Freitag, der 13., bekommt im November einen eigenen Soundtrack. Während andere vorsichtshalber um die Leiter rumgehen, stellt 'Control' sie vermutlich direkt in den Fluchtweg. Am 13. November 2026 erscheint „Enemy“ über Ant-Zen und Raubbau – ein Album, dessen Ankündigung ungefähr so beruhigend wirkt wie ein Rauchmelder mit eigener Weltanschauung.
Hinter dem amerikanischen Projekt steckt Thomas Garrison, der seit den späten Neunzigern im Grenzgebiet von Power Electronics und Death Industrial arbeitet. Verzerrung, Übersteuerung und Lautstärke dienen dabei als Werkzeuge für Spannung und psychologisches Unbehagen. Wer beim Stichwort Noise an wahlloses Reglerdrehen denkt, dürfte hier zumindest auf einen ausgesprochen gewissenhaften Unruhestifter treffen. Für „Enemy“ kündigen die Labels einen klaren Spannungsbogen an: Aus nervöser Wachsamkeit soll offene Aggression entstehen, bevor das Geschehen in einer fatalistischen Leere endet. Ein dramaturgischer Dreischritt wie „Da stimmt etwas nicht“, „Jetzt reicht’s!“ und „Ach, sowieso alles egal“. Inhaltlich richtet sich der Blick auf globale Konflikte, zerfallende Strukturen und den Feind in der eigenen Psyche. Die unangenehme Pointe: Auch bei geschlossener Wohnungstür ist offenbar längst jemand drin.
Ganz unbekannt ist 'Control' bei uns übrigens nicht: Bereits 2010 besprachen wir „Deadly Sins“. Damals überzeugte die Konsequenz mehr als der Spannungsaufbau. Ob „Enemy“ mit seiner angekündigten Entwicklung genau dort zulegt, bleibt eine reizvolle Frage. „Enemy“ erscheint digital sowie als mehrfarbige 12"-Vinyl-LP mit bedrucktem Cover und Downloadcode. Jede Platte erhält eine individuelle Farbmischung; laut Ankündigung kostet die LP 20 Euro. Zu finden ist die Veröffentlichung bei Bandcamp.
Anhören & einordnen
Details zum Beitrag
- Artikeldatum
- Autor
- Bert
- Kategorien
- Electronic / Industrial / NoiseNews
Kurz & knapp
Zufallsfund