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So ändern sich die Zeiten! Fuhr man früher mit der Bahn oder bestenfalls einer klapprigen Rostlaube zu diversen Festivitäten, reist man heute ganz komfortabel per Flugzeug an. Den gelben Billigfliegern und dem neuen Allgäu-Airport sei's gedankt, daß das Amphi-Festival in Köln inzwischen sogar von meiner entlegenen Heimat aus in einer knappen Stunde erreichbar ist.


Die fünfte Auflage des Amphi-Festivals (so benannt nach dem Amphitheater in Gelsenkirchen, dem Schauplatz der ersten Veranstaltung anno 2005) lud nämlich zum vierten Mal in das Tanzbrunnen-Gelände, malerisch zwischen Messe und Rhein gelegen, ein – und sie kamen (fast) alle, insgesamt ca. 13.000 Gothics, Cybers, Mittelalter-Freaks oder sonstige schwarz/neonbunt gewandete Musikbegeisterte aus allen Ecken Deutschlands bzw. Europas. Bereits am Vortag des großen Ereignisses konnte man deshalb beobachten, wie die Gegend um Hauptbahnhof und Domplatte immer schwärzer wurde, oft kritisch beäugt von vorbeieilenden Passanten.


Für die am Freitag Angekommenen war gleich gut gesorgt. Nicht weniger als drei Warm-Ups buhlten um die Gunst des frühen Publikums. Die „Essigfabrik“ lockte mit Live-Act Faderhead und der E:O:D Dark Genesis-Party, während DJ Kämpfer im Bogen 2 „Hellnights“ mit Deathrock, Horrorpunk u.ä. versprach. Wir entschieden uns letztendlich für den Alten Wartesaal, eine, wie der Name schon sagt, sehr schöne ehemalige Wartehalle im wilhelminischen Stil direkt am Kölner Hauptbahnhof. Bis in die frühen Morgenstunden sorgten hier im Hauptraum 80er Synthiepop-Klänge von DJ Elvis sowie im Nebenraum aktuelle Elektro-Kracher für angemessene Einstimmung auf das, was in den nächsten beiden Tagen auf uns zukommen sollte.


Der Samstag begann demzufolge relativ spät. Als am Tanzbrunnen um 12:00 Uhr das Programm begann, hatte ich mich gerade erst einmal verschlafen aus den Federn geschält und betrat kurz vor dem Auftritt von THE BIRTHDAY MASSACRE den mit riesigen „Schirmen“ überdachten Platz vor der Mainstage. Kurzes Unterstellen bei einem 3-Minuten-Schauer, schnelle Begrüßung der anwesenden MK-Kollegen und schon enterten die Kanadier die Bühne. Obwohl Sängerin Chibi und die anderen Bandmitglieder hopsten, bangten und herumtobten, was das Zeug hielt, blieb das Publikum anfänglich eher reserviert. Erst beim dritten Song war verhaltenes Klatschen zu vernehmen, der berühmte Funke indes wollte selbst jetzt noch nicht so richtig überspringen. Auch bei uns konnte die recht unspektakuläre Mischung aus Alternative Rock, Synthies und Chibi's etwas piepsiger Stimme nicht wirklich zünden, so daß wir uns bald aufmachten, das restliche Areal zu erkunden.


Dieses umfaßt neben der erwähnten Hauptbühne auch die Rheinparkhalle, die dieses Jahr zum ersten Mal als zweiter Auftrittsort genutzt wurde, das runde Theater, welches für das Rahmenprogramm mit DVD-Vorführungen, Kinofilmen und Pre-listenings vorgesehen war, sowie den namensgebenden Tanzbrunnen, dessen Insel in der Mitte der Xtra-X Stand in Beschlag nahm. Die restlichen CD-, Klamotten- und Freßstände gruppierten sich um die runde Wasserfläche. Außerdem gab es zur Entspannung direkt am Rheinufer den Beach-Club, einen aufgeschütteten Sandstrand mit Bar, Liegestühlen und diversen anderen Sitzgelegenheiten.


Nachdem beim Rundgang ein weiterer kurzer Regenguß das Kölsch im Becher verdünnt hatte, war's Zeit, sich in feste Gemäuer zu begeben.


