Manchmal braucht es keinen Blick in den Wetterbericht, um zu wissen, dass es düster wird. Ein paar harte Sequenzen, ein kompromissloser Beat und diese unverkennbare Kälte reichen völlig aus. Mit God Is in the Rain holen ‘Suicide Commando’ einen ihrer prägendsten Tracks zurück ins Hier und Jetzt – und das passenderweise genau zu einem Zeitpunkt, an dem draußen wie drinnen eher graue Wolken als rosige Aussichten dominieren. Regenjacke an, Lautsprecher hoch.
Dass diese Wiederveröffentlichung kein Zufallsprodukt ist, versteht sich von selbst. 2025 feiert Out Of Line Records stolze 30 Jahre Labelgeschichte – drei Jahrzehnte voller Schweiß, Nebelmaschinen und Musik, die nie dafür gedacht war, irgendwem zu gefallen. Zum Jubiläum kramt man nicht einfach im Archiv, sondern serviert ausgewählte Klassiker als streng limitierte Anniversary Editions, viele davon erstmals überhaupt auf Vinyl. God Is in the Rain bekommt dabei einen Ehrenplatz – einmal gepresst, nie wieder nachgelegt. Wer Sammler*in ist, hört an dieser Stelle schon nervös die Kreditkarte rascheln.
Musikalisch bleibt alles genau da, wo es hingehört: kalt, direkt und herrlich unnachgiebig. Die „Book of Lies“-Versionen des Titeltracks zeigen ‘Suicide Commando’ in absoluter Hochform, der Club Mix zieht die Schrauben noch ein wenig fester an, während Remixe von :Wumpscut: und The Synthetic Dream Foundation dem Material zusätzliche industrielle Schärfe verleihen. „Infliction of Pain“ macht seinem Namen alle Ehre und erinnert daran, dass EBM früher kein Wellness-Angebot war. Das heimliche Highlight für Langzeitfans ist jedoch die bislang unveröffentlichte Demo-Version von „White Lines, White Lies“ aus dem Jahr 1999 – roh, kantig und wunderbar ungeschliffen.
Diese Veröffentlichung ist weniger Nostalgie als vielmehr ein gut gelaunter Tritt gegen die Gegenwart. God Is in the Rain klingt auch heute noch wie ein Statement aus Beton und Strom, frei von Trends und Zeitgeist-Beschwichtigung. Wer wissen will, warum ‘Suicide Commando’ seit Jahrzehnten zur Speerspitze des Genres gehören, bekommt hier die Antwort direkt auf den Plattenteller. Und falls es draußen gerade nicht regnet: Keine Sorge. Spätestens beim ersten Beat setzt der Sturm ein.
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30 Jahre Out Of Line: ‘Suicide Commando’ lassen den Regen fallen
Dunkle Rückbesinnung: ‘A Thousand Reasons’ künidgen „Ashes“ an
Achtung, Dark Ambient! Wer hier auf schnelle Hooks oder warme Harmonien hofft, sollte besser einen Schritt zurücktreten. „Ashes“ klingt nämlich nicht nach einem Neuanfang, sondern eher nach dem Moment danach. Wenn alles gesagt, alles verbrannt und nur noch das Nachglühen übrig ist, setzt ‘A Thousand Reasons’ an und formt daraus Klang. Still, düster und mit einer fast greifbaren Schwere entfaltet sich ein Album, das mehr Atmosphäre atmet als viele andere überhaupt erzeugen.Das vierte Full-Length des italienischen Projekts erscheint digital am 2. Februar 2026 über Loud Silence, die CD-Version fo...