Lublin, Polen. Klingt erstmal nach solider Geografie, nicht nach Weltuntergang in Zeitlupe. Doch genau dort haben 'Dopelord' 2010 beschlossen, dass Musik auch dann funktioniert, wenn sie sich anfühlt wie ein langsam rollender Lavastrom. Doom Metal und Stoner Rock? Ja. Aber eher in der Version, bei der selbst die Uhr kurz innehält und denkt: „Okay… das ist jetzt wirklich langsam.“ Am 5. Juni 2026 bekommt genau dieser Ansatz neues (oder besser gesagt: erneut aufgelegtes) Futter: 'Dopelord' bringen ihr viertes Album „Sign of the Devil“ über 'Season of Mist' zurück in den Umlauf. Wichtig dabei: Hier wird kein brandneues Werk aus dem Hut gezaubert, sondern ein Reissue eines Albums, das ursprünglich 2020 erschienen ist – also eher „dämonisches Comeback“ als „frisch beschworene Premiere“.
Und genau da liegt auch der Reiz: Man weiß im Grunde ziemlich genau, worauf man sich einlässt – und freut sich trotzdem drauf. Denn 'Dopelord' stehen seit jeher für eine sehr konsequente Idee von Musik. Keine hektischen Ausbrüche, keine unnötigen Spielereien, kein „Wir probieren jetzt mal Pop“. Stattdessen: schwere Riffs, viel Fuzz, ein ordentlicher Hang zu okkulten Themen und Songs, die sich lieber breit machen, als irgendwo schnell anzukommen. Spannend klingende Titel wie „Hail Satan“, „The Witching Hour Bell“ oder „Doom Bastards“ lassen dabei ungefähr so viel Interpretationsspielraum wie ein Pentagramm auf der Wohnzimmerwand. Aber genau das macht den Charme aus: 'Dopelord' ziehen ihr Ding durch – stoisch, laut und angenehm unbeeindruckt davon, was gerade irgendwo als „Trend“ durchgeht.
Ein kleines Highlight am Rande – oder eher eine kleine Tragikomödie für alle Spätentschlossenen: Die ersten Versionen des Releases sind auf Bandcamp inzwischen komplett ausverkauft. Und zwar so gründlich, dass man fast meinen könnte, Doom-Fans bewegen sich doch schneller als gedacht – zumindest, wenn es um limitierte Vinyls, Kassetten (ja, wirklich) und hübsch transparente 180g-Pressungen geht. Wer also gehofft hat, sich entspannt zurückzulehnen und „später mal zu schauen“, steht jetzt sinnbildlich vor einem leeren Regal und denkt sich: „Mist… hätte ich mal weniger gezögert und mehr gedoomt.“
Natürlich: Da es sich um eine Neuauflage handelt, wird hier niemand das musikalische Rad neu erfinden. Aber genau das ist auch nicht der Punkt. „Sign of the Devil“ richtet sich an alle, die wissen wollen, wie sich Doom anfühlt, wenn er nicht hetzt, sondern sich Zeit lässt – viel Zeit. Und vielleicht ist genau das 2026 fast schon wieder das Radikale daran.
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