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Mittlerweile hat sich ausser dem Wave Gothic Treffen und Mera Luna noch ein drittes relativ großes Festival in Deutschland etabliert: Das Amphi, welches auf einem schön gelegenem Gelände in Köln direkt am Rhein stattfindet. Die Köln-Messe ist auch sehr gut von der Autobahn zu erreichen und bietet genügend Parkplätze, welche allerdings zum großen Teil etwas weiter weg liegen. Daher war auch ein recht langer Fußmarsch angesagt, als wir Samstag gegen Mittag eintrafen. Nachher waren wir aber schlauer und haben das Auto unter einen näher gelegenen Parklatz, schattig unter einer Brücke gelegen, umgeparkt. Denn es war sogar sonnig und viele schwarze Gestalten flanierten am Rhein entlang.

Es gibt beim Amphi zwei Auftrittsorte: Die Mainstage, welche zum Teil wabenartig überdacht ist (siehe Foto) und die Bühne im Theater. Hier gibt es aber auch von einem kleinen Wermutstropfen zu berichten: Es bildeten sich recht lange Schlangen, da der Eingang relativ eng ist. Angeschlossen ist ein Aufenthaltsraum mit Garderobe. Die Verpflegung war nicht das Gelbe vom Ei, es gab nur zwei Biersorten, die beide sicher nicht zu den Spitzenbieren in Deutschland zählen. Aber zum Glück waren zwei Trinkwasserbrunnen vorhanden, von welchen ich dann auch kräftig Gebrauch machte. Zum „Mampf“ schreibe ich mal nichts, denn man geht ja nicht auf eine Festival um sich mit den dortigen zu überhöhten Preisen angebotenen Speisen den Magen vollzuschlagen. Grade nicht auf einem Festival das in direkter Nähe zur Innenstadt einer Großstadt gelegen ist. Oder ?


Theaterstage Trial: Nach einer Fährfahrt über den Rhein und kurzem Altstadt Bummel, beschlossen wir als erste Band uns Trial anzusehen. Die Hard Elektroniker sollten noch einigen EBM - und Electro Fans aus früheren Tagen bekannt sein, zumindest das Stück „Blut und Eisen“. Richtig Stimmung wollte hier noch nicht aufkommen, was wohl auch an der eher mäßigen „Gesangesleistung“, d.h. kehliges Gebrülle, sowie den relativ einfach strukturierten Stücken gelegen haben mag. Immerhin waren echte Drums am Start und die rein instrumentalen Parts klangen dann schon besser und insbesondere treibender.


Mainstage Imatem: Wie leicht an der charismatischen Gestalt von Peter Spilles hinter den Synthies zu erkennen war, hatten wir es hier mit einem Nebenprojekt des Projekt Pitchfork Frontmannes zu tun. Da ich neugierig war (als Fan der alten PP) hörte ich schon vorher mal auf dem Myspace von Imatem in 4 Stücke rein. Leider hörte sich das recht enttäuschend an, obwohl einige Gastsänger aufgeboten werden. Die live Darbietung konnte meine Meinung leider auch nicht ändern. Relativ simple Elektronik gepaart mit zumeist treibenden Beats und einfachen Melodien. Auch hier kamen alle 3 Gastsänger zum Zuge: „Der Graf“ (Unheilig), La Casa Del Cid und Falk Lenn. Zwar spendete das Publikum höflichen Beifall, leider aber blieben genauso wie bei Trial Begeisterungstürme aus – zu Recht. Nicht Fisch – nicht Fleisch so kam mir der Auftritt und die gebotene Musik vor. Da muss noch was besseres kommen, Herr Spilles !


Mainstage Funker Vogt: Das muss schon das dritte oder vierte Mal sein, dass ich die Funker live sah. Und es reicht nun wirklich. Im Vergleich zu meiner letzten Audition einer Show der Hameler hat sich nichts – aber auch gar nichts – verändert. Nur, dass diesesmal die Stimmung etwas schlechter war. Denn eines muss man den Funkern ja lassen, Stimmung machen können sie normalerweise. Am Samstag gelang das nicht so besonders. Der Sound sollte altbekannt sein, so dass ich nicht weiter drauf eingehe. Ein bisserl leid tut mir immer der Gitarrist, den man kaum heraushört. Ältere Stücke wurden leider ausgespart :( Immerhin kam aber auch diesesmal Jens Kästel wieder sehr sympathisch rüber.


Theaterstage Spetsnaz: Weiter geht´s mit den Oldstylern aus Schweden. Hier waren auch schon erste euphorische Publikumsreaktionen zu verzeichnen, denn es gibt in hiesigen Gefilden anscheinend doch einige Anhänger der zwei netten Nordmänner. Der Sound ist stark an Nitzer Ebb orientiert, d.h. relativ minimale Arrangements mit kraftvollem Sprechgesang und Shouts. Mein Fall ist das nicht ganz, aber ich muss zugeben, dass sie ordentlich Stimmung machen und die Fans mitreißen können. Das Songmaterial der Band ist mir gänzlich unbekannt, somit kann ich zu den gespielten Stücken nichts sagen. Aber ein Auftritt der Spaß machte, war es auf jeden Fall !

