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Der morgendliche Blick aus dem Fenster verhieß nichts Gutes. Am Freitag, den 15. Juli 2011 war in meiner südlichen Heimat der Himmel grau verhangen. Auch die eilig aufgerufenen online-Wetterberichte sagten vor allem eines voraus: Regen.


Keine guten Aussichten also für das VII. Amphi-Festival, welches am 16. und 17. Juli 2011 zum 6. Mal am Kölner Tanzbrunnen seine Tore öffnete – zumindest was das Wetter betraf, denn musikalisch versprach die Running Order ein breit gefächertes Programm, das für fast jeden Geschmack ein Highlight bereithalten sollte. Und alle kamen. Mit 16.000 Besuchern war das Amphi-Festival erneut lange vorher ausverkauft. Die erwähnten Wetterberichte schienen jedenfalls niemanden ernsthaft abzuhalten, zumal Köln die dunkel gekleideten Besucher am Freitagabend mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen empfing. So genossen viele die wärmenden Strahlen auf der Domplatte, die sich nach und nach immer schwärzer färbte. Dem schloß sich allerdings unser kleines Medienkonverter&friends-Grüppchen nicht, an. Wir genossen zu den ersten Bierchen ein leckeres Essen am Rheinufer, bevor wir uns in die inzwischen beträchtlich angewachsene Warteschlange vor dem „Alten Wartesaal“ einreihten.


Wie die Jahre zuvor fand in der Diskothek direkt neben dem Hauptbahnhof wieder die offizielle Amphi-Eröffnungsparty statt, zu der DJ Elvis die Feierwütigen in der Haupthalle mit Depeche-Mode- und 80er Jahre-Sounds beschallte. Trotz des Andrangs am Eingang hatte man das Gefühl, daß das Warm-Up in diesem Jahr nicht ganz so gut besucht war, vielleicht weil im Nebenraum kaum harte Hellectro-Töne, sondern ein bunt gemischtes Programm aus Electro, EBM und ein bißchen Gothrock zu hören war und man hier relativ wenige Cybers zu Gesicht bekam.


SAMSTAG:

Ein anderer Grund war eventuell, daß das Festival am Samstag auf der Mainstage um 12:00 Uhr mit einem der wenigen TBM-Acts, [X]-RX, eröffnet wurde, sprich: zu einer geradezu unchristlichen Zeit, zu der sich aber bereits eine ansehnliche Anzahl neonbunter Frühaufsteher zur Morgengymnastik versammelt hatten. Gerade dröhnte „Tanz Schlampe“ aus den Lautsprechern, als wir das Gelände betraten und auf direktem Wege ins Staatenhaus flüchteten. Dort war zwar ebenfalls Elektronisches, jedoch kaum Vergleichbares geboten. Das deutsch-italienische Duo KLANGSTABIL hatte auf der Indoor-Bühne die Ehre, oder besser: die Last, des Openers.


Bevor allerdings die Geräte angeworfen wurden, gab Boris May erst einmal die Parole des Tages heraus: „Eine Mauer ist eine Mauer. Man muß sie einreißen.“ Ein Vorsatz, der unmittelbar mit dem krachenden „Math And Emotion – The Spare Root Of One“ in die Tat umgesetzt wurde. Spätestens beim folgenden „Push Yourself“ wurden, wenn schon keine Mauern, so doch mindestens die morgendliche Lethargie beim Publikum eingerissen, bis „Perdere per vincere“, sehr emotional gesungen von Maurizio Blanco, das Tempo etwas herunterschraubte und sowohl den Zuhörern als auch den Akteuren eine kleine Atempause gönnte. Danach waren wieder Beinbewegungen angesagt, denn der Rest des Konzerts, ausschließlich bestehend aus Stücken der neueren Alben, stand unter dem von Boris selbst ausgegebenen und vorgeführten Motto: Füße sind zum Tanzen da, im Tanz liegt der Sinn des Lebens.“ Ob man letzteren nun gerade nach dem abschließenden „Lauf, Lauf“ gefunden hatte, sei dahingestellt, aber fest steht, daß KLANGSTABIL die schwere Aufgabe, als erste Band zu spielen, mit Bravour gemeistert und einen mitreißenden Auftritt hingelegt hatten.


Als der Beifall verklungen war, blieb keine Zeit für Frischluft, denn das Programm des Staatenhauses hielt gleich ein weiteres elektronisches Schmankerl bereit, auf das ich mich besonders gefreut hatte. Endlich einmal MIND.IN.A.BOX live on stage!


