Këkht Aräkh - Morning star

Këkht Aräkh - Morning star

Këkht Aräkh haben vor 5 Jahren ein Album veröffentlicht, für das meine Begeisterung quasi grenzenlos ist. Zusammen mit den 'Forest sessions' von Jonathan Hulten war 'Pale Swordsman' das ALbum, dass zum ersten mal in Jahren nicht nur weitere gute Einträge in meine Playlisten bedeutete, sondern als Gesamtkunstwerk ehemalige Lieblinge aus meiner All-Time-Favorit-Liste der Lieblingsalben verdrängen konnte. Ich habe dieses Album in den letzten jahren verdammt oft gehört und auch viele Menschen in meinem Umfeld davon überzeugt. Këkht Aräkh sind in meinen Ohren die perfekte Umsetzung von Romantik im Gewand von Oldschool Black Metal der Marke Dark Throne und genau das, was ich in vielen Momenten meines Alltags gut hören kann um runterzukommen und meinen Gefühlen nah zu sein.

Wie also kann es dem jungen Herren, der aus der Ukraine stammt und inzwischen in Berlin lebt, gelingen, an ein solches Werk anzuschließen? Es ist verdammt schwer! Die in der Zwischenzeit veröffentlichten Eps und insbesondere die Split 'Tårar blir till blod' schmälerten meine Hoffnung auch deutlich, denn das ging mir zu sehr in eine weniger romantische, oft auch arg laienhafte Richtung mit hart-herausforderndem Undergroundsound und die cleanen Gesangselemente, die auf 'Pale swordsman' noch gut waren, klangen nun an manchen Stellen arg schief und fizzelig (zum Beispiel bei “Genom sorgen”). Und das Coverartwork unterstrich meine Sorgen, denn war der Vorgänger optisch zwar sicherlich ein Affont für traditionsbewusste Pandabären, so war der einsame 'Pale swordsman" auf dem Sofa mit Rose und Schwert extrem stimmig. Das vorliegende Werk ist optisch reiner 0815 Unterground und für mich wenig einladent. ‘Morning star’ ist ein Album, dass es mir auch inhaltlich nicht immer leicht gemacht hat. Alleine die Anzahl der Stücke ist mit 17 eine echte Überforderung und die Qualität schwankt bisweilen arg – der Musiker selbst schreibt, dass das Album eine sehr persönliche Angelegenheit ist, auf der er viel Erleben der letzten Jahre verarbeitete und ich will dies wohl glauben. Aber bis zum Schluss wirkt das Album wie eine lose Compilation unterschiedlicher Stücke, die nicht direkt ineinader greifen können und wollen. Ich musste mich also zunächst von einem kompakten Gesamterlebnis verabschieden und alleine dadurch kann ‘Morning star’ nicht so sehr mein Herz erobern wie noch der Vorgänger.

Ist Album Nummer drei also eine Enttäuschung? Nun ja, irgendwie schon, aber ich komme nicht umhin, festzustellen, dass sich unter die 17 Titel auch jede Menge Songs geschlichen haben, die schlichtweg großartig sind und dass Këkht Aräkh für mich weiterhin die Band ist, die am besten Oldschool Black Metal in der Gegenwart umsetzt. Die beiden Opener “Wänderer” und “Castle” knallen so richtig (weswegen der folgende Wechsel um so irritierender war, weil ich kurz die Hoffnung in mir trug, dass es genau so weitergehen würde). “Mörker över mörker” ist durch die zerbrechlichen und an dieser Stelle gelungenen clean Vocals ein wunderschönes Stück Melancholie, “Three winters away” setzt Gefühle von Einsamkeit und Isolation emotional wirkungsvoll um, “Drömsang” erinnert ein wenig an Wongraven, bevor es sich in eine kleine, aber feine Ballade wandelt. “Vigil” vermittelt genau die Wut, die ich angenehm finde im Black Metal und “Eternal martyr” wechselt großartig zwischen räudig nach vorne preschenden Strophen und einem fragilen Refrain. “Land av evig natt II” und der Titelsong selbst gefallen mir auch ausgesprochen und damit habe ich neun Songs benannt, die ich ausgesprochen gut finde. Die restlichen acht Songs sind dagegen in weiten Teilen Material, dass zwischen amateurhaft schräg und wenig ansprechend schwankt und diese Zerrissenheit macht es für mich schwer, das Album im Ganzen zu bewerten. Die benannten neun Stücke auf einem Album hätten pure Begeisterung in mir erzeugt, nicht ganz so gut, aber sehr nah dran am ‘Pale swordsman’. Aber ‘Morning star’ ist das Gesamtwerk und seine Stücke zu heterogen, um einen Gesamtdurchlauf zu einem Genuss werden lassen zu können.

Zu Gute halten möchte ich Këkht Aräkh, dass das Projekt darum bemüht ist, sich weiterzuentwickeln. So vernehme ich mehr Verweise auf den norwegischen Sound der 90er und ja, auch wenn ich viele Experimente nicht wirklich schätzen kann, so sind es doch Arbeiten am eigenen Sound und Entwicklung kann in einem Genre, das so enge Grenzen hat, nie schaden. Wer Këkht Aräkh bisher nicht kannte, sollte zunächst den Vorgänger sichten und sich ‘Morning star’ aufsparen, falls Begeisterung auftrat. Ich brauchte eine ganze Zeit, um mich damit abzufinden, dass das Album wie ein loses Stückwerk wirkt. Aber irgendwann musste ich auch objektiv klarbekommen, dass das in moderner Zeit weniger ein Problem ist als in den 90ern – ich muss nicht das ganze Album auflegen, ich kann ja die für mich großartigen Stücke in meine Playlisten aufnehmen und den Rest vergessen. Und dann habe ich neun wirklich tolle Stücke, die mir genau das geben, was ich suche. Also gebe ich noch vier Punkte, weil diese neun Stücke sehr sehr gut sind.


Këkht Aräkh - Morning star

Sacred Bones Record / 27.03.2026



https://kekhtarakh.bandcamp.com/album/morning-star


  1. Wänderer    
  2. Castle
  3. Lament
  4. Genom Sorgen
  5. Angest
  6. Mörker över mörker
  7. Three winters away
  8. Drömsang
  9. Raven king
  10. Vigil
  11. Eternal martyr
  12. Trollsang
  13. Land av evig natt I
  14. Land av evig natt II
  15. Gates
  16. Morning star
  17. Outro
Këkht Aräkh - Morning star
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