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18.11.2004
How To Dismantle An Atomic Bomb
Mal wieder ein Review einer Platte, die nicht ganz so subkulturell ist, aber trotzdem eine...

U2 Special: Boy / October / War Re-Release

Bisher dachte ich immer, U2 wären eine dieser Bands, die ihren Ruhm nur durch ihr Durchhaltevermögen errungen hätten. Musikalisch nichts besonderes, aber durch jahrzehntelange Präsenz, in die oberen Ränge der großen Rock-Acts gerutscht. Diese Zeiten sind vorbei. Endlich gehen mir die Ohren auf. Mit der Veröffentlichung der ersten drei Scheiben „Boy“, „October“ und „War“ kann die Jugend von heute aufgeklärt werden. Allen älteren Soundfetischisten wird die Schatztruhe in neuem Glanz aufgerissen. Als Ende der 70er Bono und seine Kollegen die ersten Gehversuche unternahmen, konnte noch keiner ahnen, in welche Richtung die Band später gehen würde. Bono Vox – der charismatische Frontmann ist längst weit über die Musik weltweit bekannt. In krisengebeutelten Irland machen sich vier junge Musiker auf die Welt zu verbessern.

„Boy“ (1980)
Los geht es im Jahre 1980 mit ihrem Debütlabum „Boy“. Was soll ich sagen? Ohne Erwartungen bin ich an Songs wie „Another Time, Another Place“ angetreten. Besser die späte Erkenntnis, als gar keine. Denn der Sound war damals schon einzigartig. Locker, leicht und trotzdem voller Tiefe, zelebrieren sie einen musikalischen Schöngeist, wie er in den oberflächlichen 80er nur schwer zu finden war. Den Anfang macht das herrlich leichte und verspielte „I Will Follow“. Post-Punkig, aber schon mit jeder Menge catchiger Gitarrenmelodien ausgestattet, versprühen die Jungs mächtig Newcomer-Charme. Das düstere „An Cat Dubh“ sowie das fröhlich-melancholische „Into The Heart“ zeigen großes Potential und verhelfen den Iren zu den ersten Chartplatzierungen auf der Insel.

„October“ (1981)
Bevor sie die Welt erobern sollten, warfen sie mit ihrem zweiten Album „October“ zwar keinen Rohrkrepierer, aber ein an der Qualität der anderen Alben gemessen, unterdurchschnittliches Album heraus. Vor den Aufnahmen traten die Jungs in eine christliche Glaubensgemeinschaft namens „Shalom“ ein. Diese sah jedoch vor, dass man kein Musiker in einer Rockband sein darf. Zum Glück entschieden sich die Jungs für die Musik und gegen die Gemeinschaft. Als Überbleibsel dieser Phase befinden sich auf dem Werk jede Menge religiöse Bezüge u.a. beim Opener „Gloria“ und „Tomorrow“. Musikalisch bieder und mit angezogener Handbremse ausgestattet, kann „October“ neben „Boy“ und „War“ nur abstinken. Mit Abstand das schwächste Album der Frühphase.

„War“ (1983)
Anders sieht es beim dritten Werk „War“ aus. Religion war gestern – jetzt wird mit der hiesigen Welt gehadert. Es ist der Beginn der politischen U2. Mit „Sunday Bloody Sunday“ steht einer der größten Hits gleich an erster Stelle. Es scheppert, es groovt. Erinnerungen werden wach – diesmal jedoch digital remastert. Toll! „Seconds“ quält sich leidvoll durch die Boxen, bevor mit „New Year’s Day“ mein absoluter Lieblingssong der Iren im neuen Glanz erstrahlt. Ein zartes und doch so kräftiges Stück Musik hab ich in meinem Leben selten gehört. Ganz große Kunst. Das wütende „Like A Song“ schlägt kräftig ein, bevor es mit „Drowning Man“ wieder zur Anklage kommt. Der leidvolle Gesang Bonos ergreift und beschert Gänsehaut. Mit „War“ haben U2 ein zeitloses Stück Pop-Musik erschaffen, das in keiner wohlsortierten Plattensammlung fehlen sollte.

