Kein Glücksgefühl mehr: 'Alphaville' lehnt Wiedereinladung ab

Kein Glücksgefühl mehr: Alphaville lehnt...

Ein Kommentar

Auf dem Hockenheimring gehören schnelle Richtungswechsel eigentlich zum Programm. Dass ausgerechnet das „Glücksgefühle Festival“ kurz vor dem Start einen derart spektakulären Schlingerkurs hinlegt, dürfte dennoch kaum geplant gewesen sein: 'Alphaville' wurden ausgeladen, wieder eingeladen – und haben nun selbst endgültig abgesagt.

Der Auftritt der Synthpop-Legenden war für Freitag, den 4. September 2026, vorgesehen. Zwei Tage zuvor strich der Veranstalter die Band aus dem Programm, weil man sich nicht darauf einigen konnte, politische Äußerungen auf der Bühne zu unterlassen. Das Festival verwies auf sein Konzept „Good Vibes Only“ und erklärte, komplett unpolitisch bleiben zu wollen. Laut Bandmanagement ging es bei den beanstandeten Ansagen Marian Golds jedoch um Positionen gegen Rechtsextremismus und die AfD sowie für Freiheit, Toleranz und Demokratie. 'Alphaville' sprachen in ihrer offiziellen Stellungnahme von einem „Maulkorberlass“.

Danach entwickelte die Sache mehr Eigendynamik, als einem Festivalveranstalter lieb sein kann. Campino bezeichnete die Ausladung bei einem Konzert von 'Die Toten Hosen' in Münster als absurd und holte Marian Gold anschließend für „Forever Young“ vor rund 25.000 Menschen auf die Bühne. Festival-Mitveranstalter Lukas Podolski begrüßte die spätere Kehrtwende und stellte klar, dass jeder seine Meinung sagen und „auch mal Kante zeigen“ dürfe. Schließlich bezeichnete Markus Krampe die Ausladung als Fehler, entschuldigte sich und lud 'Alphaville' erneut ein. Doch Vertrauen lässt sich offenbar nicht so schnell wieder ins Line-up schieben wie ein Bandlogo. 'Alphaville' nahmen Entschuldigung und Wiedereinladung zwar zur Kenntnis, erklärten die entstandene Atmosphäre aber für ungeeignet und sagten endgültig ab. Die Band kündigte zudem an, die Gage für den ausgefallenen Auftritt an eine gemeinnützige Organisation zu spenden. Ob das Geld bereits geflossen ist oder noch vom Veranstalter gezahlt werden muss, ließ sie offen.

Grundsätzlich kann ein Veranstalter einen Rahmen für sein Festival formulieren. Welche Grenzen der konkrete Gastspielvertrag setzte, ist öffentlich allerdings nicht bekannt. Ebenso muss ein Veranstalter mit den Reaktionen auf seine Entscheidungen leben. Wer Aussagen für Demokratie und gegen Rechtsextremismus als störenden Gegenpol zur guten Laune behandelt, macht sein Festival aus unserer Sicht nicht unpolitisch – sondern produziert selbst ein politisches Statement. Die spätere Entschuldigung war richtig, kam aber zu spät. „Good Vibes“ lassen sich eben weder verordnen noch nach einer öffentlichen Ausladung innerhalb weniger Stunden wieder ankleben.

Kein Glücksgefühl mehr: 'Alphaville' lehnt Wiedereinladung ab
Kommentarfunktion nicht verfügbar!
Dieser Inhalt kann nicht angezeigt werden, da du der Verwendung externer Cookies und Inhalte von Drittanbietern nicht zugestimmt hast. Um die Kommentarfunktion zu nutzen, kannst du deine Cookie-Einstellungen hier anpassen. Weitere Informationen zu den verwendeten Diensten und deren Datenschutzpraktiken findest du in unserer Datenschutzerklärung. Vielen Dank für dein Verständnis.

Medienkonverter.de

Wir verwenden Cookies zur Optimierung unserer Webseite. Details und Einstellungen finden Sie in der Datenschutzerklärung und im Privacy Center. Ihre Einwilligung ist jederzeit widerrufbar. Soziale Netzwerke & Drittanbieter-Inhalte können angezeigt werden. Mit „Alle akzeptieren“ stimmen Sie (widerruflich) auch einer Datenverarbeitung außerhalb des EWR zu (Art. 49 (1) (a) DSGVO).