Manchmal braucht es kein großes Konzept, sondern nur den Mut, Dinge beim Namen zu nennen. „Fuer Immer Gummistiefel“, das am 6. Februar 2026 erschienene erste Bandalbum von ‚Rosa Hoelger‘, ist genau so ein Fall: persönlich, eigenwillig und angenehm unbeeindruckt von allem, was nach Hochglanz oder Erwartungshaltung riecht. Zwischen feinem Humor, leiser Revolte und zarter Melancholie öffnet Hoelger ihr Liedermacher-Universum und lädt ein zu Songs, die nicht erklären wollen, sondern erzählen – von Begegnungen, inneren Monologen und der Schönheit kleiner Widersprüche.
Gemeinsam mit ihrer über Jahre zusammengewachsenen Band – Judith Retzlik, Tommy Schwarzbach und Lewin Grosse – sowie Gästen wie Dota Kehr und Tobias Dellit tastet sich Rosa Hoelger neugierig über Genregrenzen hinweg. Streicher, Keys, Klimbim und experimentelle Percussion öffnen Räume für Ausflüge in Jazz, Folk und Alternative, ohne dass das Album jemals verkopft oder demonstrativ experimentell wirkt. Alles fühlt sich organisch an, wie nebenbei gewachsen – genau darin liegt seine Stärke. Die Single „Sterne sehn“ bringt diese Haltung besonders schön auf den Punkt. Gemeinsam mit Dota Kehr funkelt hier eine lebensfrohe „Was kostet die Welt“-Attitüde, die nie laut werden muss, um hängen zu bleiben. Andere Songs schlagen leisere, kantigere Töne an: „23 wow“ erzählt von einer unangenehmen Begegnung auf einem Parkplatz und dem inneren Monolog danach – inklusive der Frage, warum Höflichkeit manchmal so schwerfällt. „Papa wach auf“ richtet den Blick auf Kinder in einer beunruhigenden Erwachsenenwelt, in der Eltern ihre eigenen Monster nicht gezähmt bekommen.
Trotz dieser Themen wirkt „Fuer Immer Gummistiefel“ nie schwer. Hoelger bettet Ernsthaftes in Wärme, Witz und eine fast spielerische Leichtigkeit, als wäre Schwarz einfach nur eine weitere Farbe im Regenbogen. Am Ende bleibt der Eindruck einer Liebeserklärung: an Schmutz und Sternenhimmel, an beginnende und endende Beziehungen, an Vertrauen, Enttäuschung und das animalische Leben dazwischen – und an die Resistenz gegen alles, was zu sehr glänzt. Ab April 2026 geht ‚Rosa Hoelger‘ mit Band auf Deutschlandtour. Die Songs dafür sind jetzt schon da. Offenheit dringend empfohlen, Gummistiefel optional.
„Fuer Immer Gummistiefel“: ‚Rosa Hoelger‘ feiert das Unperfekte mit Stil
Laut, wütend, unbequem: ‚Dorfterror‘ mit neuem Album „Schreikinder“
Zwischen Dorfidylle, Dauerkrise und dem Gefühl, ständig erklären zu müssen, warum man wütend ist, formt sich neues Material von ‚Dorfterror‘. Mit „Schreikinder“, angekündigt für den 6. März 2026 auf Dackelton Records, legt die Band ein Album vor, das sich hörbar mit dem Aufwachsen in einer widersprüchlichen Gegenwart auseinandersetzt – laut, direkt und ohne Umwege. „Schreikinder“ wird das zweite Studioalbum der jungen Punkband und versteht sich schon jetzt als desillusioniertes Statement einer Generation, die zwischen globalen Katastrophen, politischem Rechtsruck, sozialer Kälte und ökonomisch...
Chrom - Best Of
Manchmal braucht es keinen Neustart, keine Stilwende und keine große Geste. Manchmal reicht ein konzentrierter Blick zurück, um zu merken, warum etwas all die Jahre funktioniert hat. 'Chrom' gehört genau in diese Kategorie. Seit den frühen 2000ern steht das Projekt für eine sehr eigene Mischung aus EBM-Grundspannung, Synth-Pop-Melancholie und einer emotionalen Direktheit, die nie platt wirkt. Keine Effekthascherei, kein unnötiges Drama – dafür Songs, die sich langsam festsetzen und bleiben. Dass nun 'Chrom – Best Of' im Rahmen des 30-jährigen Jubiläums von 'Out Of Line' erscheint, fühlt sich f...