Wenn Miles Davis’ elektrische Phase eine Abrissbirne für den Jazz war, dann sind 'Stef.in' der Typ, der sich fragt: „Cool, aber kann die Abrissbirne auch rückwärts fliegen und dabei gleichzeitig ein Gedicht rezitieren?“ Ihr neues Album ‘Icterus II’, das am 4. April 2025 über Barnyard Records erscheint, ist jedenfalls eine ebenso kühne wie verkorkste Mischung aus experimentellem Rock und Jazz, improvisierten Eskalationen und Momenten, die einen zwischen ekstatischem Kopfnicken und ratlosem Stirnrunzeln hin- und herwerfen.
Stefan Hegerat, Mastermind hinter dem Projekt, sitzt am Schlagzeug und hat einen klaren Plan: nämlich keinen. Stattdessen lässt er die Gitarristen Patrick O’Reilly und Robyn Gray mit Pedalen und Effekten wüten, während Mark Godfrey am Bass den tröstenden Anker spielt – wenn er nicht gerade selbst in luftige Höhen abdriftet. Die Band existiert seit 2017 und hat sich seither offenbar vorgenommen, Musik nicht nur zu machen, sondern auch vollständig auseinanderzunehmen, umzudrehen und in neuem Glanz wieder zusammenzusetzen.
‘Icterus II’ ist nicht einfach ein Nachfolger zum Debüt von 2018 – es ist eine Art wissenschaftliches Experiment, das sich fragt: „Was passiert, wenn man Math-Rock unter Druck setzt, bis er schreiend auseinanderplatzt?“ Hegerat beschreibt den Songwriting-Prozess als: „Ich notiere ein paar seltsame, halbfertige Ideen – und dann lasse ich die Jungs sie in die Stratosphäre schießen.“ Das Resultat: ein Album, das gleichzeitig verdammt klug und total wahnsinnig klingt.
Hegerat hat übrigens nicht nur Erfahrung als Bandleader, sondern auch als Musiker mit beeindruckender Reichweite: Er hat mit so ziemlich allen gespielt, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten – von Protest The Hero-Tourbegleitern bis hin zu obskuren Jazzprojekten. Seine Musik lief schon in Netflix-Serien, wurde auf Festivals gefeiert und ist vermutlich auch auf einem geheimen Radiosender auf dem Mars zu hören. Fazit: Wenn du denkst, Jazz und Rock hätten sich bereits genug verstiegen, dann kommt stef.in und fragt: „Halt mal mein Bier.“
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