Desiderii Marginis - Deadbeat

Desiderii Marginis - Deadbeat

Das schwedische Dark-Ambient-/Industrial-Projekt Desiderii Marginis um Johan Levin beweist mit „Deadbeat“ erneut, wie düster, atmosphärisch und zugleich beinahe unheimlich schön Musik sein kann. Bereits der Vorgänger „Songs Over Ruins“ war bemerkenswert, doch mit diesem neuen Output aus dem hohen Norden geht Levin noch einen deutlichen Schritt weiter. „Deadbeat“ gehört für mich zu jenen Veröffentlichungen, die innerhalb ihres Genres nur schwer zu übertreffen sind – und die den Raum beim Hören gefühlt gleich um ein paar Grad abkühlen.

Finstere Klangwelten treffen auf undeutliche Samples, verschwommene Geräuschkulissen und unterschwellig pulsierende Beats. Immer wieder schichten sich die einzelnen Elemente langsam übereinander, wachsen zu einem bedrohlichen Crescendo an – nur um kurz darauf wieder in beinahe vollkommener Stille zu versinken. Genau aus diesem Wechselspiel bezieht das Album einen großen Teil seiner Wirkung. Man wartet ständig darauf, dass etwas passiert, und wenn dann tatsächlich etwas geschieht, ist man sich nicht sicher, ob man das überhaupt wollte.

Trotz der konsequent durchgezogenen Grundstimmung verschwimmen die einzelnen Stücke nicht zu einer einzigen grauschwarzen Masse. Jeder Titel besitzt eine eigene Atmosphäre, ein eigenes Tempo und einen individuellen Spannungsbogen. Dennoch funktioniert „Deadbeat“ am besten als zusammenhängende Reise durch eine unwirtliche, verlassene Klanglandschaft – irgendwo zwischen nächtlicher Industriebrache, leer stehendem Krankenhaus und einem Traum, aus dem man nicht ganz aufwachen kann. Gesang benötigt das Album ebenso wenig wie schon sein Vorgänger. Eine menschliche Stimme würde vermutlich nur stören und die sorgfältig aufgebauten Soundgebilde unnötig erklären. Levin lässt lieber Geräusche, Flächen und Rhythmen sprechen – und deren Wortschatz ist ausgesprochen finster.

Als Anspieltipp eignet sich vor allem der Opener „Deadbeat I“, der die Richtung des Albums eindrucksvoll vorgibt. Allerdings sollte man „Deadbeat“ nach Möglichkeit vollständig und mit Kopfhörern hören. Als musikalische Begleitung für den sonnigen Sonntagsbrunch ist die CD eher ungeeignet – es sei denn, man möchte, dass sich die Gäste bereits nach dem ersten Kaffee vorsichtig verabschieden. Wer dagegen ein Faible für wirklich dunkle, melancholische und zugleich wunderschön inszenierte Musik besitzt, sollte hier unbedingt zugreifen. „Deadbeat“ ist keine leichte Kost, aber ein intensives und außergewöhnlich atmosphärisches Album, das noch lange nach dem letzten Ton im Raum zu schweben scheint.

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