VNV Nation Automatic

Wer kennt sie nicht, die vor über 10 Jahren in den Diskos eingeführten Covenant-, VNV Nation- und Apoptygma-Berzerk-Runden? Und was hat sich seit dem geändert? Kaum etwas, außer dass Apoptygma nun in einer anderen Liga spielt. Nein, das ist etwas falsch ausgedrückt. Apoptygma hat nicht nur die Liga, sondern gleich die Sportart gewechselt. Bleiben nur noch Covenant und VNV Nation, die in der letzten Dekade mehr oder weniger erfolgreich versucht haben, ihren Sound zu modernisieren und in engen Grenzen zu experimentieren. Den Basis-Sound haben beide Projekte über die Jahre gleich gehalten. Nicht, dass dies ein verwerfliches Vorgehen wäre. Bad Religion praktizieren das seit über 30 Jahren und sind damit immer noch erfolgreich, was man auch von VNV Nation und Covenant behaupten kann, die nun auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben.

Blicken wir kurz zurück zur zweiten Hälfte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts. Die "Solitary EP" von VNV Nation oder das "Sequenzer"-Album von Covenant waren (neben anderen) wegweisende Meilensteine der elektronischen Musik dieser Zeit. Die Protagonisten dieser kleinen Revolte haben heute längst die Seite gewechselt, verkaufen viele Tonträger und spielen als Headliner auf. Kann man ihnen das zum Vorwurf machen? Nein, natürlich nicht. Fast jede Band will auch finanziell erfolgreich sein.

Was ist denn nun also das Dilemma von Bands wie VNV Nation? Ganz einfach, sie treten auf der Stelle. Wenn am Anfang des Albums "Automatic" im Song "On Air" die auf alte Radiolautsprecher getrimmten Hymnen-Synthies erklingen, packt einen schon das kalte Grausen. Muss das schon wieder sein? Auch das folgende "Space & Time" lässt daran zweifeln, ob man das richtige Album erwischt hat. Hatten wir das nicht alles schon mal? Strophen mit trockenen Beats sowie Ronans Gesang und dazu Refrains mit harmonisch-symphonischen Synthies. Natürlich ist der Sound klarer und der Bass fetter als noch vor zehn Jahren. Aber geändert hat sich nicht viel, außer dass die beiden Insulaner auf "Automatic" melodischer geworden sind.

Über "Resolution" brauchen wir erst gar nicht zu sprechen. Das ist Festzelt-Elektro zum Schunkeln. Da kommt das auf hart getrimmte "Control" gerade recht. Eine schöne Idee, die taktgebenden Synthies im Refrain nach Nitzer Ebb klingen zu lassen und ein klitzekleines bisschen Gitarre einzubauen. Das gibt dem Song neben der Härte noch einen Retro-Touch. Schade allerdings, dass der Songs zunehmend überfrachtet wird.

Zehn Jahre zu spät verabschieden sich VNV Nation vom 20sten Jahrhundert mit elektronischem Orchestersound, der wohl die wohlverdiente Ruhe nach dem schweißtreibenden "Control" bringen soll. Ah, und da ist sie doch noch, die beliebte Ballade namens "Nova (Shine A Light On Me)" im Hymnen-Format. Wohl denen, die sich damals zu "Burning Empires"-Zeiten die Taschenlampe mit dem Namen Firstlight (entsprechend dem Songtitel) zugelegt haben. Das passt sogar thematisch und man kann damit nun schön beim Konzert gegen die Feuerzeuge anstinken.

Ein kleines Überraschungsbonbönchen haben sich VNV Nation für den Schluss aufgehoben. "Radio" beginnt sehr idyllisch und stellt Ronans Gesang in den Vordergrund. Doch zur Bestürzung des Zuhörers wird dieses beschauliche Bild durch einen unsäglich nervenden Beat zertrümmert, der quasi schon das Scheppern der Boxen akustisch mitliefert. Da musste wohl noch etwas Bass auf das Album gepackt werden und nur noch beim letzten Track war Platz dafür.

Was bleibt abschließend zu sagen? "Automatic" ist das "Futureperfect" der Neuzeit. Nicht mehr und nicht weniger. Die Struktur der VNV-Nation-Alben hat sich in der letzten Dekade kaum verändert. Ein bis zwei Balladen und ein bis zwei schnellere Stücke für die Tanzflächen, dazwischen etliche Songs im gewohnten VNV-Sound die von Album zu Album mal düsterer, mal heiterer klingen.

Überraschungen gibt es jedenfalls keine mehr. Sicherlich wird auch dieses Album seine Freunde finden und das sei Ronan Harris und Mark Jackson auf jeden Fall gegönnt. Mögen sie mit "Automatic" die Media Control Charts erobern. Von einem innovativen Sound haben sie sich aber schon lange verabschiedet.

Facts:

Label:
Anachron Sounds

Mediatype:
CD-Album

Genre:
Electronic / Industrial / Noise

Review-Datum:
22.09.2011

VÖ-Datum:
16.09.2011

Leserwertungen:
30

Bewertung:
Rating Image

Leserwertung:
Rating Image

Autor:
Veit

Bewerte diesen Tonträger:

Autor:

Veit hat bereits 944 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 4,5 Sterne.Das Fazit von Veit zu diesem Review lautet: Ein wenig melodischer, ansonsten aber alles wie gehabt 2011-09-22 30 2,5

Tracklist:

01. On Air
02. Space & Time
03. Resolution
04. Control
05. Goodbye 20th Century
06. Streamline
07. Gratitude
08. Nova (shine A Light On Me)
09. Photon
10. Radio

Facebook Like

Twitter

Twitter

(c) Medienkonverter Online - Alle Rechte vorbehalten Vervielfaeltigung nur mit Genehmigung.
Alle Angaben erfolgen ohne Gewaehr. Page Impressions diese Seite: 3.392 Statistiken
Impressum