And One, seit 1991 Electro-Pop releasende Institution um den Front-Mann, Charme-Bolzen und Exil-Iranen Steve Naghavi, tun das, was sie schon lange tun wollten. Sie legen ihr ursprünglich als E.P. geplantes Cover-Album mit größtenteils längst noch nicht vergessenen Klassikern und Perlen der elektronischen Pop- und Alternativ Musik vor. Ein Blick auf die Tracklist des als Sequel der grandiosen „Body Pop“ aus dem Jahre 06 dieses Jahrtausends angelegten und deklarierten Full Length Flach-Scheibe „Body Pop 1½“ verursacht zunächst allerdings mal ein relativ langes Gesicht beim Käufer bzw. (legalen) Downloader. Wo ist das angekündigte Cover der aggressiven Nitzer Ebb? Wo die angedachte eigene Version unserer Lieblinge für die Ewigkeit – Depeche Mode? Warum ist nicht, wie angesagt, The Cures großer Klassiker „A Forest“ in And Onescher Electro-Bearbeitung vertreten? Schade, nicht nur eigentlich. Sondern wirklich schade! Erinnern wir uns. Genannte und viel versprechende Cover Versionen waren bereits für eine E.P. im Dezember 2007 geplant! Über ein sattes Jahr später liefern uns Naghavi und seine Mitstreiter aber leider nur Neuinterpretationen von x-fach im deutschen Radio durchgenudelten 80er Heulern wie „Sometimes“ von Erasure oder „It`s a sin“ von den Pet Shop Boys. Diese werden in Live-Versionen, die obendrein nicht 100%ig durcharrangiert wirken, präsentiert. Hinzu kommt, dass der Sänger und Bandkopf gerade beim Erasure Synthie-Klassiker „Sometimes“ bei weitem nicht gegen den stimmlich höher und seinerzeit deutlich besser agierenden Andy Bell von Erasure anstinken kann. Vor dem Hintergrund der Vorab-Ankündigungen bzw. zahlreichen Release-Verschiebungen kann man diese Veröffentlichung „schlussstrichig“ leider nur als kleine bis mittelschwere Enttäuschung, wenn nicht gar als Mogelpackung bezeichnen! Auch wenn ergänzende Eigenkompositionen wie „Paddy is my DJ“ und „Love is a drug“ sicherlich recht gelungen durch die Gehörgänge fließen. Aber, lieber Steve – und jetzt wird es persönlich: Du hattest ja noch kürzlich - bei deiner Pop-Bundespräsidenten-Neujahrsansprache, die auf der Website deiner Plattenfirma Out of Line Anfang dieses noch recht jungen Jahres zu bewundern war, deine große Kreativität samt deiner tollen und sonoren Stimme showmäßig sehr unterhaltsam für uns in Szene gesetzt. Diesmal schwächelt du, der sich langsam zum Frank Sinatra, zum Crooner der Electro-Szene entwickelt, leider kreativ und somit musikalisch. Und das gerade auf einem schon lange prophezeiten, vielversprechendem Album; konkret in Hinsicht auf fehlende Masse (in Form von mehr neuen Songs) bzw. Klasse (interessanter dargebotenen Eigeninterpretationen). Hatte die glänzend funkelnde Silber-Scheibe Bodypop I noch bis zum Stehkragen der digitalen Rillen massenhaft zitierfähiges Futter für die coole Disse an Bord, lässt die Variante Nummer anderthalb leider bereits suggerierte musikalische Wünsche unerfüllt! Es bleibt hier also leider ein schon wenig bitterer Nachgeschmack haften. Und zwar schmeckt es eher danach, als wenn der gute Steve in Vorfreude auf seine bekanntlich streng in maskulin und feminin separierten anstehenden Live-Shows schlicht und ergreifend ein wenig faul gewesen zu sein scheint! Gerade die vermeintlich erotische Vorfreude auf die zuletzt genannte Besuchergruppe scheint das kreative Gewebe im Künstler-Gehirn des Front- und Showmanns wohl vorübergehend ein wenig lahm gelegt zu haben… Mit diesem – natürlich rein spekulativen Fazit - sowie folgender Aufforderung: „Next time mehr Schweiß, please! Without Schweiß kein Fan-Preis!“ schließen wir hiermit die Rezension und danken für die Aufmerksamkeit.