Lith Gaïa

"Gaia" bedeutet in der griechischen Mythologie Urmutter, alles ernährend und hervorbringend. Lith bezieht sich hier auf die Erde, und zwar den Planeten den wir alle bewohnen.
Traum und dennoch mehr Albtraum - "Hiroshima" und "Katami" spielen auf die direkte und bewusste Zerstörung der Menschen an, "Atmosphere", "Gaia" und "Spezies" auf die schleichende Zerstörung der Erde durch die Verseuchung der Umwelt. Die andere, etwas hoffnungsvollere Seite sind Kulturen, die uns zwar primitiv erscheinen, aber bis heute einen respektvollen, verehrenden Umgang mit der Erde und Natur, der Urmutter pflegen - Stämme wie die in vollkommener Abgeschiedenheit lebenden Sentinelese oder Huli. Es spricht für Lith, das er diese existenziellen Themen in seiner Musik zu verarbeitet und damit Gehör verschafft! Pluspunkt Nummer eins.
Lith beschreibt seine Musik als eine Mischung aus "aesthetic soundscapes, tribal and trance elements, distorted noises, fast break beats and powerful industrial rhythms (...)".

Wer das Booklet nicht liest oder das Bonusmaterial auf der CD übersieht wird die Nachricht erstmal nur zwischen den Zeilen mitbekommen und erstmal "nur" intelligenten Industrial mit den oben erwähnten Zutaten hören. Lith verwendet nur spärlich Samples, verhindert dadurch bewusst das Ethno Klischee und hält das Klangbild durchgängig kühl, düster elektronisch aber mit teils weiten, epischen analogen Synthiesounds. Wer die rhythmischen Escapaden und Variationen von z.B. Iszoloscope mag, aber nicht unbedingt alles was mal Rhytmus war, nur zerhackt verträgt ist hier genau richtig: ausgefallene Polyrhythmen, Breaks, downbeats - aber eben alles noch tanzbar. Oder auch nur zum Zuhören, da sich das Melodische mit dem Harschen, Rauhen stets die Waage hält, was für mich ein grosses qualitatives Plus an dieser Produktion ist oder kurz: Pluspunkt Nummer zwei.

Guter Industrial schien lange Zeit von überall nur nicht aus Frankreich zu kommen. Das hat sich geändert. Lith ist ein Name, den wir uns merken sollten, so auch Flintglass und sein Label Brumerecords. Einige Veröffentlichungen kennt man auch schon über Black Rains' Funkwelten. Somatic Responses und Antigen Shift wären hier noch als weitere Seelenverwandte zu nennen. Antigen Shift haben auch einen genialen, wenn auch sehr kurzen Remix von "Gaia" ans Ende der CD platziert. Gemastert wurde alles von H.Klapholz, besser bekannt als Ah cama sotz. Und so schliesst sich der Kreis. Erstaunlich, dass es das Projekt schon seit 10 Jahren gibt und ich erst jetzt davon erfahre.

Facts:

Label:
brume

Mediatype:
CD

Genre:
Electronic / Industrial / Noise

Review-Datum:
03.12.2006

VÖ-Datum:
13.10.2006

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Autor:
Matthias

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Matthias hat bereits 40 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 4 Sterne. 2006-12-03 0 4,2

Tracklist:

01. Katami
02. Hiroshima
03. Atmosphere
04. Communicate
05. Gaïa Ii
06. Imperialism
07. Forgotten Ethnies
08. Huli
09. Sentinelese
10. Amazon
11. Escape (destructured Mix By Elektroplasma)
12. Species (leitmotiv Versus Mix By Muckrackers)
13. Gaïa (rhythm Mix By Antigen Shift)

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