Die Österreicher Stefan Poiss und Markus Hadwiger hatten sich ja lange Zeit gelassen, eine Bühne zu betreten. Erst 2009, 7 Jahre nach Bandgründung, stand das Live-Konzept, welches von Roman Stift (Bass), Gerhard Höffler (Drums) und Adam Wehsely-Swiczinsky (Gitarre) unterstützt wird. Den Mittelpunkt bildete jedoch Stefan Poiss an Synthesizer und Mikrophon. Er begann das Set mit dem melancholischen, bisher unveröffentlichten „Remember“. Eigentlich ungewöhnlich, ein Konzert so ruhig zu beginnen, aber als Einstieg in die „Dreamweb“-Saga um den Agenten Black durchaus passend. Wie die Alben des Duos wirkte auch die Live-Umsetzung wie ein zusammenhängendes Drama, das Songs aus den Scheiben “Lost Alone“, “Dreamweb“ und “Crossroads“ mit eher dezenten Videosequenzen vereinte. Der thematisch sowie musikalisch aus der Reihe tanzende und nicht von allen Fans mit Wohlwollen aufgenommene Longplayer “R.E.T.R.O“ wurde vorsichtshalber ignoriert.


Gelassen und konzentriert trug Stephan Poiss seine Lieder mal mit Klarstimme, mal bis zur Unkenntlichkeit verzerrt vor, wohingegen Wehsely-Swczinsky an der Gitarre Bewegung in das Geschehen brachte. Überhaupt sorgte die Besetzung mit „echten“ Instrumenten für ordentlich Druck, denn obwohl es kaum Kommunikation mit den Zuschauern gab, fanden sich bereits beim zweiten Titel „Fear“ viele Hände wie von selbst zum rhythmischen Klatschen zusammen. Die gute Stimmung im Saal hielt trotz zeitweiliger Schwächen am Mischpult bis zum finalen „Change“, welches in stürmischen Applaus mündete. Kompliment an die Live-Truppe um Poiss und Hadwiger für einen energetischen Gig, der sicherlich nicht nur mir lange im Gedächtnis bleiben wird!


Während ich noch mitten im „Dreamweb“ schwebte, wagte mein Kollege Ralf einen Blick auf die Elektropopper von MELOTRON und kam mit folgenden Eindrücken von der Mainstage:


Lange hatte man nichts von MELOTRON gehört, den liebevollen Wendler-Sympathisanten der Synthpop-Szene. Eine halbe Stunde bei Sonnenschein am Samstagnachmittag unterhielten die Jungs das bereits zahlreich anwesende Publikum auf der Hauptbühne. „Brüder“ fehlte dabei genauso wenig wie „Das Herz“ und sogar ein paar Herren mit Agonoize-T-Shirt ließen sich zum dezenten Mitwippen erweichen. Ohne grosse Überraschungen, doch in der gewohnten Qualität eine Band, die auch bei Kaffee und Kuchen unter'm Amphi-Pilz Spass macht!
[Ralf]


Wir trafen uns wieder im runden, bestuhlten Theater, um endlich mal dem auf gruftigen Festivals fast schon omnipräsenten DR. MARK BENECKE unsere Aufwartung zu machen. Hitler's Schädel war diesmal das Thema. Der lt. eigener Aussage an ADHS-leidende BENECKE erzählte also die Erlebnisse seiner Rußland-Reise, wo er die einmalige Gelegenheit hatte, die spärlichen Überbleibsel des „Führers“ einer näheren Untersuchung zu unterziehen. Wer „Dr. Made“ kennt, weiß, daß der “bekannteste Kriminalbiologe – kein Wunder, da der einzige“ in einem 45minütigen Vortrag so viel unterbringt, wie andere vielleicht in 2 Stunden. Man erfuhr nicht nur, daß Hitler schlechte Zähne und übelsten Mundgeruch hatte, sein mit Knete zusammengeklebter Schädel in einem “Hochsicherheitsbehälter“, sprich: in einer Floppy-Diskettenbox, gelagert wird, bewacht von einer “Archivarin mit Betonfrisur“, die ihn wohl zu viel angefasst hat, sondern bekam auch praktische Tipps für die Leichenpräparation zu Hause. Außerdem lernte man, daß tote Körper und Bambis in engem kausalen Zusammenhang stehen. In der Hauptsache ging es aber um die Frage, ob sich Adolf Hitler nun erschossen oder vergiftet hatte. BENECKE plädierte anhand des untersuchten Schädels bzw. der Blutspuren auf dem Sofa, auf dem der Diktator einst sein Leben aushauchte, für letzteres und kam mit Hilfe seiner Ehefrau Lydia, einer Psychologin, schlußendlich zu der Erkenntnis, daß Menschen wie Hitler allein deswegen als Oberbösewicht angesehen werden, weil jeder im tiefsten Inneren denkt, er sei ein Guter. Es war ein unterhaltsamer, manchmal etwas anstrengender, jedoch mit viel Witz und Ironie gespickter Vortrag, dessen Besuch sich definitiv gelohnt hatte.


