dArtagnan - Helden X Hymnen

dArtagnan - Helden X Hymnen

Beim Studieren der DAC Album Charts stutzten wir zunächst nicht schlecht: Auf Platz sechs, begleitet von einem freundlichen grünen Pfeil nach oben, steht 'dArtagnan' mit 'Helden X Hymnen'. Zwischen Gothic, Industrial, Electro und allerlei musikalischer Finsternis wirkt das ungefähr so, als hätte sich eine Mittelaltermarkt-Bühne in die falsche Tabelle verirrt. Der Albumtitel klingt zudem, als hätte jemand eine Motivationsveranstaltung für Radiomoderatoren mit der Jahresabschlussfeier eines historischen Schützenvereins verbunden. Neugierig macht das natürlich trotzdem. Was macht eine Folk-Rock-Band mit Musketierkostümen in den DAC-Charts? Und warum sollte man sich dieses Album nicht zumindest einmal anhören?

Nun also, die Spur führt schnell nach Nürnberg zu einer Band, die 2015 von 'Ben Metzner', 'Felix Fischer' und 'Tim Bernard' gegründet wurde. 'Ben Metzner' und 'Felix Fischer' brachten bereits Erfahrungen aus dem Umfeld von 'Feuerschwanz' mit, bevor 'dArtagnan' früh einen Vertrag bei 'Sony' erhielten. Das Debüt 'Seit An Seit' landete 2016 auf Platz sieben der deutschen Albumcharts und wurde später mit Gold ausgezeichnet. 'dArtagnan' sind also keineswegs eine zufällig zusammengewürfelte Castingband. Dass sie heute deutlich größer sind als viele ähnlich gelagerte Gruppen, dürfte allerdings auch mit dem frühen Major-Vertrieb, professioneller Medienarbeit und entsprechend besseren Sichtbarkeits- und Konzertstrukturen zusammenhängen. Das ist kein Vorwurf, erklärt aber, warum die Band schon immer ein wenig größer, glänzender und fernsehtauglicher wirkte als manche Kollegen aus der staubigen Seitenstraße des Mittelalter-Rocks. Man hört 'dArtagnan' an, dass niemand vorhatte, das Publikum mit allzu sperrigen Ideen aus dem Festzelt zu vertreiben.

'Helden X Hymnen' erschien am 24. Juli 2026 bei 'Hansa/Sony' und ist das inzwischen siebte Album der Band. Es handelt sich allerdings nicht um ein klassisches Studioalbum mit sechzehn neuen Songs. Im Mittelpunkt stehen zwölf Stücke: ein neuer eigener Titelsong und elf Coverversionen aus Pop, Rock, Punk und Metal. Das Spektrum reicht von 'Avicii', 'Bonnie Tyler', 'Ozzy Osbourne', 'Phil Collins' und 'Celine Dion' bis zu 'Green Day', 'Die Toten Hosen', 'Fleetwood Mac' und 'Imagine Dragons'. Ergänzt wird das Album durch vier unplugged eingespielte eigene Stücke. Das Konzept ist somit schnell erklärt: Jeder soll mindestens ein Lied kennen. Und wenn nicht, hilft spätestens der Dudelsack dabei, die Erinnerung aus den Tiefen des Unterbewusstseins zu blasen.

Musikalisch funktioniert das zunächst besser, als man angesichts dieser ersten, angespannten Ausgangslage vielleicht befürchten könnte. Die Produktion ist sauber, druckvoll und ausgesprochen gefällig. Akustische Gitarren, Geige, Flöten, Sackpfeifen, Rockdrums und Chöre werden in ein einheitliches Klangbild gepresst. Viele Stücke folgen dabei einer ähnlichen Architektur: eher zurückhaltende Strophen, ein deutlicher Spannungsaufbau und anschließend ein großer, gemeinschaftstauglicher Refrain. Dazu kommt der klare und kräftige Gesang von 'Ben Metzner', der eher ausruft und anfeuert, als mit leisen Zwischentönen zu arbeiten. Genau das macht die Musik so unmittelbar – und gleichzeitig so kompatibel mit Festivalbühnen, Fernsehshows und wahrscheinlich auch jeder Veranstaltung, bei der irgendwann jemand „Alle zusammen!“ ins Mikrofon ruft.

Das Problem ist nur: Aus einer bekannten Melodie wird noch lange keine spannende Neuinterpretation. 'dArtagnan' verändern die Vorlagen häufig weniger, als sie ihnen lediglich die eigene Folk-Rock-Tapete ankleben. Dudelsack und Geige sind zwar sofort wiederzuerkennen, werden aber meiner Meinung nach nicht immer kreativ eingesetzt. Oft bleibt der Eindruck, dass der emotionale Wiedererkennungswert aus dem Original stammt, während 'dArtagnan' vor allem die passende folkloristische Dekoration liefern. Einige Cover gewinnen durch diesen Zugriff tatsächlich eine neue Farbe. Bei anderen wirkt es eher wie musikalischer Copyshop: Vorlage hinein, Sackpfeife dazu, Chor darüber, fertig ist die mittelalterliche Druckversion.

An dieser Stelle erinnert mich 'Helden x Hymnen' unweigerlich an die zuletzt besprochene 'Bravo Hits'. Bekannte Namen, vertraute Melodien, glänzende Verpackung und die Hoffnung, dass Wiedererkennung bereits als künstlerischer Mehrwert durchgeht. Bei 'dArtagnan' trägt diese Verpackung zusätzlich einen Umhang und einen Gürtel mit Plastikschwert. Das ist witzig gemeint, beschreibt aber durchaus ein echtes Problem des Albums: Es setzt sehr konsequent auf Sicherheit. Die Auswahl der Lieder ist gefällig, die Arrangements sind gefällig, die Produktion ist gefällig – und irgendwann sitzt man selbst ziemlich gefällig auf dem Sofa und wartet darauf, dass doch noch etwas Unberechenbares passiert.

Mein Eindruck bleibt deshalb doch recht zwiespältig. 'dArtagnan' sind an und für sich keine schlechte Band, und 'Helden X Hymnen' ist keineswegs unhörbar. Das Album ist handwerklich ordentlich, eingängig und vermutlich hervorragend für große Bühnen geeignet. Künstlerisch bleibt es jedoch ein glatt poliertes Jubiläums- und Coverprodukt, das lieber möglichst viele Menschen zum Mitsingen bringt, als irgendjemanden ernsthaft zu irritieren. Für Fans von 'dArtagnan', folkig aufbereiteten Klassikern und musikalischen Festivalmomenten ist das eine sichere Bank. Wer im DAC nach Eigenwilligkeit, Dunkelheit oder einem gewissen Stachel sucht, findet hier dagegen vermutlich eher den Ausgang zur nächsten Burgschänke als die Offenbarung des Jahres. Für mich sind das 2,5 von 5 Sterne: sauber gemacht, gelegentlich unterhaltsam, aber musikalisch ungefähr so mutig wie ein Ritter, der vor dem Kampf erst nachfragt, ob der Drache auch wirklich zahm ist.

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