Wumpscut Schrekk & Grauss

Ein neues Jahr, ein neues Album, ein neues Artwork, eine neue Chance – und am Ende .... Schade.

Es ist also wieder soweit, mit "Schrekk und Grauss" präsentiert uns Herr Ratzinger das alljährliche Wumpscut Release. Eigentlich könnte ich aus der selben Perspektive schreiben wie schon bei der vorjährigen Gurke "Siamese": Aus der des enttäuschten Fans. Aber das geht leider nicht, denn immer, wenn ich das Album höre schlafe ich ein. Also schreib' ich eben als müder Fan.

"Schrekk und Grauss" wecken zunächst einmal Hoffnung. Das Artwork kann man wirklich als gelungene Auffrischung bezeichnen: In Erinnerung an das Layout der "Blutkind" Compilation ist nun wieder Comic-Zeit angesagt, die Zeichnungen sind witzig, herausfordernd und machen Lust auf einen Hördurchlauf. Rudy auf einem neuen Kurs? "Rudolf Wolzek" lässt sich gut an, bietet zwar "nur" typischen Wumpscut Sound, aber die Melodieführung ist immerhin nicht ganz geradlinig. Da könnt' ja was Feines draus werden. Wird es aber nicht. Der Song ist das Beste, was die 50 Minuten Wumpssound zu bieten haben. Beim Titeltrack kommt mir immer wieder in den Sinn, nach "Schrekk und Grauss" dingel-dingel-ding zu singen, da die Melodie doch sehr an den ätzenden Atzen-Song "Disko Pogo" erinnert, es gibt fürchterlich viele Songs, die zwischen langatmig und langweilig pendeln und dabei einschläfern ("Muselmann", "Elende Buben" oder "Wumpelstilz") und der Hörer kann sich sogar glücklich schätzen, wenn er mit "Patient A" und "Jiddisch is a zwillink" noch 2 immerhin mittelmäßige Lieder zu hören bekommt. Wobei "Patient A" ja eigentlich nur eine Tonaufnahme mit etwas seichtem Hintergrundschallawalla ist – ein Song ist was anderes. Und der Humor ist wieder mal nur etwas für einen kleinen Kreis, glaube ich - bei mir war bei "Wumpelstilz" oder "Zombibikini" nach dem Lesen des Titels jedenfalls auch schon wieder Schluss mit schmunzeln. Ich mag es kaum sagen, aber da war "Siamese" fast das spannendere Album und hatte mit dem Titeltrack und "Blood stigmata" wenigstens 2 Songs, die man auch auf lange Sicht gerne hören mag. Und was ist mit den Samples, Rudy? Egal ob die Zeiten hart waren oder die Klänge ruhiger wurden: Wumpscut war für mich neben Velvet Acid Christ das Projekt, das Samples perfekt in die Songs integrierte. Punktgenau, nicht zu aufgesetzt – ganz anders aber auf "Schrekk und Grauss". Platt, langweilig und zum Teil schrecklich nervig – immerhin wird Letzteres bisweilen bereits im Titel ("Kikeriki") angedeutet.

Außen Hui, innen Pfui. Na los, Rudy: Ich will keine Kracher längst vergangener Zeiten, ich will auch kein neues "Wreath of barbs". Entwickel' dich in eine neue Richtung, mach' von mir aus Hip Hop oder entdecke die Triangel als Zukunft des Elektro – die Hauptsache ist, es erscheint mal wieder ein Album, bei dem einen die Lieblosigkeit nicht so entgegenspringt.

PS: Wie immer gibt es das Album in 100 Variationen mit Remix CD, T-Shirt, Kalender, Poster, Hologram von Prinzessin Leia, dem heiligen Gral,...... Kurz: Fans können sich mit ihrem jährlichen Schuss Bonus-Rudy versorgen.

Facts:

Label:
Beton Kopf Media

Mediatype:
CD

Genre:
Electronic / Industrial / Noise

Review-Datum:
20.04.2011

VÖ-Datum:
22.04.2011

Leserwertungen:
12

Bewertung:
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Leserwertung:
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Autor:
Horrschd

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Horrschd hat bereits 622 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 3,5 Sterne.Das Fazit von Horrschd zu diesem Review lautet: Dagegen war "Siamese" spannend. Daumen runter. 2011-04-20 12 1,7

Tracklist:

01. Rudolf Wolzek
02. Schrekk & Grauss
03. Muselmann
04. Elende Buben
05. Patient A.
06. Jiddisch Is A Zwillink
07. Wumpelstilz
08. Kikeriki
09. Zombibikini
10. Alles Aus

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