Sitzenbleiben – eine Wohltat bei einem Festival. Aber das war selbstverständlich nicht der ausschlaggebende Grund, im Theater zu verweilen, vielmehr stand mit ROME ein von mir, zumindest auf Tonträger, hochgeschätztes Neofolk-Projekt in den Startlöchern. Weder die völlig unpassende Ansage, daß ROME eine der „coolsten Bands“ sei, noch der viel zu hell ausgeleuchtete Bühnenhintergrund vermochte deshalb, die Vorfreude trüben.


Jerôme Reuter erschien mit personell völlig veränderter Besetzung (Gitarre, Keyboard, Percussion, Kontrabaß - Nikos Mavridis an der Geige fehlte ebenso wie Patrick Damiani) und begann sein Akustik-Set mit „The Consolation Of Man“ vom 2007er Album „Confessions d'un Voleur d'Âmes“. Was folgte, war nicht nur ein Querschnitt durch die jüngeren Werke, sondern gleich ein ganzes Bündel an neuen Tönen, einerseits aus der eben erst veröffentlichten 10“ Our Holy Rue/The Merchant Fleet, andererseits aus der für den Herbst 2011 angekündigten Trilogie „Die Ästhetik der Herrschaftsfreiheit“.


Entsprechend nevös wirkte Reuter zu Beginn des Konzerts. Als die ersten Titel aber von den zahlreichen Zuschauern freundlich beklatscht wurden, löste sich die Anspannung spürbar und der Sänger ließ sich sogar zu ein paar Scherzen hinreißen. Dennoch war es ein sehr introvertiertes, stellenweise beinahe intimes Konzert, bei dem erst gegen Ende mit „Neue Erinnerung“ und „Swords To Rust Hearts To Dust“ die etwas opulenteren Lieder ausgepackt wurden. Der Lohn waren stehende Ovationen für Jerôme Reuter und seine Mitstreiter. Keine Frage, ROME sind wieder da und waren trotz der ruhigeren Gangart live besser, als ich sie vom WGT 2009 in Erinnerung hatte.


Fix raus aus dem Theater und hurtig das Gelände überquert, um ja nichts von IN STRICT CONFIDENCE zu verpassen. Die Eile war unbegründet, denn das Konzert der Truppe um Dennis Ostermann verzögerte sich erstmal - aus technischen Gründen, wie Ostermann später verlauten ließ.


Dies hatte jedoch dem pudelbemützten Frontmann die Laune keineswegs verdorben, denn mit „My Despair“ startete er sowohl stimmgewaltig als auch bewegungsfreudig durch und brannte ein Feuerwerk an bekannteren Hits wie „Promised Land“, „Seven Lives“ oder „Silver Bullets“ ab, bei dem die Gitarren diesmal deutlich hörbar in den Vordergrund gerückt waren. Ganz klar, bei einer so attraktiven Dame wie HayDee Sparks an den Saiten. Ein optisch ebenso gutes Bild gab Nina de Lianin ab, die allein für die weiblichen Vocals zuständig war. Leider nur für die Augen, denn gesanglich lag sie des öfteren gehörig neben der Spur.


Die meisten schien das allerdings nur anfänglich zu stören. Nachdem bei „Forbidden Fruit endlich die Videoprojektionen funktionierten und HayDee Sparks zu „Set Me Free“ ein deftiges Riff 'raushaute (mit einem Blick, als könnte sie kein Wässerchen trüben), gingen sämtliche Hände in die Höhe. Sie blieben oben, bis zum ersehnten Klassiker „Zauberschloß“, welcher dann doch mal rein elektronisch arrangiert war und zu dem beide Damen einen „Schleiertanz“ vollführten. Den Begeisterungsausbrüchen hinterher konnte ich mich dennoch, trotz aller visuellen Reize, nur bedingt anschließen. Schade eigentlich!


