A Forest of Stars ist für mich eine der Bands in den härteren Metal Gefilden, die das Prädikat „besonders“ im positivsten Sinne für sich beanspruchen dürfen. Seit seiner Gründung entwickelte der Gentlemen Club aus dem 18. Jahrhundert, wie sich die sechs Herren plus eine Dame gerne bezeichnen und darstellen, einen so eigenwilligen und unverkennbaren Sound, maximale theatralische Dramatik ohne eine Spur von Kitsch, hysterisches Kreischen ohne Fremdschämfaktor, progressive Songmonstren und dennoch zauberhafte Eingängigkeit. Gerade ‚Beware the sword you cannot see‘ aus 2015 ist für mich musikalische Perfektion in jedem Sinne.

Nun kehren sie zurück, Album Nummer 5 „Grave Mounds and Grave Mistakes“ und, um es kurz vorauszuwerfen, können aus meiner Sicht nur in Teilen das Niveau des Vorgängers halten. Grundsätzlich ist auch dieses Album auf einem verdammt hohem Niveau – die Instrumentierung nahezu perfekt, die Produktion den vielschichtigen Klangcollagen zuarbeitend und die Band bemüht darum, sich nicht nur zu rezitieren sondern weiterzuentwickeln. Man wollte von der Härte des Vorgängers weg, wieder an den 2012 Streich „A Shadowplay for yesterdays“ erinnern, den rauen Sound des Zweitwerks aus 2010 beachten und vermehrt ruhigere Passagen und Ambientanteile einflechten, um starke Kontraste zu den rasend schwarzmetallischen Parts zu setzen. Jedoch entdecke ich Kritikpunkte, die meinen Genuss nicht so vollkommen machen wie 2012 und 2015. Vor allem ist es die Tatsache, dass die wunderbar over-the-top Dramatik der schwarzmetallischen Ritte dieses Mal nicht ganz so zündet wie auf den Vorgängern. Die überlangen Songs beinhalten etwas weniger Parts mit hohem Wiedererkennungswert. Nein, wir sind weit weg von lieblos oder nicht gut, aber ein wenig zu viel Routine und etwas zu glatte Melodieführung könnte es schon sein. In den ruhigeren Momenten verweben die Musiker erneut Akustikgitarren, Flöten, Streicher und Keyboards auf sehr angenehme Art, weiblichem Gesang wird mehr Raum geboten (zwar gelungen ist aber doch weitaus weniger besonders als die Eskapaden von Mr. Curse). Und je mehr Raum sie diesen sanfteren Momenten lassen, desto mehr geben A Forest of Stars das auf, was sie besonders macht um so zu klingen wie, im Moment, viel zu viele Bands, die den Ambient/der Atmosphäre deutlichen Raum bieten.

Ein Jammern auf hohem Niveau bleibt ein Jammern. Ich werde A Forest of Stars nun nicht vergessen oder negativ konnotiert im Kopf behalten. Ich werde aber auch nicht alle Alben im selben Maße lobpreisen, sondern zunächst die Alben 3 und 4 uneingeschränkt empfehlen und die aktuelle Veröffentlichungen nur unter dem Vorbehalt, dass man sich vorher in die beiden Vorgänger verlieben sollte. Eventuell bringt ein sechstes Album wieder ein klareres Profil, ich hoffe ein wenig darauf, dass die Band sich wieder von zu viel Ruhe abwendet und nocheinmal eine Schippe mehr Mühen in ihre Paradedisziplin fließen lassen: dem hysterischen Black Metal Theater.

Ps.: Im Prophecy Kosmos finden sich haufenweise Alben, deren Artwork allein oft schon den Kauf des Albums leichter machen. Mühevolle Zeichnungen in schönen Digipacks finden sich zuhauf im Katalog. A Forest of Stars versuchten dieses Mal, durch aufwendige Konstruktion kleinerer Modelle aus Pappe in Jahren Arbeit ihre musikalischen Visionen auch ansprechend zu verpacken. Dafür schon einmal Daumen hoch. Umgehauen hat mich aber, was da die Tage in meinem Briefkasten landete: die Special Edition ist eine solche, die als wirklich besonders zu bezeichnen ist und die jeden Cent wert ist. Auf 500 Stück limitiert erhält man eine handgefertigte Box, zum Teil aus Holz, aufwendige Schnitte und Prägungen, ein Zeitungsartikel-Booklet, einen frankierten Brief als CD Hülle - es ist ein Traum. Fragil, wertig und wunderschön.