Neo Sindustrial

Endlich, meine Damen und Herren, endlich werden wir erlöst von all dem unspektakulären, den Geiste des wahren Insustrial verleumnendem Schund und dürfen den New Electronic Order erfahren. Endlich stehen da wieder Menschen an den Reglern, die wissen, was die Masse braucht um sich gekonnt auf der Tanzfläche zu verrenken: Ja genau, wir brauchen unspektakulären und den Geiste des wahren Industrial gänzlich egalen Ballertechno, der gut gemacht ist aber so viel Inhalt hat wie ein einstündiger Monolog von Teletubbie-Tinky-Winky über die Wetterlage in Hürth-Kalscheuren.

Aber stellen wir doch erstmal die Herren vor, die NEO zu einer Sünde für die Gesellschaft machen wollten aber leider eher ein Sühne-Werk für Hyperaktive schufen: Tandrin könnte man kennen, denn er bespaßt die elektronische Dunkelszene konsequent mit Mechanical Moth Werken. Zusammen mit seinem Kumpel Disdain hatte er vor drei Jahren schon einmal eine echte Perle herausgebracht, die meine Libido nachhaltig geschädigt hatte – Novastorm lautete damals das gemeinsame Projekt und Porno-Elektro war angesagt. 2011 sind beide wesenlich reifer, haben das Mikro an den Nagel gehängt und zimmern nun ausschließlich an den Reglern. "Sindustrial" lautet das dabei entstandene 50 Minütige Beweisstück dafür, dass nicht nur Friseure mieserable Wortwitze machen und reine Tanzmusik leider selten mit einem spannenden Album einhergeht. Doch was macht die Musik von Neo so un-besonders? Nun, es ist wohl die Tatsache, dass es heuer einen ganzen Sack voll Projekte gibt, die gute Bässe und wummernde Sounds edelst zusammenstellen können – da wirkt die Ansage, dass NEO einfach... plakativ: man wolle "all diese zerquetschten Beats, limitiert bis zum Tode" nicht mehr, man interessiere sich "nicht für den Sound von Handys et cetera". Neo "reden von richtigen Anlagen in Clubs, Discotheken, großen Subs in Autos und in [ihrem] gothverdammten Studio mit seinen Yamaha-Monitoren und -Subwoofer". Ihr wisste ja, Weihnachten wird unterm Baum entschieden und man sollte wohl noch mal die Wunschliste ändern um "Sindustrial" wirklich genießen zu können, denn der angepriesene und auch wirklich vorhandene ultratiefe, drückende und glasklar produzierte Sound ist das einzig positiv zu vermerkende.

Ich habe ja immer gedacht, dass es bei Musik auch um Musik geht, aber NEO geht es anscheinend wirklich ausschließlich um die Klangqualität: 50 Minuten Inhaltsleere verteilt auf 13 Nicht-Aufhorchern. Auflockerung findet nur in Form von langweiligen Standartsamples oder mithilfe einer computergeneriert klingenden jungen Dame statt, die Texte zwischen Brooklyn Bounce, Combichrist und Scooter-Refrains von sich gibt und dabei so erotisch klingt wie Dame Edna in Strapse. "Come to me, I'd like to dance with you, dance with me, I'd like to fuck with you", "Industrial, electro, the sound aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaand (*stöhn*) the base" – ja, das sind alles Lyriks, die weniger für die Ewigkeit geschaffen wurden als mehr dafür, dass zappelnde Gasmaskenträger sie auf der Tanzfläche eh nicht verstehen.

Und wieder steht man vor dem alten Problem: Auf der Tanzfläche können die Lieder sicherlich dazu dienlich sein, um die wahllose Dauerbeschallung durch die Djs fortzuführen. Dem Publikum geht es ja meist wirklich nur darum, ob der Sound schön drück und man 1-Mann-Solo-Interpretationen eines epileptischen Anfalls darstellen kann. Hier hat NEO auch gute Chancen, denn als Dj ist "Sindustrial" eine dankbare Angelegenheit: das Album ist einfacher zu bedienen als ein Toaster, egal welcher der 13 Songs angeworfen wird, alle sind gleich und klingen schön fett. Zu Hause verwandelt sich das komplette Album dann in eine Gurke, die nur mit viel Ignoranz, Alkohol oder Schlaf zu ertragen ist. Denn hier erkennt man, dass nichts passiert, alles vor sich hinblubbert und die Texte den Fremdschämfaktor des Nachmittagsprogrammes von RTL, Sat 1, etc. Erreichen. Ich möchte aber genau diesen Bereich bewerten, denn es geht in Kritiken um komplette Alben und nicht um den Effekt, der auf der Tanzfläche möglich sein könnte und der über die fragwürdigen Inhalte hinwegtäu.... ich denke, ihr versteht was ich meine.

Also wohl einzig für Djs interessant und dann auch wirklich zu einen fairen Preis erhältlich ist das vollkommen unschwarze "Sindustrial" ein Album, an das wir uns morgen nicht mehr erinnern werden.

Facts:

Label:
Körperschall Records

Mediatype:
CD

Genre:
Electronic / Industrial / Noise

Review-Datum:
03.12.2011

VÖ-Datum:
07.10.2011

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Autor:
Horrschd

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Horrschd hat bereits 644 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 3,5 Sterne.Das Fazit von Horrschd zu diesem Review lautet: Gut produzierter Bumm-Bumm ohne innere Werte 2011-12-03 0 1,7

Tracklist:

01. Hell-o
02. Bass @ The Base (fest. Sin)
03. E-fight
04. I`d Like
05. Irre Explodieren Nicht
06. Purity
07. Fdhl
08. Hacker
09. War Of Fidelity
10. Low Freak Bitch
11. Stomper Whore
12. Enjoy My Sickness
13. Hoffnung

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