Die Enttäuschung ob des sub-optimalen Auftritts von In Strict Confidence war schnell vergessen, denn auf der Mainstage hieß es jetzt “Volle Kraft voraus!“ DIE KRUPPS enterten als erster Teil der EBM-Doppelspitze (der zweite Teil, Nitzer Ebb, war für den Sonntag geplant) die Mainstage und machten vom ersten Takt an ordentlich Dampf. Agil wie eh und je nahm Frontmann Jürgen Engler die Bühne in Beschlag, wetzte hin und her und machte dem Publikum mit seinem selbstbetitelten „Best-of-Programm“ Feuer unter'm Hintern.


Zu Hits wie „Crossfire“, „Der Amboss“, „Germaniac“, „To The Hilt“ oder „Fatherland“, um nur einige zu nennen, wurden fleißig die Beine geschüttelt bzw. die Hände nach oben gerissen, während außerhalb der Überdachung langsam der Regen einsetzte. Selbst das neu vorgestellte „Als wären wir für immer“, das es in Punkto Härte zweifellos mit den älteren Songs aufnehmen konnte, wurde enthusiastisch abgefeiert. Natürlich durften die obligatorischen Soli auf der „Stahlorgel“ nicht fehlen. Engler prügelte auf die Rohre ein, als ob es kein Morgen gäbe. Gab's aber leider doch, denn nach „Fatherland“ war erstmal Schluß mit dem offiziellen Teil. Erfreulicherweise hielten sich DIE KRUPPS nicht mit Spielchen auf, sondern hängten die Zugabe, eingeleitet mit Trillerpfeife, einfach ohne Unterbrechung an. „Wahre Arbeit, wahrer Lohn“ - die Werktätigen auf den Brettern verteilten großzügig ihre Prämie in Form von „Machineries of Joy“ und „Bloodsuckers“ an das Volk, bevor sich Jürgen Engler mit den Worten „Vielen Dank, es war mir eine Ehre“ endgültig in den wohlverdienten Feierabend verabschiedete.


Unser Grüppchen tat es ihm gleich, denn inzwischen war es draußen so ungemütlich geworden, daß wir beschlossen, auf den Headliner des Samstags, Deine Lakaien, zu verzichten und uns lieber zu unserem Stamm-Mexikaner verzogen. Es gibt sie tatsächlich, die Momente, in denen Cocktails besser als Musik schmecken, wir müssen es an dieser Stelle gestehen...



SONNTAG:

Die Strafe folgte auf dem Fuße, denn gerne hätte ich den apokalyptischen Klängen von Ordo Rosarius Equilibrio im Staatenhaus gelauscht, schaffte es aber nicht, mich pünktlich aus den Federn zu schälen. Während ich eine gemütliche Runde durch die Verkaufsstände drehte, stand unser Ralf im Staatenhaus vor der Bühne.

Ralf, wie war's?


DIORAMA, oft als Anhängsel von Diary of Dreams unterbewertet versetzten bereits um 13:30 das Staatenhaus in tanzende Verzückung. Volles Bühnenbild mit Cubes und Projektionen, man gab sich Mühe. Eine gesunde Mischung aus alten und neuen Songs, gut dargeboten von Torben Wendt, da kann man nichts gegen sagen! Ein Fest für die Lemminge!
[Ralf]


Ich machte mich ebenfalls auf den Weg ins Staatenhaus, denn lange schon war es her, daß ich CLAN OF XYMOX in Fleisch und Blut gesehen hatte. Und ich hätte es besser dabei belassen. Nein, Ronny Moorings und seine Band lieferten einen gewohnt soliden Auftritt ab und es hätte alles so schön sein können, wenn nur der Mann (oder die Frau?) an den Reglern etwas aufmerksamer gewesen wäre. So verschwammen die Songs zu einem einzigen Brei, die Beats übertönten nahezu alles und Moorings' Gesang war kaum zu hören. Dermaßen ernüchtert verließ ich vorzeitig das Konzert und gönnte mir im Amphi-Café, das dieses Jahr neu im Staatenhaus eröffnet hatte, eine Erfrischung.

