Merzbow Lop Lop

Leider liegt diese (erneut) erstaunliche Merzbow-Veröffentlichung schon einige Zeit zurück, denn Anfang Oktober hat Masami Akita bereits auf Rustblade Records weiteres Material veröffentlicht. Doch hiermit soll der Vorgänger, erschienen Ende letzten Jahres, umgehend dem Hörtest unterzogen werden. Wieder stellt sich die Frage: Auf welche Weise können Worte den Sound von Merzbow adäquat wiedergeben? Soll man sich in höchst vergeistigter Verklärung der tiefgreifenden Interpretation widmen oder einfach nur klipp und klar sagen, was man „hört“und in den Händen hält? Es könnte so einfach sein, und es ist es doch nicht.

Mit einer Annäherung an den vollmundigen Albumtitel „Lop Lop“ zu beginnen, erscheint angemessen. Der Künstler Max Ernst konzipierte seinerseits als Alter Ego ein vogelähnliches Wesen auf zwei Beinen, das er in verschiedenen Techniken (Malerei, Collage usw.) und Darstellungsvarianten in sein Werk integrierte. Diesem Tier gab er den Namen Loplop. Die sehr filigrane Coverdarstellung der beiden stilisierten Vögel (Künstlerin: Alessia Catanuto) interpretiert dieses Alter Ego eindrucksvoll.

Wie lässt sich hieraus die Brücke zur Merzbow-Klangkunst schlagen? Eigentlich gar nicht, denn es wäre doch vermessen, bei Masami Akita kurzerhand die Existenz von einem oder gar mehreren Alter Egos diagnostizieren zu wollen. Denkbar wäre es aber zumindest. Seinen gewaltdurchsetzten, aggressiven Noise-Eskapaden ist Akita treu geblieben. Geändert hat sich nur der Weg der Generierung, folgert man aus den Darstellungen des Labels. Durch die bis ins Unkenntliche transformierten Gitarren- und Synthtöne entsteht ein „maximum wall of sound“, sorgsam aufgeteilt auf drei Titel, dem wir an dieser Stelle kurzerhand mit einer Fülle an spontanen Assoziationen begegnen wollen, die hoffentlich mehr sagen als beschreibender Textfluss – sortiert von A-Z. Die Summe aller Teile zu bilden überlassen wir anschließend dem geneigten Leser und (vielleicht) zukünftigem Hörer.

[[start]] atonal, beunruhigend, chronisch, dröhnend, extrem, feindlich, gewalt(tät)ig, heftig, irritierend, japanisch kakophonisch, laut, monoton, niederträchtig, orgiastisch, pervers, quälend, rasend, schrill, traumatisierend, unberechenbar, verstörend, wirr, xenophob, Yuppiefeindlich, zyklopisch. [[stop]]

Die klassische Edition ist in einem schlichten, aber edlen Papierfolder erschienen, innen bedruckt mit wunderschöner Malerei von Akita selbst, und enthält einen kleinen Logo-Sticker. Zwei limited editions (1 x auf 299 Exemplare und 1 x auf 99 Stück nummeriert, wobei letztere bereits ausverkauft ist) mit zahlreichen schönen „Dreingaben“ und special packaging ergänzen die VÖ. Wie immer: Für Fans und Sammler ein must-have.

Facts:

Label:
Rustblade Records

Mediatype:
CD-Album

Genre:
Electronic / Industrial / Noise

Review-Datum:
24.10.2012

VÖ-Datum:
09.12.2011

Leserwertungen:
2

Bewertung:
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Autor:
Susanne

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Susanne hat bereits 348 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 4,5 Sterne.Das Fazit von Susanne zu diesem Review lautet: Neues aus dem unerschöpflichen Noise-Kosmos von Masami Akita. Laut, extrem, gewaltig. 2012-10-24 2 3,3

Tracklist:

Classic Edition:
01. Canaanda
02. My Voice At The Pace Of Drifting Clouds
03. Eq

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