Abschied mit Anlauf: 'Die Toten Hosen' veröffentlichen ihr finales Studioalbum

Abschied mit Anlauf 'Die Toten...

Es gab eine Zeit – irgendwo zwischen zu großen Lederjacken, Discman-Batterien und den ersten zaghaften Versuchen, auf Partys cool auszusehen – da lief bei mir ein Song in Dauerschleife: „Liebesspieler“ von 'Die Toten Hosen'. Ein Track, der so wunderbar rotzig und charmant daherkommt, dass man als Teenager automatisch dachte, man wäre damit mindestens drei Zentimeter cooler als vorher. Ob das wirklich stimmte, sei dahingestellt – aber fest steht: Für viele von uns gehörten 'Die Toten Hosen' spätestens damals zum musikalischen Grundrauschen der Jugend.

Und jetzt, ein paar Jahrzehnte später, fühlt sich eine aktuelle Ankündigung für mich irgendwie fast ein bisschen surreal an. Am 29. Mai 2026 erscheint mit „Trink aus, wir müssen gehen!“ das letzte reguläre Studioalbum der Düsseldorfer Punk-Institution. Neun Jahre nach „Laune der Natur“ drehen Campino und seine Mitstreiter also noch einmal die Verstärker auf – vermutlich mit genau dem gleichen Grinsen, das sie schon seit den Achtzigern begleiten dürfte. Der Titel des Albums klingt dabei ein wenig wie der klassische Satz am Ende einer sehr langen Kneipennacht. Man weiß, dass irgendwann Schluss ist – aber bevor die Lichter angehen, wird nochmal alles rausgehauen, was musikalisch noch im Kühlschrank steht. Genau so beschreibt es auch die Band selbst: Im Proberaum soll irgendwann jemand gerufen haben: „Lasst uns ein letztes Album machen!“ Wer genau das war, weiß angeblich niemand mehr. Aber alle fanden die Idee offenbar so gut, dass daraus direkt ein ganzes Abschiedsprojekt entstand.

Das Ergebnis ist nicht nur ein Album, sondern gleich ein Doppelpack. Neben „Trink aus, wir müssen gehen!“ erscheint mit „Alles muss raus!“ ein Bonusalbum mit 25 Coversongs, aufgenommen gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern, die der Band über die Jahre ans Herz gewachsen sind. Man könnte sagen: musikalischer Flohmarkt mit Freundschaftsbonus – nur dass statt alter Jeansjacken eben Songs aus der Musikgeschichte neu interpretiert werden. Auch optisch gönnen sich 'Die Toten Hosen' zum Finale noch etwas Besonderes: Das Cover basiert auf einem Werk des weltbekannten Fotografen Andreas Gursky, der für dieses Projekt gewonnen werden konnte. Punkrock trifft Hochkultur – eine Kombination, die vermutlich genauso überraschend ist wie die Tatsache, dass diese Band inzwischen selbst ein Stück deutscher Musikgeschichte darstellt.

Die limitierte Erstauflage erscheint als Doppel-CD im Digipack, inklusive zwei umfangreichen Booklets. Ein würdiges Paket für ein Album, das gleichzeitig Rückblick, Abschiedsgruß und wahrscheinlich auch ein letztes kollektives „Prost!“ in Richtung Fans ist. Und während irgendwo im Hintergrund vielleicht wieder „Liebesspieler“ aus einer imaginären Jugend-Playlist dudelt, merkt man plötzlich: Manche Bands begleiten einen tatsächlich ein Leben lang. 'Die Toten Hosen' gehören definitiv dazu. Selbst wenn jetzt der letzte Tresenruf ertönt.

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