Mein Kollege Ralf war derweil unterwegs zur Mainstage und berichtet von dort:


DE/VISION feierten in diesem Jahr ihre Premiere auf dem Amphi in Köln. Erstaunlich, denn welcher deutsche Synthpop-Act ist denn noch groß besser etabliert? Ende gut, alles gut! „Mandroid“ und „Foreigner“ heizten die Band an und ließen auch Steffen auf der Bühne bereits grazilen Ausdruckstanz performen. Ohne Bühnenbild, als Duo wirkte die Band zwar ein wenig verloren auf der großen Bühne, die musikalische Präsenz machte diesen Fakt jedoch wett! „Your Hands on My Skin“ holte dann auch den letzten Synth-Popper richtig ab wohingegen „I Regret“ irgendwie leer und zu minimal klang. Höhepunkt des Sets war sicherlich der vorletzte Titel „Rage“, mit dem die Band einen echten Klassiker geschrieben hatte, der ähnlich aber deutlich besser als „Wrong“ der DM-Kollegen Druck aufbaute.
[Ralf]



... und, Ralf, was war denn bei AGONOIZE los?

Vor dem AGONOIZE Auftritt hing ein weißer Vorhang vor der Bühne. Was sich die Blutspritzer da wohl wieder ausgedacht haben? Knicklichttänzer und Staatsfeinde spekulierten wie herzzerreissend die Show wohl diesmal sein wird… Auch die Fotografen durften nicht in den Graben selbst als das Intro zum zweiten Mal erklang. Dann endlich der erlösende Moment: Der Vorhang fiel und Chris hing in einer Zwangsjacke drei Meter über der Bühne um von dort oben die Show gebührend zu eröffnen.


Schliesslich holten ihn in Mönchskutten vermummte Helfer aus seiner Schwebeposition und packten ihm dabei endlich auch das obligatorische Kunstblut ins Gesicht. Im Fotograben bekamen wir glücklicherweise diesmal keinen roten Saft ab und nach zwei Liedern war der Spuk zumindest für mich zum Glück vorbei. Kultgruppe oder Kindergarten, das muss jeder für sich entscheiden. Man muss AGONOIZE lassen, dass sie wohl die Nummer eins bzgl. Stimmung und Show auf dem Amphi waren, und das bereits nach zwei Titeln! Die Bässe verfolgten mich bis ins Staatenhaus, wo ich die letzten Takte von In The Nursery hören durfte…
[Ralf]


Im Gegensatz zu meinem Kollegen durfte ich IN THE NURSERY von Anfang an genießen. Die Sheffielder feierten ja dieses Jahr neben dem 100. Geburtstag der Humberstone-Zwillinge ihr 30jähriges Bandbestehen und nutzten die Gelegenheit zu einer kleinen Zeitreise durch die vergangenen 3 Dekaden.


Reiseleiterin war die bezaubernde Dolores Marguerite C., die den größten Teil des Konzerts am Mikrophon bestritt. Von „Crepuscule“ vom aktuellen Album „Blind Sound“ bis hin zum „very old song“ „Mystery“ aus der 1983er LP „When Cherished Dreams Come True“, vorgetragen als Duett von Dolores und Nigel Humberstone, reichte das Programm. Ansonsten betätigte sich Nigel Humberstone hauptsächlich an Gitarre und Keyboards, bis auf das leider zu leise abgemischte „Artisans Of Civilisation“, während sein Bruder Klive, fast völlig in Nebel eingehüllt, mit seiner Menagerie aus riesigen Trommeln und Pauken für das typisch wuchtige Grundgerüst zuständig war.


Lediglich zum großen Finale „L'Esprit“ wagte er sich kurz mit zwei großen Becken aus der Deckung. Zu diesem Zeitpunkt war man längst gefangen im bombastisch durchdringenden Sound des Quartetts und hatte jeden Ton geradezu gierig aufgesogen, ob nun Dolores' wunderbaren Gesang, die dramatisch-orchestralen Passagen oder die treibenden Percussions, bei denen die Sängerin auch mal bei David Electrik am Schlagzeug oder Klive Humberstone an den Pauken aushalf. Ein packendes Erlebnis, das mit 50 Minuten viel zu kurz war!


Als die Lichter angingen, stellten wir übereinstimmend fest, daß ein Teil der Geräusche gar nicht von außen, sondern aus unseren leeren Mägen stammte. Deshalb schnell, schnell auf eine Pizza ins nahegelegene „Vapiano“ und genauso schnell wieder zurück zur Mainstage, wo pünktlich um 18:55 Uhr NITZER EBB auf die Bretter stürmten.


