Deutscher Expressionismus trifft Post-Industrial: Hermann Kopp mit ‚Der Golem‘

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Hermann Kopp gehört seit Jahrzehnten zu jenen Künstlern, die lieber Spuren hinterlassen als Schlagzeilen. Bereits in den 1970er-Jahren begann er mit Tonbandexperimenten, kombinierte Violine mit frühen Synthesizer-Klängen und entwickelte eine minimalistische, eigenwillige Klangsprache, die sich jeder Mode entzog. Einem größeren Publikum wurde er später durch seine intensive Zusammenarbeit mit dem Filmemacher Jörg Buttgereit bekannt, für dessen Kultfilme ‚Nekromantik‘, ‚Der Todesking‘ und ‚Nekromantik 2‘ er prägende Soundtracks schuf. Seither bewegt sich Kopp konsequent im Spannungsfeld von Dark Ambient, Post-Industrial und experimenteller Filmmusik – stets mit einem Gespür für Atmosphäre, Ritual und das Unheimliche.

Mit ‚Der Golem‘ legt Hermann Kopp nun einen neuen Soundtrack zu dem expressionistischen Stummfilmklassiker von Paul Wegener vor, dessen heute einzig erhaltene Fassung aus dem Jahr 1920 als Meilenstein des frühen deutschen Horrorkinos gilt. Der Film erzählt die jüdische Golem-Legende um eine aus Lehm geschaffene Kreatur, die im mittelalterlichen Prag durch magische Schrift zum Leben erweckt wird – als Beschützer, aber auch als unkontrollierbare Macht. Kopp greift diese Ambivalenz auf und übersetzt sie in einen modernen Score aus Violine, Viola und elektronischen Klangschichten, die zwischen sakraler Ruhe, schwelender Bedrohung und bewusst eingesetzten Noise-Passagen pendeln. Dabei bleibt die Musik tief im esoterischen Kern des Mythos verankert, ohne sich historisierend anzubiedern.

Premiere feierte der neue Soundtrack bereits am 7. März 2025 in einem Pariser Kino nahe der Place de l’Étoile, initiiert von Vincent Glaume, dem Organisator der legendären Au-delà du Silence-Events. Eine weitere Aufführung folgte im Oktober 2025 beim Wroclaw Industrial Festival, wo das Werk seine volle Wirkung im Live-Kontext entfalten konnte. 2026 erscheint ‚Der Golem‘ nun schließlich über Cold Spring Records als CD im matt-laminierten Digipak sowie digital. Gemastert von Martin Bowes und visuell umgesetzt von Abby Helasdottir, fügt sich das Release nahtlos in Kopps umfangreiches, konsequent düsteres Gesamtwerk ein – als cineastisches Ritual, das einem alten Mythos mit zeitgenössischer Schärfe neues Leben einhaucht.

Deutscher Expressionismus trifft Post-Industrial: Hermann Kopp mit ‚Der Golem‘
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