Texas. Öl, Pick-ups, endlose Highways und ein politisches Klima, das selten für Zwischentöne bekannt ist. Genau aus diesem Umfeld stammt ‚In The Shadows‘ – und genau deshalb wirkt ‚Salvation‘ wie ein stiller Akt der Verweigerung. Statt Pathos und Lautstärke setzt das Debütalbum auf Dunkelheit, auf innere Abgründe und auf eine Ästhetik, die mit amerikanischer Selbstgewissheit wenig anfangen kann. ‚Salvation‘ klingt nicht nach Freiheit, sondern nach Reflexion. Nicht nach Weite, sondern nach Schatten. Und gerade aus Texas heraus entfaltet diese Musik zunächst eine spannende, fast schon subversive Erwartungshaltung.
Musikalisch bewegt sich ‚Salvation‘ klar im klassischen Darkwave-Kosmos. Tiefe Synth-Flächen, eher gemächlich pulsierende Rhythmen und eine insgesamt sehr dunkle, zurückhaltende Grundstimmung bestimmen das Album von Anfang an. Alles ist stark auf Atmosphäre ausgelegt, auf ein Gefühl von Schwere und innerer Einkehr. Die Musik will nicht drängen, nicht verführen, sondern begleiten – wie ein grauer Himmel, der sich konstant über alles legt. Dabei wirkt vieles bewusst reduziert. Melodien sind meiner Meinung nach eher angedeutet als ausgearbeitet, Beats bleiben meist stoisch und gleichförmig, Veränderungen passieren subtil. Das kann man als konsequent und meditativ lesen – oder, je nach persönlicher Hörgewohnheit, als sehr gleichbleibend. Mir persönlich fehlt hier auf Dauer etwas die Dynamik, ein Moment des Aufatmens, ein Kontrast, der die Dunkelheit noch wirkungsvoller machen würde. So entsteht bei mir der Eindruck eines Sounds, der eher verschwimmt als sich festsetzt.
Auch produktionstechnisch bleibt ‚Salvation‘ sehr roh und ungeschönt. Das verleiht dem Album zwar eine gewisse Authentizität, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass vieles etwas dumpf und unfertig wirkt – weniger im Sinne von „kaputt“, sondern eher so, als hätte man sich bewusst gegen klare Konturen entschieden. Diese permanente Gleichförmigkeit kann hypnotisch wirken, lässt mich aber als Hörer ein wenig auf Abstand bleiben. Die Musik bleibt konstant auf einem Level, das eher beobachtet als berührt. Versteht mich nicht falsch: ‚In The Shadows‘ wissen sehr genau, was sie tun. Das Album folgt einer klaren ästhetischen Linie und zieht diese ohne Ausreißer durch. Genau diese Konsequenz ist zugleich Stärke und Schwäche. Wo andere Darkwave-Releases mit kleinen Spannungswechseln, emotionalen Spitzen oder subtilen Hooks arbeiten, bleibt ‚Salvation‘ beharrlich in seinem eigenen Nebel stehen.
‚Salvation‘ ist meiner Meinung nach ein Album für Menschen, die Darkwave als gleichmäßigen, dunklen Klangraum schätzen – als Hintergrund für nächtliche Gedanken oder introvertierte Stunden. Wer monotone Strukturen, dichte Atmosphäre und eine bewusst reduzierte Dramaturgie mag, wird hier vermutlich genau richtig aufgehoben sein. Für mich persönlich zündet das Album leider nicht vollständig: Zu wenig Bewegung, zu wenig Reibung, zu viel grauer Schleier auf Dauer. Dennoch bleibt der Eindruck eines ehrlichen, stimmigen Debüts, das seine Zielgruppe sicher finden wird – auch wenn ich selbst diesmal freundlich winkend im Schatten stehen bleibe.
In The Shadows - Salvation
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