'Dream' ist am 5. Juni erschienen. Da hätte ich die Platte von 'Hallows' schon hören können, war aber offenbar damit beschäftigt, mich über zu viel Tageslicht zu beschweren. Jetzt ist November, um fünf ist es dunkel, und ich hole heute einfach mal das liegen gebliebene dritte Album von 'Vaneesha Dusoruth' und 'Dom Rolando' nach. Das Duo aus Los Angeles beschäftigt sich darauf mit Verlust und der Frage, warum man manchmal ausgerechnet die Nähe vermisst, die einem wehgetan hat. Klingt erst mal nach einer Platte für zugezogene Vorhänge. Nach ein paar Minuten frage ich mich allerdings, ob die beiden im Juni womöglich einfach das bessere Gespür fürs Wetter hatten.
So viel November steckt in der Musik nämlich gar nicht. Die analogen Synthesizer klingen warm, die Melodien gehen leicht ins Ohr, und gerade in der ersten Hälfte hat das Ganze einen deutlichen Italo-Disco-Einschlag. Die Melodien schwingen über einem gleichmäßigen Beat, der das Mitwippen denkbar einfach macht. Über weite Strecken höre ich hier freundlichen, beinahe fröhlichen Electropop. Der ist angenehm und stellenweise schon ziemlich seicht. Für den Moment gefällt mir das ganz gut. Ob ich mich morgen noch an eine der Melodien erinnere, steht auf einem anderen Blatt.
Am besten funktioniert die Mischung für mich, wenn der Rhythmus nach vorne drängt. 'Vaneesha Dusoruth' singt auch über den treibenderen Passagen angenehm unaufgeregt. Der Beat hat es eilig, sie offenbar weniger, und gerade das passt gut zusammen. In den langsameren Stücken kommt ihre Stimme stärker zur Geltung. Wenn 'Dom Rolando' den Gesang übernimmt, horche ich kurz auf. Der Italo-Disco-Einschlag bleibt hörbar, bekommt mit seiner Stimme aber für einen Moment eine andere Farbe. Ich höre beiden gern zu. Über das ganze Album hinweg bleiben mir die Stimmen allerdings etwas zu sehr Teil der Atmosphäre. Gerade bei Texten über Nähe und Verlust hätte ich mir öfter einen Moment gewünscht, in dem mich der Gesang auch emotional packt.
Auf Albumlänge verändert die wechselnde Schlagzahl für mich erstaunlich wenig. Die schnelleren Passagen bringen mich zum Mitwippen, in den gemächlicheren macht es sich die Musik mit ihren warmen Synths ziemlich bequem. Irgendwann warte ich darauf, dass ein Stück aus dieser Gemütlichkeit ausbricht oder sich wenigstens eine Melodie so festsetzt, dass ich sie später noch vor mich hin summe. Stattdessen läuft schon der nächste Song. Mein Fuß hat zwischendurch einiges zu tun, mein Gedächtnis bekommt deutlich weniger Arbeit. Am Ende erinnere ich mich besser an den Klang der Platte als an ihre Songs.
Die beiden Remixe am Schluss verschieben die Gewichte hörbar. 'Inhalt' gibt 'Find A Way' mit präzisen, energischen Drums mehr Druck. Die Clubenergie, die vorher immer mal wieder aufblitzt, steht hier im Vordergrund. 'Nuxx' gibt dem Titelstück einen technohaften Puls und zieht es damit in eine andere Richtung. Beide Bearbeitungen zeigen, wie viel ein anderer rhythmischer Schwerpunkt aus denselben Songs herausholen kann. Da habe ich zum Schluss doch noch einmal genauer hingehört.
Wer warmen Electropop mit deutlichem Italo-Disco-Einschlag mag, kann mit 'Dream' einen angenehmen Abend verbringen. Unter den zehn Stücken fehlt mir der eine Song, wegen dem ich die Platte wieder auflegen würde. Ich habe 'Dream' gern gehört und danach erstaunlich wenig Lust verspürt, noch eine Runde zu drehen.
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- Artikeldatum
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- Elec
- Kategorien
- Pop / Wave / MinimalReviews
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