Tribute-Bands gibt es wie Sand am Meer. Und meistens können sie nie das Wasser den Originalen, denen sie nacheifern, reichen. Eine Ausnahme bildet Forced To Mode, die sich im Laufe der Jahre als respektable Größe in der Elektronik-Szene gemausert und musikalisch auf die Spitzenjahre der Jungs aus Basildon konzentriert haben, die gemeinhin die Alben von "Violator", "Songs Of Faith And Devotion" und teilweise auch "Ultra" umspannen. Thomas Schernikau und Christian Schottstädt arbeiten zudem als Forced Movement an eigenen Songs, die sie nun zusammengefasst unter dem Albumtitel "Lost" präsentieren.

Verloren sind sie aber, wie es der Titel uns weismachen will, überhaupt nicht. Ziemlich selbstischer und klar positionieren sie sich mit ihren Sound, der nichts weniger sein will als Depeche Mode, wie es früher einmal war. Schließlich sind mehr als zehn Jahre erfolgreiches Touren und Alben veröffentlichen unter Forced To Mode, der mutmaßlich besten Depeche-Mode-Cover-Band auf diesem Planeten, nicht spurlos an der Festplatte vorbeigegangen. 

Und damit haben sie auf jeden Fall all jene auf ihrer Seite versammelt, die sich mit dem musikalischen Kurs, den Dave Gahan und Martin Gore in den letzten rund 15 Jahren verfolgen, nicht mehr anfreunden können. Auch wenn das, was sie machen, natürlich Nachahmung ist, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Depeche Mode anspruchsvolle Musik kreieren. Forced Movement kommt dieser Qualität nicht nur nah, sondern ist auf Augenhöhe mit ihr.

Vor allem muss an dieser Stelle die herausragende Leistung von Sänger Christian hervorgehoben werden, die sogar zu Gunsten für Forced Movement spricht. Denn während Dave mittlerweile in einen verklärten Gospelsingsang mit unnötig vielen hohen Stimmlagen abgerutscht ist, besitzt Christian immer noch diesen voluminösen, vollen Bariton, der in der Lage ist, alle Emotionen zu tragen. Auch Christian, der sich in der Rolle als Martin Gore, der bekanntermaßen für die gefühlvoll-zerbrechlichen Balladen zuständig ist, sichtlich wohlfühlt, rundet das Hörerlebnis perfekt ab.

Deswegen ist ein Stück wie "Mind Assault" in seiner Ästhetik ganz dicht bei "Walking In My Shoes", und auch das rockige, mit peitschendem Schlagwerk ausgestattete "Make Up" sowie das bedrohlich schwingende "Keep In Touch" zeigen sich deutlich von der 90er-Jahre-Phase von Depeche Mode beeinflusst. Das stellt kein Problem dar, denn bei allem Bekenntnis zum Epigonentum: Die beiden können Songs schreiben, unabhängig von der musikalischen Ausarbeitung. Sie beherrschen den Song als solchen und schaffen es, Harmonien so zusammenzusetzen, dass man sich von "Lost" gleichzeitig wohlig umarmt fühlt, aber auch seiner Melancholie freien Lauf lassen kann.

Sicherlich darf hier die Grundsatzdiskussion eröffnet werden, ob eine Band, die als anerkannte Tribute-Gruppe jede Menge Respekt verdient hat, mit ihrem neuesten Werk sich so nah an die Fersen ihrer größten Inspirationsquelle heften muss. Doch sind diese Überlegungen auch müßig, wenn man -  wie im Fall von "Lost" - einem Album lauschen darf, dass in dieser Art nie wieder von Depeche Mode zu hören sein wird, weil diese sich schon in anderen Umlaufbahnen bewegen. Deswegen sollte der Longplayer ob der sehr gut produzierten Songs einfach nur genossen werden, egal, wieviel DM in Forced Movement steckt.