Wer einmal auf die Landkarte blickt, merkt schnell: Chile liegt nicht einfach irgendwo – es zieht sich wie ein schmaler, trotzig gestreckter Schatten am Rand der Welt entlang. Diese Isolation war schon immer mehr Fluch als Segen, zumindest infrastrukturell. Musikalisch hingegen wirkt sie wie ein Brandbeschleuniger. Ohne Trenddruck von außen, ohne Szene-Modezyklen, dafür mit maximaler Eigenbrötlerei entstand dort eine der kompromisslosesten Extrem-Metal-Kulturen überhaupt. Aus genau diesem Umfeld kriechen nun ‚Mors.Void.Discipline‘ ans Licht – oder besser gesagt: ins Dunkel. Schon am 13. März 2026 veröffentlicht das chilenische Terror-Kollektiv sein Debütalbum mit dem unaussprechlichen Namen „Txketh)ëké“ auf LP, CD und MC. Vorbestellungen laufen bereits - hurra - und wer die ersten Vorboten gehört hat, weiß: Hier wird nicht gekleckert, hier wird in Blutfontänen gemalt. Ganze zwanzig Minuten dauert dieses Werk – und fühlt sich doch an wie ein ritueller Frontalangriff auf alles, was man unter „angenehmem Hörfluss“ versteht.
Stilistisch bewegen sich ‚Mors.Void.Discipline‘ irgendwo zwischen bestialischem War Metal und verwesungsdurchzogenem Goregrind. Das klingt natürlich gar nicht nach Radiotauglichkeit – und genau das ist der Punkt. Der vorab präsentierte Track „Sanguinem In Anum Caprae Putrescentis Eiaculans“ demonstriert eindrucksvoll, wie kontrolliertes Chaos funktionieren kann: rasende Blastbeats, zerfetzte Riffs, pitch-verschobene Vocals, die eher wie ein dämonisches Röcheln aus einer anderen Dimension wirken als wie klassischer Gesang. Und trotzdem – oder gerade deshalb – besitzt das Ganze eine bizarre, fast süchtig machende Dynamik. „Txketh)ëké“ ist damit kein Album, das sich anbiedert. Es ist eine akustische Obduktion! Die Einflüsse reichen hörbar von kriegerischem War Metal bis zu den morbiden Klangexperimenten früher Goregrind-Ikonen der 90er. Gleichzeitig liegt über allem diese eigenwillige, okkulte Atmosphäre, wie sie typisch für Chiles isolierte Underground-Szene ist. Der Albumtitel selbst soll ein Anagramm mit Bezügen zur salomonischen Dämonologie darstellen – aha. Subtil ist hier also rein gar nichts!
Inhaltlich bewegt sich das Projekt in einer extrem überzeichneten Horrorsymbolik, die eher als ästhetische Grenzerfahrung denn als wörtlich gemeinte Programmatik verstanden werden sollte. Musikalisch dagegen ist alles sehr bewusst gesetzt: kein überflüssiger Ballast, keine ziellosen Experimente. Stattdessen ein konzentrierter, zwanzigminütiger Ausnahmezustand. Chile beweist damit einmal mehr, dass echte Radikalität nicht aus europäischen Hochglanzstudios, sondern aus Isolation, Eigenwilligkeit und kompromissloser Hingabe entsteht. „Txketh)ëké“ ist nix für nebenbei – es ist ein Statement. Und zwar eines, das die Tür nicht vorsichtig öffnet, sondern sie mit voller Wucht aus den Angeln reißt.
Chile brennt: „Txketh)ëké“ von 'Mors.Void.Discipline' als Klangmassaker
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