Theaterstage Winterkälte: Hier schauten wir nur kurz rein, da wir eigentlich schon vorher wussten, dass die zwei „Krachschläger“ auf der Bühne kaum unseren Musikgeschmack treffen würden. Und so war es auch: Rythm Noise in Reinkultur prasselte über das doch recht zahlreiche Publikum in der Halle hinweg. Naja, wer´s mag.


Mainstage Front 242: Da ich die belgische Kultformation erst einmal davor live sah (Bisquithalle, Bonn), war ich entsprechend gespannt und erwartungsvoll. Und mit mir ein paar 1000 Fans vor der Hauptbühne. Leider gab es einige technische Probleme, die wohl auch nicht 100% und zur Zufriedenheit der Band gelöst werden konnten. Es wirkte sich aber nicht auf die tolle Stimmung während des Konzerts aus. Ein großes Fest wurde gefeiert und machte das 242 Set zum ersten (und einzigem) Höhepunkt am Samstag. Das große Problem war allerdings, dass die Spielzeit von einer Stunde viel zu knapp angesetzt war und auch zeitlich ungünstig lag. Denn um 22.00 Uhr musste Schluss sein mit Musik (Auflage der Stadt Köln). Das hieß, es gab ca. 55 Minuten Front 242. Die lautstark geforderten Zugaben konnten nicht gegeben werden. Auch die Musiker waren darüber sehr verärgert, was man ihnen anmerkte. Ein gellendes Pfeifkonzert war der Kommentar der anwesenden EBM Heads zu dieser Tatsache. Ja, ein unwürdiges Ende eines gelungenen Auftritts, der einige - aber natürlich längst nicht alle - Pflichtsongs aus dem riesigen Repertoire der Band bot. Schön auch,dass die Songs live doch erheblich anders als auf Platte klingen, davon sollten sich andere Electro Bands mal eine Scheibe abschneiden.


























SONNTAG:

Mainstage Portion Control: Die zwei Londoner, welche überaschenderweise als erste Sonntags Band spielten, wirkten bei ihrem Set leicht distanziert und britisch kühl. Aber das passte auch irgendwie zum Sound. Wer Portion Control nicht kennt, dem sei gesagt, dass es eine der oft vergessenen, aber genialen Electrobands ist. Ein recht analog klingender Sound und der natürliche unverzerrte Gesang machten den Gig zu einem schönen Hörerlebnis. Gefiel mir irgendwie sogar besser als z.B. Frontline Assembly ! Selbstredend sind Portion Control den meisten derzeit angesagten “Electro - und Industrial” Bands immer noch haushoch überlegen. Ein Vergleich von z.B. Agonoize o. Straftanz mit Portion Control ist vollkommen undenkbar :) Lustig fand ich dann auch noch, wie die beiden Herren im schon gesetzten Alter sich noch den Anfang der nachfolgenden Mittelalterrock Band Saltatio Mortis anschauten, um dann aber kopfschüttelnd plappernd das Weite zu suchen :p “Those Germans have a quite obscure taste in music”....Genauso dachten wir auch.


Mainstage Heimataerde: Eine der größten positiven Überaschungen des Festivals war diese Band, die eine Art “Mittelalter Electro” machen. Zum Glück aber ohne Dudelsäcke, dafür mit einer Art Flöte. Ansonsten war das schon eher elektronisch. Aber mit passenden Texten und - na klar - mit cooler Bühnenshow. Der Sänger mit Schwert und Kettenhemd, dazu gab es noch entsprechende Landsknechte als Standartenträger. Manche werden sagen solche Shows sind albern oder sie sollen Schwächen in der Musik übertünchen. Das mag oftmals stimmen, aber bei Heimataerde empfand ich das nicht so, sondern passend. Und die Musik ging auch überwiegend in Ordnung. Zumeist treibend mit schweren Beats - sicher ein Act der in Zukunft noch von sich reden machen wird.

























Na, ein toller Sonntag kündigte sich hier schon an, mit den zwei ersten angeschauten Bands.

Aber es sollte noch besser kommen....


