Ghost - Konzertfilm "2 big to rig"

Ghost - Konzertfilm "2 big...

Konzerte der Band Ghost sind viel mehr als nur die Darbietung von Livemusik: Sie sind ein wahres Gesamtkunstwerk, das jeden in seinen Bann zieht. Besonders deutlich wird dies bei „2 Big To Rig“, dem neuen Konzertfilm rund um die okkulte Rockband von Mastermind Tobias Forge. Zwei Jahre nach dem gefeierten Musikfilm „Rite Here Rite Now“ bringt die schwedische Metal-Kombo nun ihr nächstes filmisches Werk auf die Leinwände dieser Welt. Doch anders als beim Vorgänger verzichtet man bei „2 Big To Rig“ auf Rahmenhandlungen und Zwischensequenzen mit den bekannten Figuren aus der Lore der Band. Der neue Film zeigt stattdessen einen mitreißenden Zusammenschnitt zweier Konzerte der SkeleTour im Palacio de los Deportes in Mexiko-Stadt. Laut Forge richtet sich das Werk in erster Linie an alle Fans, die keine Möglichkeit hatten, bei dieser Tour live dabei zu sein. Doch auch wer bereits ein Ticket ergattern konnte, wird begeistert sein, wenn bei den Aufnahmen Erinnerungen an den eigenen Konzertbesuch wachwerden.

Der Film zeigt nicht nur die einnehmende Performance Forges und seiner Nameless Ghouls – jener maskierten Musiker, die mit dem erfolgreichen Schweden auf der Bühne stehen –, der Zuschauer blickt auch auf die Menschen hinter der enormen Produktion. Diese erfordert immerhin mehr als 100 feste Tourmitarbeiter sowie weitere 100 lokale Helfer vor Ort. Alleine das gigantische Bühnenbild mit einem dominierenden – natürlich umgedrehten – Kreuz, das mehr als 62 Tonnen auf die Waage bringt, ist ein echter Hingucker. Die Band nutzt diese gigantische Fläche voll aus, um mit den Fans zu interagieren und jede Show einzigartig zu machen. Wer schon einmal ein Ghost-Konzert besucht hat, weiß, dass Forge in der Rolle des jeweiligen Papstes seiner Ära genau versteht, wie er das Publikum packt: Er spricht mit den Menschen, erzählt Geschichten und haucht den Songs somit noch mehr Leben ein. Die heißblütigen mexikanischen Fans, die in den ersten Reihen vor der Bühne mitsingen, tanzen und den Moment feiern, zeigen eindrucksvoll, was es heißt, im Hier und Jetzt zu sein. Nicht nur auf der Bühne, sondern in der gesamten ausverkauften Halle spürt man diese enorme Begeisterung. Als Zuschauer vor den Kinoleinwänden erleben wir nicht nur eine mitreißende Show, die so manchen Kinobesucher aus dem Sitz reißen kann. Wir erleben hautnah die Liebe der mexikanischen Fans, aber auch die enttäuschten Gesichert, als die in der Halle wartenden Fans über die Lautsprecher erfahren, dass ein geplantes Konzert wegen einer Erkrankung Forges abgesagt werden muss. Der Film zeigt die Höhen und Tiefen, aber auch große Gefühle. Man spürt die Lust der Musiker, auf der Bühne ihr Bestes für die Fans zu geben, wir sehen Fans, denen die Freude ins Gesicht geschrieben ist. Ein besonders emotionales Highlight für mich war der Heiratsantrag eines Fans an seine Partnerin, direkt in der Konzerthalle. Dieser Film lässt uns Fans all diese Emotionen einmal hautnah miterleben, ganz egal, ob wir bei einer Show der SkeleTour selbst dabei waren oder leider nicht. 

Mit „2 Big To Rig“ setzt Ghost-Frontmann Tobias Forge der gesamten Crew ein Denkmal. Es ist eben nicht nur seine eigene Performance oder die seiner musikalischen Mitstreiter, hier zeigt sich die akribische Arbeit im Detail: Von den Menschen hinter den Kulissen, die dafür sorgen, dass jedes Licht und jeder Effekt auf die Sekunde genau sitzt, bis hin zur Garderobe, die die aufwendigen Kostüme vor der Show aufhübscht, damit Forge blitzschnell seine Verwandlungen vollziehen kann. Wer noch nie auf einem Ghost-Konzert war, erfährt hier hautnah, wie sich der Sänger in seiner Rolle als diabolischer Papst immer wieder neu erfindet. Für die Zuschauer ergibt sich so nicht nur ein fantastisches Konzerterlebnis, sondern auch ein Stück packende Theaterkunst – selbst wenn mittlerweile jeder weiß, wer sich hinter den Masken verbirgt.

Natürlich geht es bei einem Konzertfilm vordergründig um die Musik – und auch da lassen sich Ghost keineswegs lumpen. Der Film bietet einen starken Querschnitt durch das gesamte Schaffen der schwedischen Okkult-Rocker. So erleben die Kinobesucher mitreißende Darbietungen von Fan-Lieblingen wie „Kiss the Go-Goat“, „Year Zero“ oder „He Is“. Da die Tour auf das Skeleá-Album folgte, fehlen selbstverständlich auch neuere Highlights wie „Satanized“ oder „The Future Is a Foreign Land“ nicht. Die leicht grobkörnige Optik des Konzertfilms passt dabei perfekt zum Look and Feel der Band und fängt den charmanten Retro-Vibe vergangener Jahrzehnte ideal ein.

In den deutschen Vorstellungen des am 26.8. angelaufenen Films wunderte man sich vielerorts über das Verhalten der Zuschauer, denn es wäre durchaus möglich gewesen, sich auch im Kinosaal auf das Erlebnis einzulassen und mitzusingen oder zu feiern, wie die Fans auf der Leinwand. Immerhin hat Tobias Forge angekündigt, eine Pause mit seiner Band Ghost einzulegen. Nach vielen Jahren großer Erfolge werden wir den Schweden und seine Mitstreiter vielleicht erst einmal nicht mehr sehen. Da ist es doch schön, dass man ihn auf der großen Kinoleinwand feiern kann.  



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