecht, ansprechende Farbauswahl oder künstlerischer Anspruch keine Rolle spielen."

"Moment mal, das klingt jetzt eher trashig? Und das nicht im Guten... Hallo? Oh bitte nicht...."

Mit 'The woods of Galdura' will Davey Sasahara gegen ohrenschmeichelnde Massenproduktionen im Dungeon Synth anstinken. Hässlich, unbequem – das eher junge Genre, dass da im fast Verborgenen seine Fanschar vielleicht schon im fünf- bis sechsstelligen Bereich um sich geschart hat ist ihm zu nett. Und ich stimme dem Mann zu, denn tatsächlich entstehen in den Fließbandfabriken kleiner Kinderzimmer mit Internetzugang unendlich viele nette, aber wenig gehaltvolle Werke. Die genreeigenen Grenzen sind eng gezogen, das künstlerische Talent vieler Vertreter ebenso und Moss Golem soll verhindern, dass alles zu schmusig wird. Wir vernehmen also auf 'The woods of Galdura' eine Vision. Und die ist Mist. Aber ganz großer. Moss Golem steht für eine wenig innovative Idee und einen Musiker, der hoffentlich nicht allzuviel Zeit mit die Umsetzung verbracht hat. Denn wenn dies sein Opus Magnus ist, dann rate ich zu einem zweiten Standbein in einem anderen, nicht musikalischen Bereich. Ach, selbst wenn er die 36 Minuten in, sagen wir, 36 Minuten aufgenommen hätte, sollte er sich umorientieren. Da wird nicht mit Keyboardmelodien gegeizt, die das 23 Jahre alte Trash-Feuerwerk 'Mordenheim' von Grabesmond wie pure Magie erscheinen lässt. Vielleicht ist es ja auch eine besondere, live gehaltene Aufnahmetechnik Marke The Melvins oder Karl Runau, wo man einfach mal schaut, was bei rumkommt... In diesem Fall halt nix. Null. Und was macht man mit solchen Null-Melodien, die jeder Tastenkundige mit drei Promille einjammen kann, wenn man ihn nebenher nur intensiv genug ablenkt? Richtig, man produziert das Ergebnis quasi nicht. Ein bis drei Spuren müssen für die Melodien reichen, abruptes Faden der Spuren genauso, und wer denkt, dass einzelne Spuren in der Lautstärke aneinander angepasst sein sollten, der lebt nicht die Vision von Moss Golem. Wenn Davey Sasahara aus Versehen gegen den Drum Computer stößt, vernimmt der Genießer noch nichtssagende Drums, mal lau, mal leise, leider aber viel zu selten, um von einer Absicht zu sprechen. Und ja, das Ergebnis ist nicht schön. Eher belanglos. Nicht der Rede wert. Und das weiß Davey Sasahara, und es macht ihn richtig wütend, aber so richtig wütend. Hulk-wütend. Deswegen schreit er. Oder zumindest tut er so, indem er seine in Zimmerlautstärke eingeknurrten und vollkommen unverständlichen Gedanken so verzerrt, dass sie an Tunnelkeifvocals Marke Xasthur oder Leviathan erinnern. Yay. Und laut abgemischt sind sie. Sie verschmelzen weniger mit dem restlichen Klangzauber, sie kämpfen eher gegen ihn und gewinnen... Leider. Der siebte Titel ist velleicht der am ehesten als fast schon vollwertig zu bezeichnender Song und hier kann der Hörer wirklich die Vision von Moss Golem erleben, die nur zu einem Ergebnis führen kann. Dem unbändigen Wunsch, etwas anderes zu hören. Eine Baustelle? Top! Ein Konzert der kleinen Lisa, die seit 2 Wochen Violine spielt? Auf jeden Fall! Ich jedenfalls versuche mir bei jedem Durchlauf unbewusst, irgendetwas in die Ohren zu stopfen, damit der Schmerz einfach nur nachlässt.

Leider muss ich an dieser Stelle sagen, dass die 15 Kasetten, die offiziell produziert wurden, bereits vergriffen sind. Aber vielleicht kann man sich damit trösten, dass Davey Sasahara seine Karriere erst begonnen hat und in Zeiten erschwinglicher Aufnahmemöglichkeiten und des Internets hochwertige Releases wie dieses eine Diskographie häufig erst einleiten und nicht abschließen. Bestimmt wird man noch von Moss Golem hören – Hauptsache, dieser 'man' bin nicht ich und dieser Satz bedeutet das Ende meines Kontaktes mit dieser Sülze.

 

Moss Golem

The woods of Galdura


 

01.03.2020

Serpent Sword Records

 

https://serpentsswordrecords.bandcamp.com/album/the-woods-of-galdura

 

01. I

02. II

03. III

04. IV

05. V

06. VI

07. VII

08. VIII

09. IX

10. X