Diary Of Dreams - End Of Flowers

Diary Of Dreams - End...

1996. CDs waren noch etwas Besonderes, Darkwave war mehr Bauchgefühl als Genre und vieles spielte sich fernab von großen Bühnen ab. In genau in dieser Zeit erschien ‘End Of Flowers’, das Debütalbum von Diary Of Dreams. Heute, also gut 30 Jahre später, fühlt es sich fast ein wenig falsch an, dass wir erst jetzt darüber schreiben. Aber egal. Dieses Album lag all die Jahre irgendwo im Hinterkopf, im Plattenschrank, im kollektiven Szenegedächtnis – aber irgendwie nie richtig auf unserem Tisch. Zeit, das also zu ändern. Damals waren ‘Diary Of Dreams’ nämlich noch weit entfernt von dem Status, den sie später erreichen sollten. ‘End Of Flowers’ entstand in einer Phase, in der Darkwave noch roh war, oft sperrig und alles andere als bequem. Und eben genau das hört man diesem Album bis heute an.

Also, wenn ich ‘End Of Flowers’ heute höre, dann ist das keine Reise voller Höhepunkte. Es ist eher ein langsames Hineingleiten in eine gleichmäßige, dunkle Stimmung. Die Elektronik ist kühl, manchmal fast spröde. Die Beats halten sich zurück, die Flächen ziehen sich zäh und beständig durch das Album. Das kann faszinierend sein – und an manchen Stellen auch ermüden. Ich ertappe mich beim Hören immer wieder dabei, wie ich auf den nächsten Bruch warte. Auf einen Moment, der heraussticht, auf eine klare Zäsur. Doch genau die kommt oft nicht. Stattdessen bleibt ‘End Of Flowers’ beharrlich bei sich. Das ist damals wie heute konsequent, aber auch fordernd. Für mich ist das ein Album, das man intensiv & bewusst hören muss. Nebenbei funktioniert es meiner Meinung nach kaum.

Gleichzeitig liegt genau darin aber seine Stärke. ‘End Of Flowers’ wirkt für mich ehrlich. Nichts klingt nach Kalkül, nichts nach Anbiederung. Die Musik ist vermutlich nicht dafür gemacht, zu gefallen, sondern um einen Zustand festzuhalten. Ich mag diese Kompromisslosigkeit – auch wenn ich nicht jede Minute davon liebe. Einige Passagen wirken aus heutiger Sicht unfertig, fast skizzenhaft. Aber vielleicht ist genau das der Punkt: Dieses Album ist ein Anfang, kein Endpunkt. Im Vergleich zu späteren Veröffentlichungen von ‘Diary Of Dreams’ fehlt mir hier noch die Tiefe und Vielfalt, die die Band später auszeichnen sollte. Dennoch höre ich schon klar, wohin die Reise geht. ‘End Of Flowers’ ist damit wie ein erster Blick in ein Tagebuch: nicht alles ist ausformuliert, manches bleibt roh, aber es ist unverstellt.

Nun, nach 30 Jahren höre ich ‘End Of Flowers’ mit Respekt, aber auch mit Abstand. Es ist kein Album, zu dem ich ständig zurückkehren muss. Dafür ist es mir zu gleichförmig, zu wenig abwechslungsreich. Aber es ist doch ein Album, das ich nicht missen möchte. Als Zeitdokument, als ehrlicher Startpunkt, als Beweis dafür, dass Darkwave einmal anders klang als heute. ‘End Of Flowers’ verlangt Aufmerksamkeit und Sitzfleisch. Wer frühe Darkwave-Ästhetik schätzt, wird sich hier zuhause fühlen. Wer hingegen moderne Produktion und klare Dramaturgie erwartet, dürfte schnell Abstand nehmen. Als Dokument der Anfangsjahre von ‘Diary Of Dreams’ bleibt das Album dennoch hörenswert. Und vielleicht passt es ganz gut, dass dieser Review hier und jetzt erst nach 30 Jahren erscheint. Manche Alben wollen nicht gefeiert werden. Sie wollen eingeordnet werden. Genau das haben wir damit getan.

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