• Image
10.05.2010
Immaculada
Anathema und Antimatter sind Vergangenheit für Duncan Patterson. Dessen ganzes Augenmerk g...

Íon Madre, protégenos

Hinter dem Projekt Íon verbirgt sich der Ire Duncan Patterson, der seine Musikerkarriere einst als Bassist bei der weltbekannten Doom-Metalband Anathema begann. Nach einer späteren, fast sieben Jahre dauernden Schaffensphase bei Antimatter geht Patterson mit Íon nun eigene Wege. Der Name des Projektes, "íon", ein gälisches Wort, das im Deutschen "rein" bedeutet, versinnbildlicht die Gedanken und Emotionen, die Patterson auf dem Debüt-Album musikalisch umgesetzt hat, auf eindrucksvolle Weise.

Für "Madre, Protégenos" (zu Deutsch: Mutter, beschütze uns), versammelte er 13 begnadete Gastmusiker und –sängerinnen aus allen Teilen der Welt um sich. Zusammen mit den Einflüssen von Pattersons irischen Wurzeln prägen sie auf unvergleichliche Weise den Charakter des Albums.

Zart, zerbrechlich, wehmütig und gleichzeitig hoffnungs- und kraftvoll wirken die zum Großteil rein akustisch eingespielten Titel. Folkloristisch inspirierte Gitarren-, Harfen-, Viola- und Flötenklänge, bisweilen ruhig-beschwörerische Percussions und sparsam eingesetzte filigrane Synthflächen verleihen dem Album eine zurückhaltende und gleichzeitig intensiv berührende Anmutung. Jeder Titel gleicht einem kleinen Gemälde, dessen Schönheit und sich dahinter verbergende Geschichte erst bei eingehender Betrachtung und Auseinandersetzung offenbar wird. Pattersons Kompositionen benötigen keine vielen Worte, keine überladenen Arrangements – "Madre, Protégenos" ist eine stille, empfindsame Hingabe an das Grundbedürfnis eines jeden Menschen nach Geborgenheit und Liebe, dessen Erfüllung eine komplexe Lebensaufgabe eines jeden Menschen geworden ist.

Der Titelsong "Madre, Protégenos", der den Hörer zum Album führen soll, wirkt düster und anmutig zugleich. Fast schon rituell beschwörend wiederholen eine flüsternde Frauen- und Männerstimme die Schutz ersuchenden Worte. Zarte Klavierakzente und eine melancholische Flöte unterstreichen die dominierende Akustikgitarre und verleihen dem voll magischer Schönheit und Anziehungskraft dahin gleitenden Lied eine bedrohliche, imposante Wirkung. "O Efeito Do Verão", die nächste Station der musikalischen Weltreise, lebt von einer ein sehr leise angelegten, getragenen Grundstimmung, welche sich nach und nach zu einer fast majestätischen, orientalisch angehauchten Klanglandschaft entwickelt. Das englischsprachige "Learpholl" ist auf die gleiche Weise angelegt und geprägt von seinen klaren, wehmütigen Gitarren- und Harfenklängen sowie der einzigartigen, weiblichen Gesangsstimme. Nach einigen Minuten erblüht aus dem zarten Wehklagen ein intensiver Klang voll überwältigender Schönheit und Trauer, dessen feine, überraschende Details sich nur bei sehr genauem, konzentriertem Hinhören offenbaren.

Während "Anathema maranatha" verstärkt mit einer feinen Percussion und atmosphärisch-verzauberten Syntheffekten mit leisem, monotonem Sprechgesang arbeitet, trägt das von Hoffnung geprägte, einen Hauch von Himmel und Frieden verströmende "Believe" den stärksten Song- Charakter der Albumtitel. Hier entfaltet die unvergleichliche Stimme der russischen Sängerin Emily Saaen ihre glanzvolle Schönheit in seiner reinsten Form. Das kurze "Ultreia", das der musikalischen Untermalung eines magischen Rituals gleicht, spannt gekonnt den Bogen zu "Goodbye Johnny Dear", einem tief berührenden irischen Volkslied voller Sehnsucht, das von Johnny Patterson, dem Urgroßvater Duncan Pattersons komponiert wurde. Einem traditionellen Kinderlied gleicht das Instrumental "Fé, Esperanza, Amor" zu Beginn, doch schon bald wird die zart gezupfte Melodie von Gitarre, Flöte, Percussions und zarten Keyboardklängen aufgegriffen und erwächst zu einer kraftvollen, strahlenden Sonne. Mit "Beyond the Morning", eine sanfte, sehr leise und traurige, von einem Klavier und einer Flöte begleitete Ballade, schließt das – leider viel zu kurze – Album

Eine Spielzeit von nur 39 Minuten enttäuscht hier sehr, denn sie ermöglicht kaum eine längere Ruhefindung. Allerdings kann das Album etliche Male nacheinander angehört werden, ohne dass sich Langeweile oder gar Eintönigkeit einstellt. Zu berührend, zu fesselnd sind die Kompositionen des begnadeten Iren, der bereits am Material für das zweite Album arbeitet.

"Íon" spiegelt nicht nur die der Welt innewohnende Rein- und Schönheit wieder, sondern steht für anspruchsvolle, spirituelle und inspirierende Klänge, die sich wie schützende Hände über Körper und Seele legen.

Facts:

Label:
Equilibrium Music

Mediatype:
CD-Album

Genre:
Andere

Review-Datum:
10.02.2007

VÖ-Datum:
27.11.2006

Leserwertungen:
0

Bewertung:
Rating Image

Leserwertung:
Rating Image

Autor:
Susanne

Bewerte diesen Tonträger:

Autor:

Susanne hat bereits 348 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 4,5 Sterne. 2007-02-10 0 4,2

Tracklist:

01. Madre, Protégenos
02. O Efeito Do Verão
03. Learpholl
04. Anathema Maranatha
05. Believe
06. Ultreia
07. Goodbye Johnny Dear
08. Fé, Esperanza, Amor
09. Beyond The Morning

Facebook Like

Twitter

Twitter

(c) Medienkonverter Online - Alle Rechte vorbehalten Vervielfaeltigung nur mit Genehmigung.
Alle Angaben erfolgen ohne Gewaehr. Page Impressions diese Seite: 1.378 Statistiken
Impressum