In der Rheinparkhalle hatte sich das 1980 von Dirk Ivens, Mark de Jonghe und Veerle de Schepper gegründete Projekt ABSOLUTE BODY CONTROL angekündigt. Das mittlerweile nur noch aus Dirk Ivens und Eric van Wonterghem bestehende Duo kann mit Fug und Recht zu den Pionieren des Electro gezählt werden und bot auf dem Amphi-Festival eine professionelle Show. Allerdings schienen zunächst die Akteure auf der Bühne deutlich mehr Spaß als die Zuhörer zu haben (abgesehen von einem kleinen – hmmm – ein bißchen angeheiterten Grüppchen am rechten Rand).


Während sich ein gut aufgelegter Ivens jedenfalls redlich Mühe gab, die Anwesenden mit glasklarer Stimme begleitet von melodiösen Keyboardlinien und peitschenden Beats zum Tanzen zu bringen, standen diese anfänglich etwas teilnahmslos herum. Erst bei „Is There An Exit?“ oder „Figures“ brach das Eis. Als schließlich bei „So Hard“ das weiße Jäckchen des Sängers fiel, kam endlich richtig Bewegung auch vor der Bühne auf. Von jetzt an wurde der musikalischen Aufforderung „Give Me Your Hands“ brav Folge geleistet und der Auftritt zum Schluß doch noch angemessen honoriert.


Da ich danach den Verlockungen des sehr sauberen „stillen Örtchens“ (hierfür ein dickes Lob an das Reinigungspersonal!) sowie des gut sortierten Merchstandes in der Halle nicht widerstehen konnte, verpaßte ich den Beginn des MARSHEAUX – Konzerts.


Die Zuschauerreihen hatten sich unterdessen merklich gelichtet, was sicherlich daran lag, daß Leæther Strip gleichzeitig die Mainstage beschallten. Den Zurückgeblieben boten Marianthi und Sophie dafür einen musikalisch astreinen Cocktail aus gefälligem Synthiepop mit engelsgleichen Gesangssstimmen und ließen das Stimmungsbarometer mit Songs wie „Hanging on“ oder „Dream Of A Disco“ kräftig ansteigen. Viele schwangen ausgelassen das Tanzbein, die übrigen (vorwiegend natürlich die männlichen) Besucher ergötzten sich am Anblick der bezaubernden Griechinnen. Das Ende nahte eindeutig zu schnell, doch der lautstarke Beifall holte die Mädels noch einmal zurück auf die Bühne, von der sie sich schließlich mit dem The Human League - Cover „Empire State Human“ verabschiedeten.


Aber die Party ging weiter. Während man aus der Rheinparkhalle mit Heinz Erhardt's „Linkes Auge blau, rechtes Auge blau“ hinausgeleitet wurde – wie schräg! – standen COVENANT auf der Mainstage schon in den Startlöchern. Wie von Moderator Honey (Welle:Erdball) verkündet, hatten die Schweden neue Songs aus dem kommenden Album „Modern Ruin“ im Gepäck und stellten mit „Come“ auch unverzüglich einen davon an den Anfang des Sets. Das Publikum nahm den typisch futurepop-lastigen Titel sofort mit Begeisterung auf und als beim folgenden „20 Hz“ sogar die Sonne durch die Wolken spitzte, ging's richtig los.


Hits wie „Bullet“, „Stalker“ oder „Speed“ sowie das zweite neue Lied „If I Would Give My Soul“ wurden regelrecht abgefeiert, was vor allem dem wie immer elegant in weißen Zwirn gekleideten Eskil Simonsson ein zufriedenes Dauergrinsen ins Gesicht zauberte. So war die Aufforderung „make some noise“ vor „Ritual Noise“ eigentlich überflüssig, denn COVENANT hatten die textsicheren Zuhörer längst im Griff, wofür sich „die coole Sau“ (Zitat meines Kollegen Ralf) Eskil artig mit „thank you for your patience“ bedankte. Selbstverständlich war das Schiff nach „Call The Ships To Port“ noch nicht endgültig im Hafen. Es wurde geschlossen nach Zugabe verlangt, ein Wunsch, der schließlich mit „One World One Sky“ nur allzugerne erfüllt wurde.


