La Porta Ermetica - Horti Lamiani

La Porta Ermetica - Horti...

'La Porta Ermetica' – dieser Name ist kein Zufall, sondern ein bewusst gesetztes Versprechen. Die legendäre „Porta Magica“ in Rom, ein Überbleibsel alchemistischer Symbolik, steht sinnbildlich für genau das, was hier passiert: eine Tür, die Wissen verheißt, es aber nicht einfach preisgibt. Eine Schwelle zwischen Sichtbarem und Verborgenen. Und genau so funktioniert auch 'Horti Lamiani'. Dieses Album öffnet sich nicht – es lässt dich eintreten. Wenn überhaupt. Ich stand am Anfang beim Höres von 'Horti Lamiani' genau vor dieser Tür. Kurz gezögert. Dann trotzdem reingegangen. Und ja: Es lohnt sich. Aber bequem wird es nicht.

Denn hinter 'La Porta Ermetica' stehen mit 'Adriano Vincenti' und Mitgliedern von 'Ain Soph' keine Unbekannten, sondern Architekten dieser speziellen Klangwelt. Menschen, die nicht einfach Ambient produzieren, sondern Räume entwerfen. 'Horti Lamiani' wirkt deshalb für mich weniger wie ein Album denn mehr wie ein Ort – einer, der sich langsam entfaltet und dabei erstaunlich wenig Rücksicht auf die Erwartungen seiner Besucher nimmt. Musikalisch bewegen wir uns meinem Gefühl nach irgendwo im Spannungsfeld aus Dark Ambient, Drone und Atmospheric Ambient. Heißt konkret: begrenzte Beats, wenig Melodien und komplexe Strukturen an denen man sich festhalten könnte. Stattdessen breiten sich tiefe, langgezogene Flächen aus über denen sich fein austarierte Ambient-Schichten legen – mal warm, fast tröstlich, dann wieder kühl und distanziert. Persönlich gepackt hat mich diese stoische Konsequenz. 'Horti Lamiani' interessiert sich nicht dafür, ob du gerade abgeholt werden willst. Es kommt dir nicht entgegen. Du musst dich darauf einlassen – oder du lässt es eben bleiben. Und genau daraus entsteht dann eine Sogwirkung, die irgendwo zwischen Meditation und latenter Beklemmung pendelt. Dieses permanente Gefühl, dass unter der Oberfläche etwas arbeitet ohne jemals wirklich auszubrechen, ist vielleicht die größte Stärke des Albums.

Ein schöner – und nicht ganz unwichtiger – Kontext: Der Titel 'Horti Lamiani' verweist meiner Recherche nach auf die historischen Gärten der römischen Elite, Orte von Schönheit, Macht und nicht selten dekadenter Vergänglichkeit. Und genau dieses Spannungsfeld hört man auch im Album. Das hier ist keine reine Klangästhetik, das ist eine bewusst aufgeladene Atmosphäre mit historischem Unterbau. Man könnte schon fast sagen: Wenn Geschichte einen Soundtrack hätte, würde er ungefähr so klingen – nur ohne den nervigen Erzähler aus Dokumentationen. Der Einsatz von weiblichem Gesang setzt dabei gezielte Kontraste. Kein klassischer „Lead“, sondern eher ein ätherischer Schatten, der durch die Klangflächen zieht und für kurze Momente so etwas wie Orientierung bietet. Diese Fragmente sind selten – aber genau deshalb so wirkungsvoll. Es sind diese kleinen Lichtblicke, die verhindern, dass man sich komplett in diesem Klangnebel verliert. Und jetzt der ehrliche Teil: So faszinierend dieses Album ist, es verliert sich stellenweise auch ein wenig in seiner eigenen Konsequenz. Die Gleichförmigkeit ist gewollt, keine Frage – aber sie sorgt auch dafür, dass sich einzelne Passagen kaum voneinander abheben. Es gibt wenige Momente, an denen man sich festhalten kann. Manchmal ist das hypnotisch. Manchmal ist es einfach ein bisschen zu viel Selbstversenkung. Und nein – das ist nicht immer spannend. Aber genau das macht es auch irgendwie wieder interessant. Und ja, vielleicht auch ein kleines bisschen mutig.

Das Artwork bringt diese Idee übrigens perfekt auf den Punkt. Dieses alchemistische Gefäß mit dem roten Inhalt, das Herz darin, die Flamme darüber, das allsehende Auge in der Sonne – und darunter „Rubedo“, die Phase der Vollendung im alchemistischen Prozess. Subtil ist anders. Aber genau das funktioniert hier. Man hat das Gefühl, das Cover schaut dich nicht an, sondern es beobachtet dich. Und irgendwann hat man das mulmige Gefühl, dass es doch mehr über dich weiß als du über das Album. Ein bisschen unheimlich? Vielleicht. Aber genau deshalb bleibt man dann auch dran. Ha, und dann sind da die Releaseformate, eben in digitaler Form aber auch als Digipack – und die sind dann auch alles andere als Nebensache. Veröffentlicht über 'Dunkelheit Produktionen' – laut eigener Aussage „Your Source For Occult Music And More“ – und ganz ehrlich: selten hat ein Slogan so gut gepasst. Wenn das hier nicht unter „Occult Music“ fällt, dann weiß ich auch nicht mehr. Vielleicht „leicht mystisch angehauchter Hintergrundsound für den Feierabend“ – aber das würde dem Ganzen nicht gerecht werden. Das auf 300 Exemplare limitierte, handnummerierte Digipack aus stabilem 350g-Karton dürfte sich genau so anfühlen wie dieses Album klingt: wertig, bewusst, fast schon rituell. Dazu gibt es auf Bandcamp - klar - den digitalen Zugang inklusive Download – also die Brücke zwischen physischem Artefakt und moderner Hörgewohnheit. Ein schöner Spagat, der zeigt, dass hier nicht nur Konzept, sondern auch Praxis stimmt. Und ja, man könnte jetzt sagen: „Am Ende ist es nur eine CD.“ Aber ganz ehrlich – genau das ist es eben nicht. In Zeiten von Streaming wirkt so ein Release fast schon wie ein kleines Gegenmanifest. Still, unaufgeregt, aber mit Haltung.

Unterm Strich ist 'Horti Lamiani' kein Album für den schnellen Kick. Es ist eher für Geduldige, für Kenner, für Neugierige, für Menschen, die sich gerne in Klangräume fallen lassen, ohne zu wissen, wo sie landen. Wer klare Strukturen, eingängige Melodien oder schnelle Belohnung sucht, wird hier ziemlich sicher vor verschlossener Tür stehen bleiben – und wahrscheinlich auch relativ schnell wieder umdrehen. Für alle anderen gilt: Diese Tür öffnet sich nicht oft – aber wenn sie es tut, dann lässt sie dich nicht einfach wieder gehen. Und genau deshalb bleibt man dran.

La Porta Ermetica - Horti Lamiani
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