Hydroxie Seelenfresser

Eigenständigkeit ist ja so eine Sache. Mit der vorliegenden CD stellte ich zwar nichts Innovatives vor, aber dennoch mal was anderes. Denn Wynardtage reanimieren ihr Seitenprojekt Hydroxie um hemmungslos in fremden und vergangenen geglaubten Gefilden zu wildern und ein solides Album zu veröffentlichen, mit dem man sicherlich viel Freude haben kann. Ein kurzer Kommentar zum Coverartwork, bevor ich zum musikalischen Inhalt komme: Pfui Spinne.

Von Lied zu Lied gibt es Bands die mir in den Sinn kommen. Einige zähle ich hier mal auf: Bei den meisten Liedern muss ich beim Sound an die ersten Blutengel oder Terminal Choice Alben denken. Altmodisch klingt es vor allem durch den Verzicht einer künstlichen Fülle durch die Produktion - alles klingt sehr roh, 90er und nicht betont edel. Hydroxie verwenden hingebungsvoll Samples und bereichern durch punktierten Einsatz das gesamte Album - ist jetzt auch kein neues Stilmittel, aber erwähnenswert, wenn es schon mal gewinnend eingesetzt wurde. An manchen Stellen erinnert mich das Album an die düstere Stimmung älterer Suicide Commando, zum Beispiel bei "Engel" oder "Miststück". Terminal Choice kommt mir bei "Suizid" in den Sinn während "Seelen im Licht" ein im S.I.D.T. Stil verwurstete Version von Wumpscuts "Jesus Antichristus" sein könnte (Text und Melodie weisen überraschend große Ähnlichkeiten auf). "Hass" könnte man mit seiner (im Positivem) penetranten Kinderliedmelodie auch bei älteren Soko Friedhof vermuten. Ein flotter Basseinsatz und voranteibene Strukturen erinnern (zum Beispiel bei "Du bist kein Goth") an Amduscia oder (bei "Stirb noch nicht") an Hocico. Und bei den Worten "alles alles Lügen...." glaube ich, sogar dem Thilo Wolff wird gehuldigt.... wenn auch nur kurz. Denn Absch(l)uss macht aber der "Hidden track" auf der 66.... lange konnte ich schon nicht mehr diese Klischeezahl auf meiner CD-Player Anzeige lesen und musikalisch gedenkt man hier wieder dem Hauptprojekt Wynardtage: ein simpler Hellectro Stampfer mit den einzigen englischen Texten des Albums. Ach ja, das Hauptprojekt findet sich auch durch drei Neuauflagen vertreten: "Sterbehilfe", "Regret" und "Circle of sadness".

Leider ist mein Hauptvergleich dennoch Agonoize: musikalisch bei "Skandal", textlich aber auf Albumlänge. Das ist mir einfach zu platt und dämpft den positiven musikalischen Eindruck vieler Tracks leider häufig. Inhaltlich gibt es aus (nur) ein Best of Hellectro: Ich bin böse, mental desolat, du bist eine Schlampe, wir Schwarzgekleideten leben in einer Schattenwelt, wir wissen wie Gothic geht, bitte geh noch nicht und irgendwas mit Gott. Der Klang der Verzerrung ist übrigens auch recht nah an den Krawallmachern mit A.... Dies tut nicht allen Liedern gut, vor allem nicht den etwas melodiöseren, da es manchmal zu fauchig-aufgesetzt eher stört als gefällt.

Tja.... dieser 'Seelenfresser' kann gefallen. Hydroxie machen mehr richtig als falsch und liefern Düsterfreunden mal was anderes (oder eben auch nicht). Wenn sie auf kommenden Alben den Mut zu noch mehr Melodie hätten und bei den Texten nicht so fürchterlich platt vorgehen würden, ich könnt mich glatt in das Projekt verkucken. Aber so kommt ersteinmal einmal eine Reinhörempfehlung unter Vorbehalt für alle Freunde der härteren Düsterelektronik.

Facts:

Label:
E-Noxe

Mediatype:
CD

Genre:
Electronic / Industrial / Noise

Review-Datum:
07.04.2015

VÖ-Datum:
31.10.2014

Leserwertungen:
10

Bewertung:
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Autor:
Horrschd

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Horrschd hat bereits 622 Reviews für den Medienkonverter verfasst und die Durschnittsbewertung beträgt 3,5 Sterne.Das Fazit von Horrschd zu diesem Review lautet: Hydroxie machen mehr richtig als falsch. Kann man mal reinhören. 2015-04-07 10 2,5

Tracklist:

01. Seelenfresser
02. Im Sturm Der Lügen
03. Hass
04. Engel
05. Skandal
06. Bist Kein Goth
07. Miststück
08. Suizid
09. Stirb Noch Nicht
10. Sterbehilfe
11. Unter Verdacht
12. Seelen Im Licht
13. Circle Of Sadness
14. Regret
15. Hidden Track

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