Von einem kleinen Festival mit nur 150 Besuchern hat sich das Bongert Open Air in Brüggen-Alst, direkt an der niederländischen Grenze, zu einem Event gemausert, das mit einem hochkarätigen Line-up begeisterte Fans aus dem ganzen Land anzieht. Mitten in den Feldern gelegen, ist die Bühne schon aus der Ferne nicht zu übersehen: Grelle Lichter schneiden sich ihren Weg durch das Grau dieses regnerischen Tages. Schon am Donnerstag nutzten die ersten Besucher die Gelegenheit, bei freiem Eintritt auf das Gelände zu strömen und sich auf das Wochenende einzustimmen.
Der Freitag bleibt verregnet, immer wieder ziehen starke Schauer über das Areal. Doch schon am Nachmittag versammeln sich die ersten Fans in Regenjacken und Ponchos vor der Bühne, um den Auftakt des BOA 2026 zu zelebrieren. Mit Blind Age steht ein lokaler Opener in den Startlöchern, der das Publikum sofort in seinen Bann zieht. Vom Wetter lässt sich hier niemand die Laune verdrießen. Als schließlich Wolfchant die Bühne betreten, ist der Regen kurzzeitig vergessen. Mit kraftvollem Sound und aggressiven Screams ebnen die fünf Musiker den Weg für ein Festival, das seinen Geheimtipp-Status längst hinter sich gelassen hat. Beim Headbangen fliegen die Regentropfen von den Kutten – man lässt sich dieses Highlight keinesfalls vermiesen.Dass sich auf den Feldern inzwischen internationale Größen die Klinke in die Hand geben, beweisen auch Rezet: Die erfolgreiche Thrash-Metal-Band aus Schleswig macht im Rahmen ihrer Europatour Halt am Niederrhein. Gewohnt routiniert trotzen die Musiker dem einen oder anderen technischen Problem und sorgen für ordentlich fliegende Haare auf der Palmenwiese. Man merkt den Erfahrenen an, dass sie schon seit jungen Jahren auf den Brettern stehen – sie lassen nichts anbrennen und begeistern mit einem Sound, der modern und zeitlos zugleich klingt.
Während es unaufhörlich weiterregnet, läuft auf der Bühne der Umbau für den nächsten Act. Ein aufwendiges Kulissenbild lässt Großes erahnen, und die Erwartungen werden nicht enttäuscht: Vanaheim erweisen sich als wahrhaftige Geschichtenerzähler. Mit brandneuen Songs im Gepäck – ihr neues Album erscheint exakt am Tag dieses Auftritts – zieht die niederländisch-belgisch-deutsche Band die Blicke auf sich. Sie erzeugen eine düstere, fesselnde Atmosphäre und überraschen mit ihrem mitreißenden Stil. Gebannt lauscht das Publikum Sänger Zino, der seine Texte ausschließlich auf Niederländisch vorträgt. Doch die vermeintliche Sprachbarriere existiert nicht: Man spürt auch ohne Worte die Geschichten von dunklen Mächten, Ängsten und Zorn. Wütend, packend und dynamisch – ein absoluter Höhepunkt des Tages. In der ersten Reihe stehen seit Stunden zwei Fans an der Absperrung, um ihrer Lieblingsband ganz nah zu sein – jener Kombo, deren flammenrotes Banner nun über dem Schlagzeug aufzieht: Mit den Burning Witches steht eine Schweizer Truppe auf der Bühne, die eindrucksvoll beweist, wie gewaltig Frauen-Power im Heavy Metal klingt. Von der ersten Minute an wirbelt Frontfrau Laura Guldemond über die Bretter, erfüllt das Gelände mit ihrer gewaltigen Stimme und reißt die Menge mit. Bei Hymnen wie „Hexenhammer“, „Black Widow“ oder „Inquisition“ grölt das Publikum aus zahlreichen Kehlen mit, sodass der Gesang weit über die nächtlichen Felder schallt. Auch zur späten Stunde trotzt man der nassen Kälte: Als letzter Act des Freitags bringen die Five Finger Skull Crusher – eine italienische Five-Finger-Death-Punch-Coverband – mit der rohen Energie der bekannten Welthits die Menge noch einmal zum Kochen.