Obwohl Frontmann Douglas McCarthy mit fast 44 Jahren inzwischen zu den älteren Semestern zählt, ist es doch erstaunlich, wie gerade die weibliche Zuhörerschaft gebannt an jeder seiner Bewegungen hängt. Testosteron hält wohl jung – und fit, denn McCarthy, diesmal in feinen Zwirn gekleidet, brachte während des Konzerts gefühlt einige Kilometer hinter sich. Stimmlich zeigte sich der Shouter ebenfalls in Bestform, als er seine bekannten Kracher wie „Getting Closer“, „Hearts And Minds“, „Let Your Body Learn“ oder „Lightning Man“ auf die versammelte Menge losließ. „Don't be lazy!“ - brav machte selbige das, was man bei einem NITZER EBB-Konzert machen muß: Party!


McCarthy nahm's wohl zufrieden durch die Gläser seiner verspiegelten Sonnenbrille zur Kenntnis und peitschte die EBM-Jünger immer wieder an, bis „Control I'm Here“ das Ende einläutete. Tosender Beifall – Zugaberufe – und danach lange Gesichter. Verwirrung machte sich breit, als ein paar Helfer begannen, die Bühne umzuräumen. Wie? Keine Zugabe beim Headliner? Gerade als sich jeder genau das fragte, kehrten NITZER EBB zurück, im Schlepptau Jürgen Engler von DIE KRUPPS. Die Roadies hatten nämlich lediglich seine Rohre aufgebaut. So endete das Programm auf der Mainstage mit „Machineries Of Joy“, nicht nur einträchtig geshoutet von Douglas McCarthy und Jürgen Engler, sondern vom gesamten Publikum. Was für ein Knaller!


Für mich waren NITZER EBB genau das Richtige zum Abschluß, weswegen ich das VII. Amphi-Festival gemütlich ausklingen ließ, während sich der Rest unserer Truppe noch im Staatenhaus vergnügte. Ralf hatte hinterher einiges zu erzählen:


Bereits nachmittags hatte man zwischen den Absperrungen die Anwesenheit der Lightbringer erkennen können: dicke LED-Leisten warteten auf den abendlichen Einsatz zum Abschlusskonzert im Staatenhaus. COVENANT waren angetreten noch einmal richtig die Halle zu electrorocken.


Eskil, Daniel Myer und Daniel Jonasson von Dupont als Gastkeyboarder betraten die Bühne sichtlich gut gelaunt und starteten einen Reigen von Hits aus dem Covenant Universum. Myer setzte dabei komplett neue Akzente und so fragte man sich teilweise, ob sich vielleicht ein Mitglied vom Front242 irgendwo auf der Bühne versteckt hatte, um aus dem Off herrlich verzerrt geloopte Shouts einzubringen. Doch dem nicht genug. Sogar Live-Drums hatte Daniel Myer durchgesetzt und die nutzte er nicht nur sporadisch. Eskil ging derweil in seiner Rolle als Preacherman auf und forderte das Publikum auf, sich selbst zu feiern.


Die Lichter tauchten die Band in gleissende Farbszenarien und die Halle feierte kräftig mit. "Lightbringer" brachte schliesslich Myer sogar ans Mikrophon und auf einmal klangen Covenant mehr wie Haujobb. Über die angekündigte Spielzeit hinaus unterhielt die Band mit "Leiermann", "Call The Ships To Port" und schließlich "Dead Stars". Auch wenn die Amphi-Leitung zwischendrin schon mal hinten das Licht angemacht hatte *grrrr*, tat das der Stimmung keinen Abbruch!
[Ralf]


Da bleibt mir nur noch zu sagen: Schön war's! Das Wetter war trotz aller Unkenrufe halbwegs trocken geblieben, die Temperaturen hatten sich in wohligen Bereichen eingependelt und die Atmosphäre war während des gesamten Wochenendes friedlich und entspannt. Als besonders positiv möchte ich die, im Vergleich zum Vorjahr, größere Genrevielfalt des diesjährigen Amphi hervorheben. Dafür sowie für den gewohnt reibungslosen Ablauf ein herzliches Dankeschön an die Organisatoren und Helfer. Wir sehen uns zum VIII. Amphi-Festival am 21./22. Juli 2012!

Ein ganz besonderer Dank geht an unseren umtriebigen Ralf für die Fotos und die Beiträge!

Die zugehörige Fotogalerie findet Ihr hier .


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