Mainstage Krypteria: Die Gothicmetaller hatten hier ein Heimspiel und konnten auch im Vorfeld schon viel Lob einheimsen. U.a. mit Titelstories in bekannten deutschen Magazinen. Berechtigt ? Na nicht ganz, denn der Sound könnte doch ´ne Ecke härter und dunkler sein. Ansonsten aber auch hier ein überwiegend guter Auftritt mit der gutgelaunten, hübschen Sängerin und dem spielfreudigem Gitarristen. Der Gesang war zum Glück noch erträglich, d.h. er ging nicht in Richtung Nightwish oder Within Temptation, sondern mehr in die rockige Ecke. Schade, dass kein männlicher Grunzer als Ergänzung dabei war - auch ein paar schnellere, härtere Parts wären gut gekommen.


Theaterstage Down Below: Da uns Samsas Traum absolut nicht reizten, wechselten wir mal in die Halle um uns die Shooting Stars aus deutschen Landen anzuschauen. Down Below machen eine Art dunkel und romantisch angehauchten Rock, der zuweilen massiv von Keys unterstützt wird. Das Wort “Gothic” will mir hier aber nicht über die Zunge kommen.... Denn dafür ist der Sound dann doch zu glattgeschliffen und massentauglich. Was aber nicht heisst, dass der Gig keinen Spaß gemacht hat. Im Gegenteil während der ersten 4-5 Songs war ich sogar relativ beeindruckt. Der Sänger - der mir irgendwie wie der verkörperte feuchte Traum kleiner süßer Alternative Girls vorkam - hat eine sehr wandelbare und sichere Stimme. Die Performance der gesamten Band war sehr tight, der Sound okay. Als - zugegeben großer - Wermutstropfen allerdings kam mir dann der Rest des Programms vor. Dieses erinnerte mich nämlich frappierend an HIM und poppigere The 69 Eyes Songs. Also nicht grade das, was einem Frank W. feuchte Träume bereiten würde. Die “härteren” (hust) Songs aber gingen durchaus okay....


Mainstage Frontline Assembly: So endlich war die Zeit von Bill Leeb und seiner Live Crew gekommen. Die zumeist jungen Herren an Drums und Synthies waren dann auch diejenigen welche mehr mit dem Publikum kommunizierten und versuchten Stimmung zu machen. Denn Bill selber wirkte etwas unmotiviert und müde. Auch gab es ein paar Probleme mit der Abmischung des Gesangs, was dazu führte, dass z.B. bei Mindphaser die Vocals nur sehr schlecht zu hören waren. Aber da ansonsten das Set einige der alten Hits bot, relativ gut gemischt mit neuerem Material, konnte man sich nicht wirklich beschweren. Und somit kam es dann auch zu einer Art Party vor der Stage, die aber lange nicht die Ausmaße derer bei Front 242 annahm.


Theaterstage Zeromancer: Von dieser Band habe ich eigentlich nicht so viel erwartet...doch stellte sich ihr Autritt als einer der Besten des gesamten Festivals raus. Ich kannte vorher nur das Stück “Clone Your Lover”, das ich recht okay, aber nicht herausragend fand. Doch es sieht so aus, als ob die Band wesentlich besseres Material am Start hat. Denn die Band rockte die Halle, sehr gute Gitarren und der Sänger meinte dann auch, es wäre die beste Show die sie je gespielt hätten. Einige der Lieder kamen auch sehr tight und hart rüber, gingen schon in Metal Richtung. Und auch “Clone Your Lover” klang live erheblich besser als auf CD. Daumen hoch also für Zeromancer!


Theaterstage Dreadful Shadows: Es sollte ein Traum wahr werden an diesem Sonntag: Die legendären Gothicrocker haben sich (leider) nicht zu einer Reunion, dafür aber zu einigen Konzerten wieder zusammengerauft. Und das erste dieser Konzerte sollte auf dem Amphi stattfinden - als Headliner. Sicher angemessen, zählten die Shadows neben Love Like Blood und Garden of Delight doch zur absoluten Speerspitze der deutschen Gothicszene. Und dieser Status ist absolut gerechtfertigt. Das Konzert war wunderschön. Bei ruhigeren Lieder wie “Sea Of Tears” kamen mir fast die Tränen vor Freude. Es wurden Songs gespielt für die vorher von den Fans auf der Homepage gevotet werden konnte.

Hier dann auch die Setlist:
1. Intro+Futility 2. New Day 3. Drowning Sun 4. Dead Can Wait 5. A Sea Of Tears 6. Dusk 7. Chains 8. Burning The Shrouds 9. Desolated Home 10. Craving 11. The Figures Of Disguise 12. True Faith 13. Beyond The Maze - Zugaben - 14. Condemnation 15. Twist In My Sobriety.

Sven Friedrichs wunderbare wandelbare Stimme und ein perfektes Zusammenspiel der Band, denen man die Spielfreude sichtlich ansah, machten den Abschluss dieses Festivals perfekt.

Das war also Teil 1 unseres Amphi Berichts. Foto credits an Jens B. Teil 2 von Matthias wird sicher noch mehr interesante Einsichten bieten, sowie mehr und bessere Fotos bieten !


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