Burn baby, burn

Burn baby, burn

CDs brennen nach eigenem Geschmack und ganz legal im Plattenladen. Gibt es nicht? Gibt es doch! Der CD Laden „Pressezentrum“ in Lübeck geht als Wegbereiter mit dem Konzept der „Individual CD“ auf das heutige Konsumverhalten ein. Seit dem 3. Juni 2003 sorgt das Pressezentrum in der Marzipan-Stadt für Furore.

Nach endlosen Debatten der Musikindustrie um Internetplattformen wie Napster und Co hat die Firma IMHG Lübeck den scheinbar goldenen Mittelweg gefunden. Der neue Service ist kinderleicht: der Kunde wird mit einem Minicomputer (PDA mit Laserscanner) ausgestattet, kann die ausgestellten CDs scannen und bekommt eine Hörprobe von 30 Sekunden. Per Touchscreen werden die Titel ausgewählt, und die Stücke in voller Länge mit Tracks anderer Alben zu einer Wunsch - CD zusammengestellt. Danach wird drahtlos die grade selbstkomponierte Liste einem CD-Brennroboter zugewiesen. Der beginnt in dem Augenblick vollautomatisch die Silberscheibe zu brennen, wenn der Kunde an der Kasse seinen Sampler bezahlt.

Soviel zur Theorie.

Natürlich waren die Plattenlabels zu Anfang nicht so einfach zu überzeugen. Als Mitdenker und Umdenker erwiesen sich Universal mit zunächst 12.000 bereitgestellten Songs und Sony Music , die mit 8.000 aktuellen Hits dabei sind. Gut acht Wochen nach der Einführung der Individual-CD ist das für das legale Brennen verfügbare Musikrepertoire deutlich angewachsen. Künstler des Majorlabels Warner sind bei I-CD erhältlich. Auch bei BMG kommt Bewegung in die Freigabepolitik. Die ersten 5.000 Titel von BMG-Artists werden bereits beim I-CD Dienstleister Clusterwork AG digitalisiert und stehen den Kunden in Kürze zur Verfügung. Auch Kooperationsverträge mit Kontor-Records sowie V2 sind unterschriftsreif. Umsonst ist nicht mal der Tod – der kostet das Leben.

Die Preispolitik der legalen Brennerei gestaltet sich wie folgt. Als Preis für den CD-R Rohling werden 2,- €, für jeden ausgewählten Titel 0,99 € veranschlagt. Auf die CD passen bis zu 14 Titel. Vor- und Nachteile liegen also ganz klar auf der Hand: 15,86 € kostet eine CD mit 14 Titeln – die man aber selber zusammenstellen konnte! Natürlich ist die Auswahl momentan noch eingeschränkt und bevor man irgendeinen Electrotitel finden wird, dauert es wohl auch noch.

Und jetzt ist Eure Meinung gefragt, denn das Thema ist ja nicht ganz Ohne! Also, was haltet Ihr von dem Konzept der Individual-CD? Wenn Euer Plattenladen so was hätte, würdet Ihr davon Gebrauch machen? Wie bewertet Ihr die Preispolitik? Ist das wirklich Kundenservice oder nur ein weiterer Geniestreich der Plattenindustrie, um von den Internettauschbörsen abzulenken? Werden die zur Verfügung gestellten Titel vielleicht nur von vermeintlichen Ladenhütern und „SängerInnen“ wie Gracias und Kübelböckens bestimmt werden?

Burn baby, burn
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