Setlist Covenant: (Quelle: www.covenant.de)
01. Modern Ruin Intro
02. Come
03. 20 Hz
04. Bullet
05. Stalker
06. Speed
07. If I Would Give My Soul
08. The Men
09. We Stand Alone
10. Ritual Noise
11. Brave New World (rmx)
12. Call The Ships To Port
---
13. One World One Sky


Nach einem Päuschen machten wir uns dann gutgelaunt und voller Vorfreude auf Laibach auf den Weg zur Rheinparkhalle und wunderten uns über zweierlei. Erstens, warum durfte man erst ab 18 Jahren zu Feindflug und Laibach und zweitens, warum quollen viel zu früh Besuchermassen aus dem Ausgang? Nichts wie rein in den mittlerweile fast leeren Raum, wo uns freundlich die Auskunft erteilt wurde, daß beim Feindflug-Konzert ein Teil der Deckenverkleidung heruntergebrochen war und die Halle gesperrt werden mußte (Details findet Ihr unter unseren news vom 22.07.09 und 24.07.09). Lange Gesichter und Ratlosigkeit stellten sich daraufhin nicht nur bei uns ein. Am Sandstrand sah man einige Laibach-T-Shirt-Träger herumirren auf der Suche nach Erkenntnis, selbstredend der, ob die Lieblinge überhaupt spielen würden. Immer mit halbem Ohr bei der Mainstage, wo nach dem Fields-of-the-Nephilim-Konzert das weitere Vorgehen angesagt werden sollte, verbrachte unser Grüppchen die unfreiwillige Ruhepause mit Diskussionen und gegenseitigem Mutmachen. Das letzte Lied der Fields verklang, der nachfolgende Applaus ebenso und endlich kam die erlösende Nachricht: Laibach sowie alle für die Rheinparkhalle vorgesehenen Bands des nächsten Tages sollten im Theater unterkommen. Dafür mußte natürlich erstmal die Bühne verfrachtet und neu aufgebaut werden, man peile 23:00 Uhr als Anfangszeit an, es könne aber auch „10 Minuten“ später werden. Für uns hieß das, auf zum Theater, um in den wesentlich kleineren Raum überhaupt reinzukommen. Diese Idee teilten wir mit vielen, sehr vielen Anderen. Bereits um 22:00 Uhr drängte sich so ein dichtes Menschenknäuel vor den Eingängen – und wir mittendrin. Die Minuten krochen dahin. Stimmengewirr und Gegröhle, immer heftiger schmerzende Füße und ein diffuses Gefühl der Platzangst, irgendwann hilft dagegen nicht mal mehr die Vaterlandsliebe zur NSK. Um 23:30 schließlich gaben wir auf. Enttäuscht zwar, doch froh, dem Andrang entkommen zu sein. Ein später Imbiss (und für mich ein Shirt) war Trost für das entgangene Erlebnis, das dem Vernehmen nach gegen Mitternacht begonnen hatte.


Am Sonntag Morgen war frühes Aufstehen angesagt, denn schon um 12:00 Uhr sollte mit ROSA CRUX eines meiner persönlichen Highlights – nun im Theater – seine große Stunde haben. Offensichtlich freute nicht nur ich mich auf diese französische Ausnahmeformation um Sänger/Gitarrist Olivier Tarabo, denn die Halle war um diese unchristliche Zeit bereits überraschend gut gefüllt. Ebenfalls gut gefüllt war die Bühne mit Claude Feeny's Piano sowie dem riesigen „Glockenturm“ auf der linken Seite, dem Chor Rosa Chordis auf der rechten und dahinter, im Halbkreis angeordnet, der mechanischen Trommelvorrichtung BAM.


Wie von Geisterhand setzte sich diese im Intro in Bewegung, antwortend auf handgespielte Percussions, bevor Musiker und Chor nach und nach einstimmten und eine dichte Klangwand aufbauten, die das Publikum geradezu einhüllte. Während im Hintergrund Wandmalereien aus den Pariser Katakomben über eine Leinwand wanderten, wurden zwei große Fahnen nach einer starren Choreographie geschwenkt und Olivier Tarabo's Gesang schien die gebannt lauschenden Zuhörer mit lateinischen Formeln in einen Bannkreis zu ziehen, der per Video plötzlich real wurde.


