Solitary Experiments Mind Over Matter

Ich bin jetzt mal ganz ehrlich. Von der Formation „Solitary Experiments“ (SE) habe ich schon einmal was gehört, ich konnte mir aber soundtechnisch noch keine richtige Vorstellung machen, was mich nach dem Einlegen dieser Scheibe erwartet. Ich denke, für eine CD-Rezension ist diese Ausgangssituation aber eher ein Vorteil, da man so, unbelastet, frei von irgendwelchen Erwartungen, an den Hörtest herangeht. Schon seit dem 12. September 2005 steht das neue, vierte Studioalbum "Mind Over Matter" des Berliner Trios, bestehend aus Dennis Schober, Michael Thielemann und Steve Gräber, in den Regalen aller gut sortierten Plattenläden.

Der Start mit „Odyssey Of Mind” beflügelt im Hymnen-Charakter meine weitere Vorfreude auf dieses Album. Meine Ohren werden mit einem Mix aus Elektrosound und Synthiepop, gepaart mit Akzenten aus dem EBM-Regal gefüttert. Als erstes fällt mir die markante Stimme von Dennis auf, die maßgebend bei allen Tracks für die entsprechend düstere Dynamik sorgt. Ansonsten sind, wie es sich für eine Elektro-Band gehört, Synthies, Sampler und Computer als instrumentale Unterstützung mit am Start. Ausgezeichnete, tanzbare Kracher der Scheibe sind „Pale Candle Light“, „Delight“, „Still Alive“ und „Homesick“. Im Klartext heißt das, zu den Klängen dieser Songs bewegt man ich ganz automatisch in Richtung Tanzfläche um sich zu bewegen und auszutoben. Steht keine Tanzfläche zur Verfügung, reichen wenige Quadratzentimeter des Wohnzimmers für die Bewegungsakrobatik. Im Gegensatz zu den gerade genannten Club-Perlen wirkt die Ballade „Apologize“ um Einiges langsamer, verträumter und lässt mich aufgrund ihres Themas leicht in Melancholie verfallen. Ebenfalls ruhiger, ja fast schon in die Kategorie „Trance“ einzuordnen, kommt „Counterpart“, als instrumentales Stück ohne die Stimmkraft von Dennis, in den Gehörgängen an.

Bei allen Stücken sind Melodie und alle elektronischen Backgroundsounds perfekt mit den stimmlichen Akzenten von Dennis verflochten. Interessante Spannungen werden in den Tracks durch kraftvolle, aggressive musikalische Präsentation auf- und durch ruhige, entspannte Part’s wieder abgebaut. Melodiöse Klangwelten, gepaart mit eingängigen Texten fesseln den Hörer schlagartig und verlassen selbst nach Ende der CD nicht mehr den Kopf. Wer sich nun die Frage stellt, ob „Mind Over Matter“ über längere Zeit motivieren kann, dem kann ich ohne zu zögern sagen: JA, definitiv! Warum? Weil die einzelnen Songs musikalisch nie in einer Sackgasse enden, sondern abwechslungsreicher nicht sein könnten. Selbst als ich die CD zum 10. Mal in meinem CD-Player Karussell fahren ließ, hatte ich nie das Gefühl, das mir eine Sequenz abgenutzt vorkam oder ich die Skip-Taste betätigte. Der einzige Wermutstropfen dieser Scheibe ist die kurze Spielzeit. Gerade mal 48 Minuten sind nicht unbedingt Longplayer-Charakter. Dafür gibt es aber eine Erstauflage von „Mind Over Matter“, welche als auf 1000 Stück limitierte Edition erscheint, die eine Bonus-CD mit Liveaufnahmen der bekanntesten Titel der Band enthält. Für SE-Fans also auf jeden Fall ein „Must-Have“.

Durch Verzicht auf musikalisch, komplizierte Experimente und der Griff nach bewährten Werkzeugen aus der Synthiepop- und Elektrosound-Kiste, gelingt Solitary Experiments eine sehr offene und zugängliche Interpretation ihrer Musik. Deshalb werden neben den SE-Fans viele Hörer der Zeitgenössischen Elektronischen Musik Gefallen an diesem Werk finden.

Zweifellos wurde ich sofort nach dem ersten Mal Hören des Longplayers vom SE-Virus angesteckt und seitdem lässt mich „Mind Over Matter“ nicht mehr los. Die CD hat ihren festen Platz im CD-Wechslers meines Autos gefunden und wird dort auch noch eine Zeit verbringen. „Solitary Experiments“ werden ihrem Namen in heutiger Zeit eigentlich nicht mehr gerecht. Ein einsames Experiment ist dieses Album jedenfalls nicht mehr, eher ein Anwärter auf eine vordere Album-Chartplatzierung. Zum Schluß sei es mir noch gestattet, den Leser auf den Download-Bereich von www.solitaryexperiments.de zu verweisen. Da kann jeder an einer musikalischen Verkostung, in Form von 6 Previews des aktuellen Werkes, teilnehmen.

Facts:

Label:
Out Of Line

Mediatype:
Doppel-CD

Genre:
Electronic / Industrial / Noise

Review-Datum:
05.11.2005

VÖ-Datum:
12.09.2005

Leserwertungen:
5

Bewertung:
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Autor:
Robert

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Robert hat bereits 19 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 4 Sterne.Das Fazit von Robert zu diesem Review lautet: Für Hörer der Zeitgenössischen Elektronischen Musik! 2005-11-05 5 5

Tracklist:

Cd1 “mind Over Matter”:
01. Odyssey Of Mind
02. Pale Candle Light
03. Delight
04. Apologize
05. Downfall
06. Still Alive
07. Counterpart
08. Homesick
09. War & Peace
10. Self Deception

Cd 2 “bonus Live Cd”:
01. Requiem (a Lament To The Dead)
02. Miracle
03. Paradox
04. Watching Over You
05. The Essence Of Mind
06. Secrets
07. Glory & Honour
08. Wasteland
09. God, Where Are You?

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