Der Samstag zeigt sich wettertechnisch von seiner freundlicheren Seite, sodass hinter der Bühne nun auch die Leinwand aufgebaut werden kann, was am Vortag noch am Regen scheiterte. Rund 2.000 Besucher haben sich für den Finaltag angekündigt, und das Gelände füllt sich bereits am frühen Mittag. Den musikalischen Auftakt macht die Viersener Band Blind Age, die die Menge mit ihren melodischen Rockklängen auf Betriebstemperatur bringt.Festivalbesucher aus Nah und Fern genießen die familiäre Stimmung auf dem gemütlichen Bongert Open Air. Für das leibliche Wohl ist gesorgt, und auch kühles Bier darf bei einem Metalfestival natürlich nicht fehlen. Großes Interesse herrscht zudem an den Merchandise-Ständen: Wer möchte, trifft die meisten Künstler nach ihren Auftritten direkt vor Ort für Fotos und Autogramme. Genau diese Ungezwungenheit und Nähe zwischen Fans und Bands macht den besonderen Charme des Events aus.
Als Nächstes betreten Elvenpath die Bühne und erwecken mit ihrem Oldschool-Metal die 80er- und 90er-Jahre zu neuem Leben. Junge wie junggebliebene Fans lassen sich mitreißen. Mit der norddeutschen Band Sagenbringer folgt ein Act, der harten Metal mit fantasievollen Melodien verbindet: Sänger Haldruhir und seine Nordmannen lassen ihre Stimmen weit über die umgebenden Felder erklingen.Einen nicht ganz so weiten Anreiseweg hatten Obscurity aus dem Bergischen Land: Aus Velbert angereist, macht Frontmann Agalaz von der ersten Sekunde an klar, dass die Band keine Kompromisse eingeht. Wuchtige Riffs und brachiale Shouts hallen über die Palmenwiese. Nicht nur die mitgereisten Fans sind begeistert, als Agalaz schließlich von der Bühne steigt, um mitten in der Menge auf dem Rasen weiterzufeiern. Gemeinsam feiern, Spaß haben und die Musik genießen – genau darum geht es beim Bongert Open Air, und in diesem Moment ist dieser Geist greifbar nah.Die Zeit vergeht wie im Flug. Als Velvet Rush aus Hamburg die Bühne betreten, zeigt sich noch einmal die warmen Abendsonne. Doch heiß wird es vor allem den Herren im Publikum: Das Outfit von Sängerin Sandra lässt nur wenig Raum für Interpretationen. Mit erdgemachtem 70er-Jahre-Rock und Songs wie „Shake That Thing“ animieren die vier Norddeutschen die Menge, die begeistert mitgeht.
Als die Dämmerung über die Brüggener Palmenwiese hereinbricht, schlägt die Stunde für ein besonderes Highlight: Die schwedische Formation Mister Misery steht bereits zum zweiten Mal in Alst auf der Bühne. Großartige Anfeuerung braucht es nicht – zahlreiche Fans singen Hits wie „Survival of the Sickest“, „Ballad of the Headless Horseman“ oder „Mister Hyde“ wortgewandt mit. So ausgelassen und entfesselt hat man die Zuschauer über die gesamten Festivaltage noch nicht erlebt. Auch die Schweden genießen den Auftritt sichtlich und lassen sich gebührend feiern, ehe sie im Anschluss geduldig am Merch-Stand für ihre Fans da sind. Als vorletzter Act stehen Dymytry Paradox auf dem Plan. Die Prager Band beschreitet seit Kurzem neue Wege: Nach vielen Jahren mit rein tschechischen Texten stellen sie mit neuem Sänger ihr erstes englischsprachiges Album vor. In futuristischen Kostümen und Masken bringen die Musiker von der ersten Sekunde an eine einzigartige Energie auf die Bühne. Sänger Al Paradox zieht das Publikum mühelos in seinen Bann. Mit kraftvollen Modern-Metal-Tracks wie „Reignite Me“, „War Beneath My Skin“ oder „Enemy List“ sowie einer heißen Feuershow bringen die Tschechen das Bongert Open Air förmlich zum Beben – eine Band, die man definitiv im Auge behalten muss.Den gebührenden Abschluss gestalten schließlich One Last Legacy aus Gimbsheim. Mit einer gelungenen Mischung aus eigenen Songs und bekannten Metal-Hymnen lassen sie ein rundum gelungenes Bongert Open Air 2026 stimmungsvoll ausklingen.