Thee Hyphen Consolidated Green

So unklar der Projektname Thee Hyphen ist, so unklar ist auch die genaue Bezeichnung des Musikstils, der auf "Consolidated Green" zu hören ist. Ersteres lässt sich allerdings durch Nachsehen etwas genauer definieren. Das Ein-Mann-Projekt stammt aus Frankreich, offeriert mit "Consolidated Green" sein erstes Album, ist aber schon vor dieser VÖ auf diversen (inter-)nationalen Compilations vertreten gewesen, u.a. auf den Elektrauma-Samplern 5 und 6. Die Musik ist allerdings nicht ganz so einfach zu kategorisieren. Die Plattenfirma Bordeom beschreibt den Stil ziemlich passend als "Intelligenten Elektropop", der zwischen elektronischen Pop-Melodien, komplexen rhythmischen Strukturen und kühlen Sounds schwankt. So gesehen ist dies auch ein Pluspunkt, denn damit lässt sich Thee Hyphen derzeit nicht mit aktuellen Bands vergleichen. Höchstens mit bestimmten musikalischen Stilen wie bspw. dem 80er-Depeche Mode-Sound, typischem (wenn auch leicht vocoderisierten) Synthpop-Gesang, wie er damals und öfters auch noch heute anzutreffen ist (manchmal erinnert er sogar (ganz!) leicht an Neuroticfish) oder aktuellen Elektro-Anleihen, wobei - Gott sei Dank - auf den typischen 16tel-Sequenzer-Bass verzichtet wurde. Zudem verbinden sich in jedem Titel ausgeklügelt arrangierte analoge und digitale Klänge - als Effekte, Sounds oder auch zu Melodien kombiniert -, die teilweise über den gesamten Song hinweg eine kühle Atmosphäre verbreiten und diesen somit nicht unbedingt tanzbarer machen. Hier gewinnt das Anhören oberste Priorität.

Die Tanzbarkeit des Albums steht konzeptionell sowieso eher erst an dritter oder auch vierter Stelle. Vielmehr könnte man die CD, wissenschaftlich gesehen, fast als Grundlagenforschung betrachten. Thee Hyphen zeigt nämlich sehr eindrucksvoll, dass die intensive Beschäftigung mit den Studiogeräten auch Funktionen des Equipments hervor bringt, die meistens, vielleicht aus Umständlichkeit oder vermeintlicher mentaler Überlastung des Hörers, lieber unbenutzt bleiben. Denn genau dadurch entsteht diese gewisse Song-Komplexität, die für den Dancefloor teilweise ungeeignet ist, da man viel intensiver zum Hören denn zum einfachen Abzappeln animiert wird. Sicherlich ist der Silberling damit nicht jedermanns Geschmack. Für elektronische Musiker, Multimedia-Künstler oder den anspruchsvollen Hörer ist er aber definitiv ein Muss. Für elektronische Musiker? Ja, denn für diesen Menschenschlag passt an dieser Stelle der vorhin genannte wissenschaftliche Grundlagenaspekt ausgezeichnet. Zum einen ist das Album musikalisch, zum anderen auch von den Songstrukturen her in sich geschlossen und als homogen zu betrachten. Das heißt, dass es keine großen Ausschweifungen gibt. Vielmehr wird das "intelligente Elektropop"-Gebiet in neun Songs bearbeitet. Und innerhalb dieser Titel kann der geneigte Musiker nun Stück für Stück die Ideen suchen, die er vielleicht schon immer mal gern gehört oder auch schon im Kopf hatte, welche aber noch nicht auf dem heimischen Aufnahmegerät verewigt wurden. So gesehen ist "Consolidated Green" ein guter Ideenratgeber. Für den "normalen" Hörer bieten die Tracks vermutlich nicht allzu große Abwechslung, aber bei jedem weiteren Durchhören (v.a. unter den Köpfhörern) fördern sie doch immer wieder etwas bis dahin Unentdecktes zu Tage.

Anspieltipps lassen sich demzufolge auch nicht nennen, da die Songs doch immer etwas einander ähneln. Das ist somit leider auch ein hörbarer Minuspunkt der CD. Thee Hyphen versteht es wunderbar, komplexe und anspruchsvolle Songs mit Synthpop-Einschlag zu komponieren. Hätte er aber noch einen "Eingängigkeits-"Berater während der Produktion gehabt, dann hätte sich aus meinem Favoriten "Collapse" ohne große Umstände noch etwas mehr Pepp (im Sinne der Tanzbarkeit) heraus holen lassen, so dass dieser definitiv zu einem Club-Renner hätte avancieren können. Das ist an dieser Stelle mein Wink mit dem Zaunspfahl für weitere VÖs. Den Wink gibt's deshalb, weil sich sehr viel Potenzial auf der CD befindet, welches durch die (sicherlich gewollte) Komplexität Clubtauglichkeit und ein ganz entspanntes Homelistening verhindert und deshalb an vielen Käufern vorbei zu laufen droht. Und das wäre echt schade...

PS: Hier in Deutschland ist "Consolidated Green" übrigens erst am 14.02.2005 erschienen und neben unseren typischen Mailorder-Anbietern derzeit sogar über Amazon erhältlich.

Facts:

Label:
Boredom Product

Mediatype:
CD-Album

Genre:
Electronic / Industrial / Noise

Review-Datum:
06.03.2005

VÖ-Datum:
31.05.2004

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Autor:
Björn

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Björn hat bereits 179 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 4,5 Sterne. 2005-03-06 0 4,2

Tracklist:

01. Half Dead
02. Hear The Noise
03. Inflame
04. Industrial Suicide
05. Politics Of Promises
06. Only Obsession
07. Methods Of Lies
08. Collapse
09. Lobotomy

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