In einem Ring aus Feuer wurde der „Danse de la terre“ zelebriert, zwei nackte, zuckende Körper, welche sich einem archaischen Ritus folgend wieder und wieder mit rotem Staub bedeckten. Es war wohl der kleinen Bühne geschuldet, daß diese Huldigung an Mutter Erde nur per Projektion zu sehen war und deshalb im Vergleich zur Live-Performance ein wenig an Intensität einbüßte. Der musikalische Vortrag machte dies jedoch wieder wett, ja, er glich zunehmend einem düsteren Trip in finstere Abgründe, gegen Ende visuell umgesetzt mit einer im Laufrad eingesperrten Ratte, deren verzweifelte Befreiungsversuche die Saiten einer Geige in Schwingungen versetzten. Nur schwer konnte man sich aus dieser mystischen Umklammerung lösen und der euphorische Schlußapplaus bewies einmal mehr, daß ROSA CRUX ihre Sonderstellung innerhalb der schwarzen Szene auch auf dem Amphi-Festival erfolgreich zu verteidigen wußten.


Zurück an der frischen Luft, stellte ich mit Erschrecken fest, daß mein Portemonnaie einer dringende Auffrischung bedurfte. Da der örtliche Geldautomat, vielleicht angesichts der vielen kommerziellen Verführungen, kapituliert hatte, mußte ich, begleitet von einem netten Grüppchen, eine längere Wanderung in Kauf nehmen, war aber rechtzeitig zu Beginn des DIORAMA-Konzerts wieder vor Ort, glücklicherweise, denn ausgerechnet Olivier Tarabo hätte uns mit seinem betagten Kleinbus beinahe überrollt...


Wie dem auch sei, die schwäbischen Buben traten jedenfalls nicht an, um depressive Stimmung zu verbreiten, vielmehr standen die Signale auf Party. Mastermind Torben Wendt erwies sich dabei einmal mehr als talentierter Entertainer und lief bei Songs wie „Why“, „Advance“ oder „Said But True“ zu wahrer Hochform auf. Die Bühne in ganzer Breite ausnutzend wetzte er hin und her, mal Grimassen schneidend, mal verschmitzt lächelnd (was bei einigen Mädchen Kreischalarm auslöste), mal ganz in seiner Musik aufgehend.


Das Publikum dankte es der Band mit fleißigem Klatschen, ganz egal ob bei vertrauten oder neuen Tönen des – Zitat - „wann immer es 'rauskommt“ - Albums. Selbst als Petrus mal wieder einen kurzen Schauer sandte, rückte man einfach ein bißchen zusammen und feierte weiter. „Könnt Ihr noch, wollt Ihr noch, wo sind die Hände?“ Eine rhetorische Frage, denn die waren längst alle oben und mit „Synthesize Me“ endete ein schwungvoller Gig.


Da die Mittelalter-Rockband Saltatio Mortis nicht unbedingt zu meinen Favoriten zählt, entschied ich mich erst einmal, soziale Kontakte zu pflegen und meinen frisch aufgeladenen Geldbeutel wieder etwas zu erleichtern. Danach war's höchste Zeit, sich ins Theater aufzumachen, um den Auftritt von QNTAL nicht zu verpassen. Die Eile erwies sich im Nachhinein als unbegründet, denn das zahlreich anwesende Publikum mußte geschlagene 45 Minuten auf Syrah, Michael Popp und Fil Groth warten. Immerhin wartet sich's im Inneren des Theaters mit einem Getränk in der Hand wesentlich gemütlicher als am Vorabend vor der Türe. Endlich stimmten QNTAL das „Palästinalied“ an und Syrah entschuldigte sich charmant für die Verzögerung, offensichtlich verursacht durch das verspätete Eintreffen der Beteiligten aus Berlin. Alle waren wieder versöhnt, doch leider waren dem Trio nur fünf Lieder vergönnt. Hatte man sich gerade in der übervollen Halle der mystischen Atmosphäre von „Departir“, „Name der Rose“ oder „Maiden In The Mor“ hingegeben, war's unvermittelt vorbei, gerade als der bekannteste Song „Ad mortem festinamus“ angesagt worden war. Die Organisatoren kannten aber keine Gnade mit der protestierenden Menge, der Zeitplan mußte wohl oder übel eingehalten werden.


