Manche Alben altern wie guter Wein. Andere wie eine angebrochene Flasche Eierlikör hinter dem Küchenschrank. Zu welcher Gruppe „Deliverance“ gehört, klärt unser heutiger Griff ins Archiv zwar nicht endgültig, liefert aber wertvolle Indizien. „Deliverance“ landete vor 25 Jahren auf unserem redaktionellen Seziertisch. Der damalige Befund ist weiterhin erhalten – inklusive Urteil, Zeitkolorit und all der Formulierungen, die man heute vielleicht anders wählen würde. Das Urteil fiel freundlich aus: 4 Sterne und damit ein komfortabler Platz weit entfernt vom redaktionellen Giftschrank.
So klang das im Original – unverändert und direkt aus dem Jahr 2001:Deliverance (= Erlösung, Befreiung, Verkündung) ist die erste Auskoppelung des Albums „Wreath of Barbs". Thematisch behandelt Rudy hier das Thema „Anbetung und Folgen von falschen Göttern und Führern".
Ob wir heute zum exakt gleichen Urteil kämen, bleibt bewusst offen. Musik verändert sich schließlich nicht allein – auch Ohren, Erfahrungen und persönliche Schmerzgrenzen entwickeln sich weiter. Manche Urteile gewinnen mit den Jahren an Klarheit, andere entwickeln eine bemerkenswerte Eigendynamik. Welcher Fall hier vorliegt, darf jeder selbst entscheiden. Der Rest steht in den digitalen Akten. Sie sind ausnahmsweise weder geschwärzt noch unter Verschluss und dürfen ohne Antrag in dreifacher Ausfertigung gelesen werden. Jetzt vollständig zurückreisen.