Assemblage 23 ist mir tatsächlich erst vor ein paar Tagen so richtig aufgefallen – und zwar über einen Beitrag auf der Heft-CD des Sonic Seducer. Der dort vertretene Track „Anthem“ hat bei mir direkt ein kleines Déjà-vu ausgelöst: Irgendwo zwischen Dance, Techno und EBM, getragen von einer melancholischen Melodie, die stark an VNV Nation erinnert. Kurz gesagt: Das klang vertraut genug, um hängen zu bleiben – und gleichzeitig spannend genug, um neugierig zu machen. Also habe ich mich direkt mal ein wenig tiefer eingegraben und mir auf der Homepage von Assemblage 23 ein paar MP3-Schnipsel gezogen. Und ja – auch die klangen durchaus vielversprechend. Genug jedenfalls, um den nächsten Schritt zu gehen. Und nun liegt sie also vor mir: die erste Full-Length-Debüt-CD von A23.
Beim Durchhören haben sich relativ schnell ein paar Favoriten herauskristallisiert. Besonders hängen geblieben sind bei mir „Anthem“, „Pages“, „Purgatory“ und „Sun“. Wenn ihr also die Gelegenheit habt, bei eurem Plattendealer mal reinzuhören, dann richtet euer Augenmerk ruhig mal gezielt auf diese Tracks – die haben definitiv das größte Wiedererkennungspotenzial.
Allerdings – und das gehört zur ehrlichen Einordnung dazu – zeigt das Album auch recht schnell seine Schwächen. Über die komplette Spielzeit hinweg wirkt vieles doch sehr gleichförmig. Die Songs bewegen sich oft in ähnlichen Strukturen, ähnlichen Tempi, ähnlichen Stimmungen. Das sorgt zwar dafür, dass das Ganze wie aus einem Guss klingt, nimmt dem Album aber gleichzeitig ein gutes Stück Abwechslung und Dynamik. Und genau da liegt auch der Punkt, an dem Assemblage 23 (noch) nicht ganz mit Größen wie VNV Nation mithalten kann.
Wichtig ist aber auch: Wirklich schlecht ist hier keiner der Songs. Im Gegenteil – viele Tracks bringen absolut solide Clubqualitäten mit und dürften auf der Tanzfläche ziemlich gut funktionieren. Genau dort entfaltet das Material vermutlich auch seine eigentliche Stärke. Beim konzentrierten Hören zuhause auf dem Sofa hingegen merkt man mit der Zeit, dass sich gewisse Muster wiederholen – und das kann dann durchaus ein wenig ermüdend werden. Die vier oben genannten Stücke stechen dennoch klar heraus. „Anthem“ und „Sun“ erinnern mich stellenweise weiterhin stark an VNV Nation, während „Purgatory“ für mich eher in Richtung Covenant tendiert. Diese Momente zeigen sehr deutlich, welches Potenzial in Assemblage 23 steckt – auch wenn es hier und da noch nicht ganz ausgeschöpft wird.
Unterm Strich bleibt es deshalb tatsächlich gar nicht so einfach, eine klare Kaufempfehlung auszusprechen oder eben davon abzuraten. Wer auf melodischen, clubtauglichen Electro mit EBM-Einschlag steht, wird hier definitiv fündig – wer allerdings ein Album mit maximaler Abwechslung für den heimischen Dauerlauf sucht, könnte sich stellenweise etwas mehr Vielfalt wünschen. Am Ende hilft hier wohl wirklich nur eines: selbst reinhören und ein eigenes Bild machen.
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