Wumpscut Bulwark Bazooka

Das Jahr ist noch jung, die Bäumlein grünen und Rudy hat fertig. Also das nächste Album. Aber, ganz anders als erwartet, soll mein Hörerlebnis in diesem Jahr beträchtlich schöner ausfallen als noch beim Besuch im „Madman Spzital‘ 2013. Hat Herr Ratzinger also den Stil geändert, sich für neue Ideen und Einflüsse erwärmt und endlich den Wumscut-Kutter auf neuen Kurs gebracht? Nö. Alles beim Alten. Komplett. Alles drin, was man seit 10 Jahren kennt. ‚Bulwark Bazooka‘ überzeugt nicht durch Innovation, sondern ist das erste Album seit dem 2008er ‚Schädling‘, bei dem man das Gefühl hat, dass bei all der Routine auch Spaß im Entwicklungsprozess lag.

Das Artwork kokettiert ge-wohnt/konnt mit Nazi-Symbolik (wie bereits des Öfteren in der Wumpscut Geschichte, weswegen ich eine Diskussion über Sinn und Unsinn solcher Provokation unterlasse) und die Liedtitel versprechen wieder einmal Rudi-Humor. Bis hierhin keine Pulsveränderung bei mir zu vermerken. „Rubber corpse“ beginnt brav nach Wumpscut Schema. Oh, der Sample ist nett eingearbeitet. Mmmh, die Programmierung bietet einige Feinheiten, die es zu entdecken gibt. Ah, im Refrain gibt es weiblichen Gesang – das hatten wir so perfekt platziert schon lange nicht mehr. Der Track ist keine melodische Offenbarung, sondern eigentlich ganz typisch, doch alles wirkt liebevoller zusammengefügt als in den letzten Jahren. Genau so macht „Furunkel Lolita“ weiter, bietet dazu eine wirklich schöne Melodie, Abwechslung, schräge Thematik und kurz alles, was ich bei Wumpscut zu schätzen gelernt habe. Im Verlauf des Albums finden sich nur noch 2 weitere ‚etwas härtere‘ Nummern: „Atrocity dancer“ und das schön an „Is it you“ erinnernde „Supergurl“ fallen noch einmal auf, denn der Rest des Albums ist eher gemächlich und atmosphärisch gehalten.

Also 4 gute Lieder und der Rest Füllmaterial? Nein, denn dieses Mal schafft es Rudy, auch diesen Teil des Sets stimmungsvoller zu gestalten. Die Violinen in „Cross of iron“ machen das Lied zu einem Schmuckstück, „Heresy“ könnte man glatt auf der ‚Wreath of barbs‘ im Mittelteil verorten. „Vienna“ und „Flesh trench“ sind sehr ruhige Stücke mit eigentümlichen und zynischen Samples, „Pagan Crusade“ reißt mich mit seiner wunderschönen Melodieführung mit und „RTL Hariti“ beendet das Album fast schon sanft.

Mmmmh, 2008 entstand ‚Schädling‘ und ließ mich aufhorchen, davor war es das 2004er ‚Bone Peeler‘ und davor ‚Wreath of barbs‘ 2001. Alles dazwischen geht zum Teil in Ordnung, langweilt und nervt aber auch ganz oft. Was bei der Produktion von ‚Bulwark Bazooka‘ anders lief? Man kann nur mutmaßen. Aber wenn Rudy schon nicht eine Stiländerung vorsieht, wäre ein Veröffentlichungszyklus alle 3 bis 5 Jahre eventuell gesundender. Und das restliche Überschussmaterial von mir aus auf ‚Raritäten‘ Sampler klatschen und ab dafür. Erstmal aber Hut ab – 2014 ging das Wumpscutschema in einem gelungenen Werk auf.

Facts:

Label:
Beton Kopf Media

Mediatype:
CD

Genre:
Electronic / Industrial / Noise

Review-Datum:
17.04.2014

VÖ-Datum:
18.04.2014

Leserwertungen:
13

Bewertung:
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Autor:
Horrschd

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Horrschd hat bereits 644 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 3,5 Sterne.Das Fazit von Horrschd zu diesem Review lautet: Trotz stoischer Stilbeibehaltung klingt Wumpscut 2014 frischer und liebevoller. 2014-04-17 13 3,3

Tracklist:

01. Rubber Corpse
02. Furunkel Lolita
03. Cross Of Iron
04. Atrocity Dancer
05. Heresy
06. Supergurl
07. Vienna
08. Pagan Crusade
09. Flesh Trench
10. Rtl Hariti

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