Durch die Pandemie zurückgezogen lebend dachte sich Horda Wolf, seines Zeichens Bassist bei den Folk Metallern Odroerir und Teil des Folkduos Waldträne: „Zwei Projekte, die alte Zeiten, die schöne Heimat und die Liebe zur Natur gutheißen, das kann nicht reichen.“ Sprachs und nahm im Alleingang vorliegendes Album auf, das Anfang dieses Jahres erschien und trotz wenig erfrischender Inhalte und dem inzwischen teilweise verpönten Pagan vor dem Metal durchaus für schöne Momente sorgen kann. Da das Album definitiv und so gar nichts Neues zu bieten hat (was in einem Genre, das textlich oft die Rückbesinnung an alte Tugenden gutheißt, kein Nachteil sein muss), kann ich mich relativ kurz halten. Firn ist das deutlich härteste Projekt des Thüringer, es wird gefaucht, da gibt es schon einmal schnelle Parts mit Blastbeats und die lieblichen „Über Wiesen-hüpf-Momente“ der anderen Projekte sind quasi nicht enthalten. Härte und dramatische Epik wechseln sich ab, ab und an unterbrochen von eher atmosphärischen Folk-Part. Horda spielte alle Instrumente selbst ein und programmierte auch die Drums einfach im Alleingang. Das geht alles in Ordnung, kein Instrument sticht besonders hervor oder stört sehr. Meine Kritik entsteht erst durch die Verknüpfung mit den textlichen Inhalten: Da vor allem die Liebe zur heimischen Natur besungen wird, verwundert der doch sehr künstliche Sound. Denn sowohl das „dosige“ Drum-Getucker, als auch die sehr schwülstigen Keyboardteppiche wirken so, als ob man echte Natur mit Fantasiewelten aus Romanen oder kitschigen T-Shirt Aufdrucken verwechselt. Dabei weiß Horda doch ganz genau, wie man natürlichen Klang erzeugt – bei Waldträne gelingt ihm das doch ganz ausgezeichnet. Aber vielleicht wollte er ja mal etwas ganz Neues versuchen und ich jammere zugegebenermaßen auf hohem Niveau. Die Melodien sind alles in allem nicht bemerkenswert, sondern bieten typische Genre-Ware, aber auf überdurchschnittlich hohem Niveau versammelt. Und in meinen Ohren halten sich „Hoch die Met-Hörner, wir treiben das Klischee-Germanen-Barometer hoch“ wie zu Ende von „Sonnenrad“ deutlich zurück. Das Hauptverkaufsargument ist bei Firn definitiv Hordas Gesang – abwechslungsreich zwischen Fauchen und druckvollem Klargesang auf sehr hohem Niveau. Das ist schon fein anzuhören und sorgt bei mir in Verbindung mit dem wenig kreativen, aber grundsolidem musikalischen Inhalten und einem in meinem Augen sehr schön gestalteten Cover für eine Kaufempfehlung für Genrefans.

Firn - Frostwärts Einheit Produktionen / Schattenpfade / 25.02.2022

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