Für ein Privatkonzert reichen manchen Leuten ein Wohnzimmer und eine Schüssel Erdnüsse. David Thrussell nimmt lieber eine historische Freimaurerloge, spielt um Mitternacht und bei Morgengrauen und lässt gleich mehrere Elektronik-Spezialisten mit an die Geräte. Man möchte der Hausverwaltung viel Gelassenheit wünschen. Ausschnitte dieser Auftritte erscheinen am 16. November 2026 als „Ordo Ab Chao“ unter seinem Projektnamen 'Black Lung' bei Ant-Zen.

Der Australier, auch als Kopf von 'Snog' bekannt, hat für das Album tatsächlich einen ungewöhnlichen Veranstaltungsort bespielt: Im Interview mit Side-Line nennt er den Pariser Temple des 33 und den 21. Juni 2026 als Aufnahmeort und -datum. Die Musik sei als freimaurerische Auftragsarbeit entstanden und beschäftige sich mit dem Spannungsverhältnis zwischen Ordnung und Chaos. Der Titel lässt sich entsprechend als „Ordnung aus dem Chaos“ übersetzen. Endlich eine Formulierung, mit der sich auch der Zustand des heimischen Kabelregals kulturell aufwerten lässt.

Laut Label dient die Musik als Begleitung für Rituale der Zerstörung und Erneuerung; angekündigt wird eine ebenso erhabene wie dystopische und gespenstische Atmosphäre. Das klingt nach einem Abend, bei dem selbst der Fluchtweg eine dramaturgische Funktion bekommt. Unterstützung erhielt Thrussell von 'Atom™', Byron Scullin alias 'Spiderface', Thereminspieler Miles Brown und Darrin Verhagen alias 'Shinjuku Thief'. Auf medienkonverter ist Thrussells eigenwilliger Kosmos längst aktenkundig: Unsere Besprechung von „The Brutal Gardener“ führte bereits durch dunkel-technoide und cineastische Klangwelten. Nun liefert eine reale Loge den Rahmen.

„Ordo Ab Chao“ erscheint digital und als 12-Zoll-LP unter der Katalognummer act492. Das Vinyl ist türkisblau marmoriert, jede Platte erhält eine individuelle Farbmischung. Downloadcode inklusive; die LP wird mit 20 Euro angekündigt. Zumindest beim Plattenkauf bleibt der Zugang zum Ritual erfreulich unkompliziert.