Alle drei erscheinen wahlweise mit je einer Bonus-CD, bei der es unveröffentlichtes Material, rare B-Seiten und Live-Mitschnitte zu erkunden gibt. Dazu gibt es auch bei der Standart-Version ein modifiziertes Booklet, mit seltenen Bildern und einer mehrseitigen Geschichtsstunde von Paul Morley, Neil McCormick und Niall Stokes, die sich intensiv um die zeitliche und musikalische Einordnung kümmern. Alles zusammen machen diese Wiederveröffentlichung jede Menge Spaß. Wer sich bisher mit dem Frühwerk der Iren kaum auseinandergesetzt hat, darf auf Entdeckungsreise gehen. Wer schon damals ein Ohr für Bono, The Edge und Co. hatte, sollte ein weiteres Mal genau hinhören. Der Sound ist ein Hochgenuss und zeigt, wozu die moderne Technik alle gut sein. Klar, werden viele sagen, dass es weniger Authentizität als die Originale besitzt, aber dafür kommen neue Facetten ans Tageslicht, die nicht unentdeckt bleiben sollten.

Facts:

Label:
Island/Universal

Mediatype:
Doppel-CD

Genre:
Rock / Metal / Punk

Review-Datum:
26.07.2008

VÖ-Datum:
18.07.2008

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Bewertung:
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Autor:
Enrico

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Enrico hat bereits 224 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 4 Sterne. 2008-07-26 0 4,2

Tracklist:

„boy“
01. I Will Follow
02. Twilight
03. An Cat Dubh
04. Into The Heart
05. Out Of Control
06. Stories For Boys
07. The Ocean
08. A Day Without Me
09. Another Time, Another Place
10. The Electric Co.
11. Shadows And Tall Trees

Bonus-cd
01. I Will Follow (previously Unreleased Mix)
02. 11 O'clock Tick Tock
03. Touch
04. Speed Of Life (previously Unreleased Track)
05. Saturday Night (previously Unreleased Track)
06. Things To Make And Do
07. Out Of Control
08. Boy-girl
09. Stories For Boys
10. Another Day
11. Twilight
12. Boy-girl (live At The Marquee, London)
13. 11 O'clock Tick Tock (live At
The Marquee, London - Previously Unreleased Version)
14. Cartoon World (live At The National Stadium, Dublin - Previously Unreleased Track)

„october“
01. Gloria
02. I Fall Down
03. I Threw A Brick Through A Window
04. Rejoice
05. Fire
06. Tomorrow
07. October
08. With A Shout (jerusalem)
09. Stranger In A Strange Land
10. Scarlet
11. Is That All?

Bonus-cd
01. Gloria (live At Hammersmith Palais, London)
02. I Fall Down (live At Hammersmith Palais, London)
03. I Threw A Brick Through A Window (live At Hammersmith Palais, London)
04. Fire (live At Hammersmith Palais, London)
05. October (live At Hammersmith Palais, London)
06. With A Shout (richard Skinner Bbc Session)
07. Scarlet (richard Skinner Bbc Session)
08. I Threw A Brick Through A Window (richard Skinner Bbc Session)
09. A Celebration
10. J. Swallo
11. Trash, Trampoline And The Party Girl
12. I Will Follow (live At Paradise Theatre, Boston)
13. The Ocean (live At Paradise Theatre, Boston)
14. The Cry/electric Co. (live At Paradise Theatre, Boston)
15. 11 O’clock Tick Tock (live At Paradise Theatre, Boston)
16. I Will Follow (live From Hattem, Netherlands)
17. Tomorrow (bono & Adam Clayton, Common Ground Remix)

„war“
01. Sunday Bloody Sunday
02. Seconds
03. New Year’s Day
04. Like A Song...
05. Drowning Man
06. The Refugee
07. Two Hearts Beat As One
08. Red Light
09. Surrender
10. „40“

Bonus-cd
01. Endless Deep
02. Angels Too Tied To The Ground (previously Unreleased Track)
03. New Year’s Day (7” Single Edit)
04. New Year’s Day (usa Remix)
05. New Year’s Day (ferry Corsten Extended Vocal Mix)
06. New Year’s Day (ferry Corsten Vocal Radio Mix)
07. Two Hearts Beat As One (long Mix)
08. Two Hearts Beat As One (usa Remix)
09. Two Hearts Beat As One (club Version)
10. Treasure (whatever Happened To Pete The Chop)
11. I Threw A Brick Through A Window/day Without Me (live)
12. Fire (live)

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