Auf duden.de lieferte die Suche nach „Tohuwabohu“ mehrere Treffer. Das Substantiv und Neutrum mit dem klangvollen Namen hat viele Gesichter, und im Wesentlichen doch nur eines. Verwirrung, Wirrwar, Gewirr, Aufregung, Chaos, Gemenge, Durcheinander und Unordnung – kurz: das perfekte Synonym für die Leiden des modernen Menschen im Hier und Jetzt, das ganze Gerede um die zwingend notwendige Entschleunigung einmal ausgeklammert. Laurent Delogne alias Le Moderniste hat diese Zustandsform jetzt zu seinem seinem Thema gemacht. Nach dem 2010er-Album „Suck my beat“ folgt 2011 also „Tohuwabohu“. Für ein selbiges geht es auf Delognes neuem Longplayer allerdings ziemlich gesittet, sprich rhythmisch zu, dafür aber hart und apokalyptisch düster. Der Belgier versteht es, seinen ausgetüftelten, komplexen Rhythmic Noise so mit Sounds und Samples anzureichern, dass sie ihren simplen, aber auf den Punkt gebrachten Titeln/Themen voll und ganz gerecht werden und mehr als nur Töne entfalten, sondern auch Bilder, Visionen erzeugen, die sich jenseits der bekannten Umrisse einer Dampfwalze oder eines Presslufthammers manifestieren. So formen nicht nur brachiale, straighte Beat- und Bassläufe das Profil von „Tohuwabohu“, sondern auch warme, harmonische Klänge, weiche Ambient-Scapes, abwechslungsreiche Voice-Samples und Soundkreationen, wobei man sich jedoch der vorherrschenden unheimlichen, beklemmenden Grundstimmung nicht zu entziehen vermag. Das Album ist mehr als nur der Versuch, sich von Track zu Track an Brutalität und Aggressivität zu übertreffen. Sicher sind Stücke wie „Entertwined“ oder „Vital burst“ nicht gerade zimperliche Versuche, den Zustand des Tohuwabohu räumlich zu induzieren, sprich auf der Tanzfläche, doch der Reiz der neuen Veröffentlichung liegt im Spiel mit der Abwechslung, mit den Unter- und Zwischentönen, den Hintergründen. Diese Art von intelligent geordnetem Durcheinander nimmt man gern in Kauf. Sogar jeden Tag.