Das Internet vergisst bekanntlich nichts. Unser Archiv schon gar nicht. Es führt Listen, merkt sich Wertungen und wartet geduldig auf den Tag, an dem es uns alte Texte mit einem selbstzufriedenen Grinsen wieder vor die Füße legen kann. Manche Reviews verschwinden nach wenigen Tagen im Nachrichtenstrom. Dieser hier grub sich ein, wartete 25 Jahre und taucht nun mit der Gelassenheit eines Textes auf, der weiß, dass niemand das Archiv jemals vollständig aufräumt. Bei 4,5 Sternen blieb nur wenig Raum für Beschwerden. Selbst das berühmte Haar in der Suppe hatte offenbar frei und schickte eine Postkarte.
Aus dem damaligen Review haben wir diesen Ausschnitt geborgen:Als eine der deutschen Vorzeigebands in Sachen Wave und Electro erwartet man von Girls Under Glass erstklassige Songs. Mit „Minddiver“ wollen Zaphor, Axel Ermes und Hauke Harms dies einmal mehr unter Beweis stellen.
Ob wir heute zum exakt gleichen Urteil kämen, bleibt bewusst offen. Musik verändert sich schließlich nicht allein – auch Ohren, Erfahrungen und persönliche Schmerzgrenzen entwickeln sich weiter. Beim Wiederlesen fällt nicht nur die Bewertung auf. Auch Wortwahl, Gewichtung und Erwartungen erzählen etwas über den Zeitpunkt, an dem der Text entstand. Die zweite Begegnung mit „Minddiver“ muss nicht beim Erinnern bleiben. Der ursprüngliche Text steht bereit und das Album lässt sich mit frischen Ohren danebenlegen. Zurück ins Jahr 2001.