Ich habe mir irgendwann mal geschworen, weniger anstrengende Musik zu hören. Mehr Leichtigkeit, mehr Melodie, mehr „fühlt sich gut an“. Und dann kommt da wieder mal 'Converter' um die Ecke – und ich sitze da, nicke zustimmend zu einem Sound, der sich anfühlt wie ein Presslufthammer auf Existenzkrise. Converter ist genau dieses eine Paradox: eigentlich zu hart, zu kalt, zu kompromisslos – und trotzdem verdammt faszinierend. Vielleicht gerade deshalb. Hinter diesem akustischen Ausnahmezustand steckt mit Scott Sturgis ein Mann, der dieses Spannungsfeld seit Ende der 90er - sagen wir mal - nahezu im Alleingang kultiviert. Converter war - meiner Einschätzung nach - auch nie ein Projekt, das Trends hinterherläuft – eher eines, das sie gewollt ignoriert und stattdessen seinen eigenen Tunnel baut. Tief verwurzelt in der klassischen Ant-Zen-Schule, irgendwo zwischen den frühen Powernoise-Pionieren und der späteren technoiden Zuspitzung des Genres, hat sich hier ein Sound entwickelt, der bis heute sofort erkennbar ist: hart, mechanisch, körperlich. Musik, die dich nicht fragt, sondern einfach mal macht. Und im Zweifel dann einfach nochmal fett nachtritt.
Mit ‘The Four Last Things’ wird dieses Konzept nicht nur fortgeführt – es wird verdichtet. Der thematische Überbau – Tod, Gericht, Himmel, Hölle – hängt dabei wie ein dunkler Schatten über dem gesamten Album. Aber statt das Ganze platt auszuerzählen, übersetzt Converter diese Idee in musikalische Zustände. In Druck. In Bewegung. In dieses seltsame Gefühl, dass etwas unausweichlich auf dich zukommt, während du gleichzeitig freiwillig stehen bleibst. Und genau hier greift das Album richtig zu: extrem druckvoll, rhythmusgetrieben, brutal – aber nicht stumpf. Das ist auch kein sinnloses Dauerfeuer. Kein „alles auf 11 und hoffen, dass schon irgendwas hängen bleibt“. Stattdessen arbeitet ‘The Four Last Things’ mit einer fast schon beunruhigenden Präzision. Breakdowns sind hier keine Verschnaufpausen, sondern Spannungswerkzeuge. Struktur ist kein Nebeneffekt – sie ist der Kern. Und Eskalation passiert hier auch nicht zufällig, sondern immer genau dann, wenn du denkst, du hättest das System gerade verstanden. Gezielte Eskalation statt blindem Abriss. Und genau das macht dieses Release meiner Meinung nach so gefährlich gut.
Die Beats drücken hier nicht einfach rein – sie dirigieren. Sie schieben dich vor sich her, nehmen dich kurz raus, lassen dich glauben, du hättest wieder Kontrolle… und ziehen dir im nächsten Moment den Boden unter den Füßen weg. Wow! Das ist kein Hören, das ist ein gesteuerter Zustand. Fast schon manipulativ. Und ja, ich meine das wirklich als Kompliment. Stilistisch bleibt Converter dabei fest im Industrial-, Rhythm-Noise- und technoiden Kosmos verankert – aber mit einer eindeutigen Klarheit, die sich wie eine Weiterentwicklung der klassischen Ant-Zen-DNA anfühlt. Weniger chaotische Gewalt, mehr fokussierte Zerstörung. Weniger „alles gleichzeitig“, mehr „genau jetzt genau hier“. Das Resultat ist ein Sound, der nicht nur funktioniert, sondern wirkt. Und zwar auf mehreren Ebenen. Im Club dürfte das hier wie ein Vorschlaghammer einschlagen – dieser permanente Druck, dieser heftige Sog, dieses „du hast jetzt keine Wahl mehr“. Gleichzeitig entfaltet sich das Album aber auch im Kopfhörer erstaunlich detailliert. Dann hörst du plötzlich die Architektur dahinter. Die Übergänge. Die kleinen Verschiebungen. Und merkst: Das hier ist kein Zufallsprodukt. Das ist gebaut. Sehr bewusst gebaut.
Und jetzt kommt leider auch noch der Moment, in dem ich gleichzeitig lachen und leicht verzweifeln möchte: die Releaseformate. Converter-Releases über Ant-Zen sind inzwischen so etwas wie olympisches Finale im „Wer klickt schneller auf Buy“. Du siehst die Ankündigung, denkst dir „diesmal bin ich vorbereitet“, hast innerlich schon die Kreditkarte gezückt – und dann… ausverkauft. Einfach so. In Lichtgeschwindigkeit. Auch ‘The Four Last Things’ macht da keine Gefangenen. Neben der digitalen Version gab es wieder mehrere physische Varianten, darunter eine aufwendig gestaltete Vinyl-Edition mit individuellem Artwork, Booklet und diesem leicht rauen, fast schon industriell verwitterten Look. Also genau das, was man haben will. Und genau das, was man… nicht mehr bekommt. Das ist mittlerweile fast schon Teil der Experience. Diese Releases fühlen sich an wie Momentaufnahmen: kurz verfügbar, schnell verschwunden. Wenn du sie bekommst, großartig. Wenn nicht, sitzt du halt da, starrst auf „Sold Out“ und hinterfragst kurz dein Timing im Leben. Scheiße! Ich habe selten so viel Stress beim Kaufen von Musik gehabt. Und ich war echt schon auf vielen Ticketplattformen unterwegs. Naja ...
Was ‘The Four Last Things’ zusätzlich interessant macht: Es bleibt absolut hängen. Nicht im klassischen „ich summe das mal vor mich hin“-Sinne – dafür ist es viel zu unnachgiebig. Aber als Zustand. Als Gefühl. Dieses kontrollierte Drücken, dieses permanente Ziehen an der Wahrnehmung – das bleibt. Und sorgt dafür, dass man eben doch wieder zurückkommt. Noch ein Durchlauf. Noch einmal schauen, ob man es diesmal „besser versteht“. Spoiler: tut man nicht. Aber man geht trotzdem wieder rein. Unterm Strich ist ‘The Four Last Things’ für mich ein extrem starkes, präzises und in seiner Konsequenz fast schon beeindruckend fokussiertes Release. Es zeigt, dass Scott Sturgis nicht nur für rohe Härte steht, sondern für Kontrolle, Struktur und ein verdammt gutes Gespür für Timing und Eskalation. Für alle, die Industrial-Techno und Rhythm Noise nicht nur als Sound, sondern als Erfahrung begreifen, ist das hier ein Pflichttermin. Wer allerdings auf Melodie (haha), Wärme oder auch nur den Hauch eines „alles wird gut“ hofft, sollte sich besser woanders umsehen. Converter war noch nie tröstend. Und dieses Album ist es erst recht nicht. Und vielleicht passt genau das erschreckend gut zu seinem Thema: Keine Erlösung. Kein Ausweg. Nur der Weg durch den Druck. Ich? Drücke trotzdem wieder auf Play. Weil ich offenbar genau das brauche. Warum auch immer!?
Converter - The Four Last Things
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