Glis - Winterwerk

Glis - Winterwerk

Über viele Jahre hinweg entwickelt man zu manchen Projekten eine fast beiläufige Vertrautheit. 'Glis' gehört für uns genau in diese Kategorie. Seit 2003, seit 'Equilibrium', taucht dieses Projekt immer wieder mal auf unserem Radar auf – mal präsent, mal leise, aber nie beliebig. Mit 'Winterwerk' fühlt es sich nun so an, als würde Shaun Frandsen einmal ganz kurz innehalten, tief durchatmen und sagen: Ich muss niemandem mehr etwas beweisen ich mach das, was ich will. Und genau diese Gelassenheit hört man dem Album in jeder Sekunde an.

Musikalisch bewegt sich 'Winterwerk' klar im Bereich Electro mit deutlicher Nähe zu EBM und klassischer elektronischer Schule – weit entfernt von allem, was man auch nur ansatzweise als Pop missverstehen könnte. Hier geht es offensichtlich nicht um schnelle Effekte oder offensichtliche Zugänglichkeit, sondern um Struktur, Wiederholung und Atmosphäre. Pulsierende Sequenzen laufen stoisch vor sich hin, Rhythmen wirken mechanisch und kontrolliert, während kühl schwebende Synth-Flächen das Klangbild zusammenhalten. Was mir beim Hören besonders aufgefallen ist: Die Songs sind unterschiedlich genug, um neugierig zu bleiben, ohne den Fluss des Albums zu stören. Mal verbinde ich das Gehörte gedanklich mit der strengeren, maschinellen Seite elektronischer Musik und lande irgendwie unweigerlich bei 'Wumpscut', dann wieder öffnet sich eine minimalistische Klarheit, bei der sofort 'Kraftwerk' oder 'Metroland' durch den Raum schwebt. Diese Assoziationen fühlen sich nie aufgesetzt an. 'Glis' zitiert hier nicht, sondern nutzt vertraute elektronische Archetypen als Referenzpunkte, um daraus etwas Eigenes zu formen. Klingt schonmal nicht schlecht!

Und trotz der kühlen Grundhaltung wirkt 'Winterwerk' dabei erstaunlich lebendig. Gerade die Reduktion sorgt dafür, dass hier Atmosphäre entstehen kann. Die Produktion ist beachtlich klar, luftig und angenehm unaufgeregt. Nichts wirkt hier überladen, nichts wirkt hier Fehl am Platz und nichts drängt sich nach vorne. Jeder Sound bekommt seinen Platz, jede Sequenz darf wirken. Ich habe mich mehrfach dabei ertappt, das Album komplett durchlaufen zu lassen – nicht, weil ein einzelner Moment heraussticht, sondern weil dieser gleichmäßige, hypnotische Flow einfach funktioniert.

'Winterwerk' ist ein Album für Hörerinnen und Hörer, die elektronische Musik jenseits von Tanzfläche und Nostalgie schätzen. Wer reduzierten Electro, EBM-nahe Strukturen und eine konsequent kühle Ästhetik mag, wird hier verdammt gut abgeholt. Für uns als langjährige Begleiter von 'Glis' seit den Tagen von 'Equilibrium' fühlt sich dieses Release wie ein stimmiger, erwachsener Schritt an – ruhig, selbstbewusst und ohne jeden Rechtfertigungsdrang. Wer nach dem ersten Durchlauf schon den großen Aha-Moment sucht, ist hier vermutlich falsch abgebogen. 'Winterwerk' funktioniert anders: Es wächst, legt Schicht um Schicht frei und entfaltet seine Stärke eher zwischen den Durchläufen als im ersten Moment. Keine Effekthascherei, kein Drama – sondern ein Album, das bleibt, weil es nicht permanent um Aufmerksamkeit bittet.

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