Soko Friedhof Drom

Man entschuldige meine Wortwahl – die kursiv geschriebenen Stellen stammen aber nicht aus meiner Feder, sondern wurden von der Soko selbst gezaubert:

Ich und mein Hackebei-hell
sind zusammen einfach gei-hel

Kreativität darf nie gezügelt werden, Kunst ist frei und muss gefördert werden. Herr David A. Line lebt sich deswegen in vielen Gefilden aus: Als Teil der Untoten ist der nebenher als Schriftsteller werkelnde Geist verantwortlich für jede Menge Musik, die weite Teile der Grufti Szene über Jahre immerhin anerkennend akzeptieren konnten und fast zeitgleich mit dem vorliegenden Kunst- oder Kotzbrocken erscheint ein Album, das ihn als Singer/Songwriter mit durchaus gehobenen, zumindest aber inhaltlich und grammatikalisch vorhandenen Sätzen erschallen lässt.

Scheiße wie du schwimmt immer oben
Scheiße wie du geht niemals unter

Alles nur ein Witz?
Naja, schön wäre es, denn einen Witz kann man ja machen. Ja, von mir aus auch auf dem Niveau knapp unterhalb des Meeresspiegels. Doch die Soko hat da andere Pläne. Bisher trat sie als Elektroprojekt mit derben und leicht plumpen Texten und Samples auf, die aber durchaus den Reiz der Perversen wecken konnten. Aber da machten sie neben all der Derbheit auch noch Musik. Letztes Jahr ermittelten sie aber in Sachen "Mord" und besannen sich dabei eines Musikgenre, dass anscheinend unbedingte Verknüpfung der Gothicszene erforderte... dem Hip Hop. Nein, halt, nur den Teil des Untergrund-Hip-Hop, dessen Texte die Augen der Heranwachsenden zum Leuchten bringen, weil Mutti beim Erschallen in Ohnmacht fällt.

Euer Leben hängt an einem Tropf, 'ne Infusion aus Scheiße
Ich steck' die Nadel in deinen Kopp' und schick dich auf die Reise

Warum dieser lange Exkurs? "Mord" war ein schlechter Scherz, musikalisch und inhaltlich unerträglich. "Drom" ist ein nahezu identischer Aufguss davon. 2x der gleiche schlechte Scherz – damit sprengt man doch eigentlich jede Party.

Willst du meine Metze sein
Stille meine Lendenpein

48 Minuten tieeeefstes Niveau verkauft uns die Soko da. Ein plakativer Angriff gegen die verstockte und zugeknöpfte Gruftiszene, gegen jede Konvention? Das ganze soll hoffentlich immer als Witz gesehen werden. In den Strophen stellt man sich und seine Fans als saudumme Idioten dar, über die man sich doch nur lustig machen kann. Tja nu, etwas Masochismus scheint ja in vielen zu stecken.

Hol' dir einfach einen runter
Wichsen macht dich wieder munter
Hol' dir einfach einen runter
Denn sie ist ja deine Mutter

Textlich kreist alles ums morden, metzgern und den Analverkehr. Wie sagte Willi Brandt so schön: Nun wächst zusammen, was zusammen gehört. Aber auch als Mensch, der durchaus niedrigschwellige Satire mit zugedrückten Augen ertragen kann kommt mir im Vergleich der Humor der New Kids Turbo wie Art Haus Kino vor. Ein Hidden Track auf einer CD – da wäre dieses Erbrechen von Fäkalplumpheit derb aber etwas witzig. Nun bereits auf dem 2ten Album und gesamter Spielzeit?

Was soll ich nehmen, um dich zu zähmen?
Soll ich die Säge kreisen lassen?
Oder mich mit deinem Arsch befassen?
Oder mich mit deiner Muschi befassen?

Vorgetragen werden die poetischen Zeilen im wahrscheinlich absichtlich holprigen Gerappe, der klanglich zwischen Jan Delay und Fettes Brot schwankt. Meist wird Silbe für Silbe abgearbeitet, sobald es schnell wird bricht Herr Lines auch mal ab und lacht und sagt im off, dass das noch nicht so läuft. Ein wahrer Schenkelklopfer ... Und natürlich sind Songs nur gut, wenn der 2-Zeiler-Refrain mindestens 80mal wiederholt wird.

Schenk' ein Lächeln wenn du in den Spiegel blickst.
Setz' ein Lächeln auf auch wenn du sie von hinten fickst.

Musikalisch bewegen wir uns auf den Abgrund zu. Irgendwo zwischen Ghetto-Hip Hop und alten Untotenzeiten. Statt Beats gibt es Klicken und Quäken. Alles ist auf Trash gemacht, der Sound ist eine Katastrophe. Für diesen lustigen Scherz zahlt man Herrn Lines gerne den CD Vollpreis. Hihi, alles scheiße – gibt's das auch als Sonderedition? Dann kann ich noch'nen 20er drauflegen. Also viel Spaß allen, die an diesem Werk die Verarschung sehen, die die Soko erschaffen wollten. Oder vielleicht wird das ja Trend in der neuen Gothic Szene. Für diesen Fall muss ich jetzt erstmal aufhören und meine CD Sammlung einäschern. Aber was wollt ihr auch meine Zeilen lesen, wenn es David A. Lines so schön ausdrückt:

Was kümmert es die Eichel wenn ein Weicher sich dran reibt
Dein Lümmel fickt nur Löcher wo die Scheiße kleben bleibt

Facts:

Label:
Grafenwald

Mediatype:
CD

Genre:
Electronic / Industrial / Noise

Review-Datum:
15.05.2011

VÖ-Datum:
13.05.2011

Leserwertungen:
4

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Autor:
Horrschd

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Horrschd hat bereits 626 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 3,5 Sterne.Das Fazit von Horrschd zu diesem Review lautet: Tiefer kann man nicht sinken - das ist nicht Satire sondern Mist. 2011-05-15 4 1

Tracklist:

01. Look At Him!
02. Hacke Bei-hell (gei-hel)
03. Scheisse Wie Du
04. Satan Oder Rock?
05. Horrormetzgerei
06. Darkness
07. Hurenband
08. Download
09. Die Disse
10. Opfa
11. Smile
12. Gebet
13. Soweit Die Füsse Tragen
14. Cindy

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