18 Summers - Unplugged (Live At Popkomm 2001 For VIVA II Overdrive)

18 Summers - Unplugged (Live...

Wer 'Silke Bischoff' vor allem mit großen Gesten und elektronisch aufgeladenem Dark Wave verbindet, dürfte bei dieser CD zunächst nach dem Rest der Band suchen. 'Felix Flaucher' und 'Frank Schwer' treten inzwischen unter dem Namen '18 Summers' auf; der Mitschnitt selbst entstand bereits 2001 bei der Popkomm in Köln und war auch bei VIVA II Overdrive zu sehen. Nun liegt er als 'Unplugged' auf CD vor. Der Titel ist hier durchaus ernst gemeint: Statt die bekannten Stücke mit möglichst viel Klang zu umstellen, lassen die beiden sie in kleiner Besetzung für sich sprechen. Das kann mutig sein. Es kann aber auch ziemlich einsam werden, wenn die Lieder ohne ihre gewohnte Umgebung dastehen.

Die akustische Gitarre trägt die Arrangements, während 'Flauchers' Stimme deutlich mehr Raum erhält als in den üppigeren Studioversionen. Gerade darin liegt der Reiz dieser Aufnahme. Die Melodien und die melancholische Grundstimmung bleiben erhalten, wirken aber unmittelbarer und stellenweise verletzlicher. Wo sonst Produktion und Atmosphäre viel Arbeit übernehmen, müssen Vortrag und Komposition allein überzeugen. Meistens gelingt das: 'Schwers' zurückhaltendes Spiel lässt Luft, und 'Flaucher' füllt sie mit einer Stimme, die Wärme und Schärfe gleichermaßen mitbringt. Eine Wohlfühlplatte für den Sonntagsbrunch wird daraus nicht. Wer dort '18 Summers' auflegt, sollte seine Gäste ohnehin kennen.

Ganz ohne Verlust funktioniert der Wechsel ins Akustische allerdings nicht. Manche Passagen leben in ihren ursprünglichen Fassungen stärker vom Druck und der dunklen Klangkulisse; hier wirken sie etwas schmal. Auch 'Flauchers' eindringlicher Gesang kann in der reduzierten Umgebung bisweilen mehr Raum beanspruchen, als ein Lied verträgt. Das ist die Grenze dieses Konzepts: 'Unplugged' zeigt die Stücke ungeschützt und verlangt, dass man sich auf diese Nähe einlässt.

Als Anspieltipp bietet sich 'Blue Eyes' an. An diesem Stück lässt sich besonders gut nachvollziehen, warum die sparsame Begleitung 'Flauchers' Stimme in den Mittelpunkt rückt und weshalb gerade das für Anhänger der Band reizvoll sein kann. Wer danach mehr elektronische Wucht vermisst, wird mit den Studioaufnahmen glücklicher. Wer dagegen hören möchte, was von den Liedern übrig bleibt, wenn 'Flaucher' und 'Schwer' den Klang auf das Wesentliche zurücknehmen, findet hier einen kurzen, eigenwilligen und durchaus berührenden Konzertmitschnitt. 'Unplugged' ist keine Neuerfindung von 'Silke Bischoff', aber ein interessanter Blick unter die dunkle Oberfläche.

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