Wie's bei Festivals so ist, neues Konzert, neues Glück und für mich eine prima Gelegenheit, sich durch den fast vollständigen Publikumswechsel ein gutes Plätzchen in den vorderen Reihen zu sichern. Oswald HENKE (aktuell auch: fetisch:mensch) hatte zu einer Reise in seine Vergangenheit geladen - und er griff tief ins Schatzkästchen, um alte, lange nicht mehr gehörte Goethes Erben-Titel wieder ans Tageslicht zu befördern. Daß sich Meister HENKE dabei jedoch nicht nur auf bloßes Wiedergeben wohlbekannter Töne beschränkte, war das eigentlich Überraschende an diesem Auftritt. Die 5-köpfige, teilweise sehr junge Band, die der Sänger/Texter um sich geschart hatte, entlockte den Songs manch unerwartete Facette. So wurde beispielsweise das eröffnende „Kopfstimme“ sehr gitarrenlastig interpretiert, während der Mastermind seine Worte den Zuschauern entgegenschleuderte. Überhaupt, und das ist nicht neu, inszenierte Oswald HENKE die Songs in der ihm eigenen Art und Weise. Ob, wie bei „Eissturm“, gleich einem Berserker über die Bühne stürmend, bei „Zinnsoldaten“ mit bunter Uniformjacke hin und her stolzierend oder einfach bei „Die Brut“ mit irrem Gesichtsausdruck schreiend, es wurde nicht nur rezitiert, es wurde gelebt.


Auch Freunde von Artwork wurden mit „Stadt der Träume“ und „Liebling der Götter“ bedacht, bevor ein Kerzenständer auf die Bühne gebracht wurde, welcher laut Oswald nicht angezündet werden durfte, da sonst die Feuerwehr alles wieder lösche. Ergo: trotz guten Willens könne man „Das schwarze Wesen“ jetzt nicht spielen, aber es würde trotzdem gespielt werden, wenn man sein T-Shirt gut fände. Klar, daß es auf einmal alle todchic fanden und dafür das Gewünschte bekamen. Jetzt kann ich's ja sagen, das T-Shirt war -äh- etwas unvorteilhaft...


Vielleicht erfolgte deswegen vor der Zugabe ein Kleidungswechsel. Herr HENKE erschien zu Erblast's „Warum“ nämlich in einem weißen Pyjama (?) und lieferte sich mit Krone und Weinglas bewaffnet ein Duett mit Keyboarderin Hanna Løg, bevor die ganze Band zum großen Finale Seifenblasen über die Köpfe der Anwesenden pustete.


Ich wurde danach nicht von einem „Eissturm“, sondern von der nach außen drängenden Menge aus dem Theater hinausgespült, denn – und jetzt erteile ich meinem Kollegen und diesbezüglichen Experten Ralf das Wort - ...


... Hauptact am Sonntag im Open Air Bereich waren alte Helden: FRONT 242. Nach eher bedenklichen Ausflügen in Trance-Welten, die in der Verstümmelung von Klassikern samt Unverständnis der Fangemeinde mündeten, wurde diesmal ein Oldskool-Set dargeboten. Die LED-Wand und viel Gegenlicht, wie FRONT 242 schon als Vorgruppe von Depeche Mode 1987 im Nebel aufgetreten waren, sollte auch heute das richtige Ambiente schaffen.


