Huhn oder Ei? Finntroll oder Korpiklaani? Was war denn nun zuerst da? Während sich die Gelehrten bei ersterem immer noch streiten, bräuchte ich beim zweiten Fall nur einfach mal nachschlagen. Mach ich aber nicht, denn es spielt auch eigentlich keine Rolle. Jeder kennt das Problem, mit zwei Bands, welche sich dermaßen ähneln, dass der Verdacht aufkommt, dass es sich bei einer um eine freche Kopie der anderen handeln muss. Bei mir sprangen zuerst Finntroll aus dem Busch, dann Jahre später erst Korpiklaani. Dies hat zur Folge, dass der Respekt für Korpiklaani sich bisher in Grenzen hielt, da sie mir immer wie die berühmt berüchtigten kleinen Klon vorkamen. Bei anderen Menschen mag die Konstellation der beiden Bands zueinander genau umgekehrt erscheinen, so dass es sich wirklich nur um meine persönliche Sicht der Dinge ist. Da nun aber das aktuelle Finntroll-Album nicht recht zu überzeugen weiß, bin ich mal gespannt, ob die Herren Korpiklaani nicht sogar an den Trollen vorbeihüpfen können. Zuerst fällt das Cover auf. Ein alter Mann mit Geweih…kopfkratz. Was will man uns damit sagen? Egal! Lasst euch jedenfalls nicht von dem beschaulichen und friedlichen Artwork ins Bockshorn jagen. Denn sobald der Silberling die ersten Töne ausspuckt ist es mit der Ruhe vorbei. Auf ihrem vierten Studioalbum mit dem wohlklingenden Namen „Tervaskanto“, was soviel wie „Alter Mann“ bedeutet, geben sich die Herren aus dem schönen Finnland wieder dem gepflegten Humppa Metal hin, der mit sofortiger Wirkung in die Bein- und Nackenmuskeln geht und exzessives Zucken verursacht. Doch das allein macht noch keine gute Scheibe aus. Korpiklanni vermischen auch diesmal wieder allerhand traditionelle Instrumente wie Geigen, Akkordeons, Flöten und legen fette Riffs drüber – fertig ist die Partyscheibe. Aber leider eignet sie sich halt nur für Partyhungrige mit 3,8 im Kessel. Nüchtern wirkt die Scheibe reichlich eindimensional und inspirationslos. Es wird auf altbewehrtes gesetzt, Mut zu Veränderung hat man in der Hütte gelassen. So entwickelt sich zwar eine beachtenswertes und unterhaltsames Album, was für Humppa-Metal-Neulinge zu einem Fest werden kann, jedoch erfahrene Waldschrat-Metaller nicht aus der Reserve lockt, klingt schon bereits der erste Song "Let's Drink" wie schon tausendmal gehört. Einzig „Vesilahden Veräjilla“ kann mich dazu bringen auf den Repeat-Schalter zu drücken. Ein geduldig aufgebauter Song der mit seinen sieben Minuten aus dem Schema fällt. Es geht doch! Sobald man sich die Zeit nimmt und nicht auf Teufel komm raus vorgeht, ist ein nachvollziehbarer Aufbau möglich, und das zahlt sich auch aus. Der Rest wirkt überfrachtet und musikalisch wenig überzeugend. Ein Song wird nicht besser, indem man ihn mit einer Wand von Akkordeons und anderem Schnickschnack überzieht. Weniger wäre da mehr. Fazit: Ich fürchte um das geliebte Subgenre des Humppa-Metals. Langsam aber sicher gehen den Bands die Puste aus. Merklich ausgelutscht präsentieren sich die tonangebenden Bands des Genres. Auf „Tervaskanto“ jedenfalls sucht man neue zukunftsweisende Elemente vergeblich, von magischen Momenten ganz zu schweigen. Also was tun? Stimmt, alte Finntroll-Scheiben anhören. Kippis! Bevor ich’s vergesse, die obligatorische limitierte Version enthält obendrauf eine leckere 45-minütige DVD mit dem wahrlich abgefahrenen Auftritt auf dem WACKEN vom letzten Jahr. Hoch die Tassen!