Mit „Tragedy for You“ als zweiten Song wurde das Publikum recht früh eingefangen, wobei der richtige Durchstarter mit „Welcome to Paradise“ erst nach einer halben Stunde eingeschoben wurde. Viele der großen Hits waren dabei, und obwohl bei Songs wie „Quite Unusual“ und „No Shuffle“ irgendwie der richtige Wumms fehlte, bezauberte die brachiale Nostalgie, die aus solchen EBM-Diamanten scheint. Nackte Oberkörper und viel Schweiss bestimmten den Mosh-Pit vor der Bühne offensichtlich ganz zur Freude der Band, die das textsichere Publikum genoß. Fast schon mit einer Kraftwerk-angelehnten Projektion war der endgültige Mitsinger „Im Rhythmus bleiben“ an diesem Abend auch mit dabei und das direkte Tribut folgte mit „Radioactivity“ Anleihen im Gesang. Als Zugabe wurde „Kampfbereit“ - Titel der ersten Stunde - ebenso dankbar angenommen, wie schließlich „Headhunter“, das die letzten Kraftreserven der Möchtegern-Hardcore-Poger forderte. Wenig überraschend, dafür konsequent in der Umsetzung waren FRONT 242 live ein würdiger Abschluss auf der Freilichtbühne.
(Ralf)


Während ich nach diesem an- und aufregenden EBM-Trommelfeuer das Amphi-Festival entspannt am Strand ausklingen ließ, waren die übrigen Kollegen noch aktiv, denn der endgültige Schlußpunkt war das Konzert von CAMOUFLAGE im Theater, wovon wieder unser Ralf berichtet:


CAMOUFLAGE sind derzeit eher in ihrer kreativen Phase, will heissen, sie schreiben Songs und spielen eigentlich keine Konzerte. Kai Lotze hat’s trotzdem geschafft sie für einen One-Off Festival-Gig auf dem Amphi zu verpflichten. Das Theater war gegen 23:30 noch immer gut gefüllt als die drei Ex-Bietigheimer mit Volker Hinkel als Unterstützung die Bühne enterten. Die Drums kommen 2009 aus der Konserve, was nicht sonderlich störte, wobei die Live-Drums bei der letzten Tour den Songs meiner Meinung nach sehr gut getan haben. „Neighbours“ war der Opener, der wieder neu im Set auftauchte und sofort zum Tanzen animierte. So recht wollte das Publikum nicht mitziehen, für ein Festival bei dem CAMOUFLAGE einer unter vielen Acts sind, änderte sich das nach einigen Liedern allerdings ein ganzes Stück in die richtige Richtung obwohl die Müdigkeit der Festival-Besucher durchgängig zu spüren war. Die Mischung aus 25 years of fine electronic music erschien ausgewogen. Tempo und Stimmung variierten und einer der sichtlichen Höhepunkte war Olis Live-Darbietung von „Here she Comes“.


Schade dass die Band so oft auf ihre großen Hits reduziert wird, denn das hat das Trio gar nicht nötig. Und so wurden die Rufe nach „The Great Commandment“ bis kurz vor Schluss ignoriert und statt dessen Songs wie „That Smiling Face“, „I’ll follow Behind“ oder die legendäre „Motif Sky“ B-Seite „Conversation“ professionell performt. Natürlich folgten die beiden Klassiker sowie das extrem tanzbare „Suspicious Love“ und als Zuckerl noch eine Acoustic Version von „Something Wrong“, die zunächst nur von Volker an der Gitarre unterstützt wurde, bevor die gesamte Band gegen Ende des Songs noch gesangliche Nuancen setzte. CAMOUFLAGE haben schon vor besserem Publikum gespielt und im Gegenzug auch schon mal eine überzeugendere Leistung abgegeben, ein traumhaftes Goodbye für das fünfte Amphi-Festival war die Buchung der Band jedoch allemal!
(Ralf)


... auch für mich hieß es „Goodbye Amphi“, doch eines nehme ich auf jeden Fall mit, viele schöne Erinnerungen und den festen Vorsatz, auch nächstes Jahr mit den gelben Billigfliegern wieder nach Köln, zum 6. Amphi-Festival zu reisen.


Ein ganz besonderer Dank an dieser Stelle den Organisatoren und Helfern für ihr Engagement unter erschwerten Umständen sowie denjenigen, die stets für Sauberkeit und reibungslosen Ablauf sorgten. Außerdem ein dickes „Vergelt's Gott“ an unsere fleißigen Fotografen Ivo und Ralf. Die Galerie von Ivo findet Ihr hier , für die von Ralf klickt auf diesen Link!


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